Sturzrisiko Neureifen (Archivversion) SCHMIEREN THEATER

Die ersten Kilometer sind die gefährlichsten: Frisch aufgezogene Reifen sind rutschig, den richtigen Grip bekommen sie erst nach einer Einfahrphase - die man möglichst vorsichtig angehen sollte.

Der Monteur hatte noch gewarnt: » Vorsicht, neue Reifen«. Dann rollte der Kunde vom Hof der BMW-Niederlassung in Stuttgart-Vaihingen. Fünf Minuten später kreuzte er schreckensbleich und mit einigen Schrammen an der Verkleidung seiner BMW K 100 RS wieder auf. Keinen Kilometer entfernt war er in der ersten Rechtskurve vom Bock gefallen, Mechaniker Martin Müller, verblüfft:« Ich hatte den als ganz besonnen Fahrer in Erinnerung«. Eine Woche später gehörte Müller selbst zu den Leidtragenden. Er war ebenfalls mit frischen Pneus unfreiwillig abgestiegen.Daß neue Reifen ihre volle Haftfähigkeit nicht von Anfang an entwickeln können, hat mehrere Ursachen. Zum einen ist die Oberfläche auf den ersten Kilometern noch so glatt wie die Form, in der sie entstanden ist. Richtig verzahnen kann sich das Gummi mit dem Asphalt aber erst, wenn diese glatte Schicht abgerubbelt ist. Oft sind auch Reste von Trennmitteln aus der Produktion für den mangelnden Grip verantwortlich. Auffällig ist, daß die anfängliche Rutschphase offensichtlich bei manchen Herstellern ausgeprägter ist. Besonders Bridgestone-Reifen, speziell mit dem BT 56-Typ für ansonsten hervorragende Haftung prädestiniert, sind in der MOTORRAD-Redaktion berüchtigt, da selbst erfahrene Testredakteure ihre Privatmaschinen bei Stürzen mit neuen Pneus dieser Marke ruiniert haben. Michael Glockner, Produkt-Manager bei Bridgestone Deutschland, meint, »daß das geschilderte Problem kein spezielles Motorradthema und auch kein spezielles Bridgestone-Thema ist.« Nach Aussage der Bridgestone-Techniker liegt die zunächst haftungsarme Oberfläche der Reifen nicht nur am Trennmittel beim Verlassen der Vulkanisierforn, sondern auch an einer »Emulsion, die die verbleibenden Gumminoppen entfernt. Diese Emulsion besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Sie wurde sogar modifiziert, um die Haftung der Neureifen weiter zu verbesssern.« Dazu PR-Manager Helmut Dähne von Metzeler: Wir haben schon überlegt, die Vulkanisierformen sandzustrahlen, um die Reifenoberfläche griffiger zu gestalten«.Bridgestone in Bad Homburg trägt sich schon mit dem Gedanken, bei den Reifenhändlern und in den Motorrad-Werkstätten Poster oder Warntafeln aufzuhängen. Allgemein gilt: Bei Neureifen aller Fabrikate sollte der Motorradfahrer zunächst sehr vorsichig zu Werke gehen.

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