Sub Slogan entfällt, mit Grafik absprechen (Archivversion) Das kleine Einmaleins der Radial-Reifentechnik

Wie bei vielen technischen Dingen bleiben auch bei der Reifentechnik die entscheidenden Details fürs Auge verborgen. Dabei ist der unter der Lauffläche angelegte Unterbau das A und O der Reifentechnik. Bei aktuellen Radial-Reifen bildet die ein- oder zweilagige, im 90-Grad-Winkel, also quer zur Fahrtrichtung, angelegte Karkasse den Grundstock. Darüber spannt sich beim Hinterradreifen entweder ein endlos gewickelter Null-Grad-Gürtel (Zeichnung unten) oder ein mehrlagiger, sogenannter Kreuz- oder Schnittgürtel. Am Vorderrad (Zeichnung rechts) wird bis auf ganz wenige Ausnahmen (Metzeler ME Z 4 mit Stahlgürtel) nur der Kreuzgürtel verbaut, der eine gute Stabilität beim Bremsen und Einlenken garantiert. Auch der Werkstoff der Fäden entscheidet über Steifigkeit und Funktion des Reifens. Ob ein billiger Nylonfaden oder eine teure, aber hochfeste Aramidfaser (Kevlar) verwendet wird, ist letztlich auch eine Sache der Preiskalkulation. Die Steifigkeit der Seitenwand wird bestimmt von der Karkaßfaser (ein- oder mehrlagig), dem Kernreiter, einem mehr oder weniger steifen Gummikeil zwischen Karkaßlage und dem sogenannten Umschlag der Karkaßlage. Der Laufflächengürtel sollte bei Sportreifen einerseits so steif wie möglich ausfallen, um bei Kurvenfahrten ein Maximum an Stabilität und Haftung zu garantieren, andererseits muß auch hier eine gute Eigendämpfung vorhanden sein, um Straßenunebenheiten abzufedern. Die große Kunst im Reifenbau besteht deshalb darin, den Unterbau so anzulegen, daß genügend Federungseigenschaften vorhanden sind, ohne daß die Kurven- oder Bremsstabilität leidet. Deshalb sind Straßenreifen immer ein Kompromiß, der je nach Anforderungen der jeweiligen Motorradtypen in die eine oder andere Richtung gelenkt wird. Auch das Fahrzeuggewicht und die mögliche Höchstgeschwindigkeit müssen bei der Konstruktion berücksichtigt werden. Diese Kritereien sind in der Tragfähigkeitskennzahl und dem Geschwindigkeits-Symbol auf dem Reifen vermerkt. Ein weiteres Geheimnis ist die optimale Krümmung der Lauffläche, die sich auf Handling, Lenkkraft und Fahrstabilit auswirkt, und natürlich die Rezeptur der Gummimischung, die letztlich über eine sichere Haftung auf trockenen und nassen Straßen entscheidet.

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