Test Rennreifen Sekundenkleber

Ob für den Kampf um WM-Punkte, oder just for fun beim Renntraining: Rennreifen sind ein Muss. Welcher zu wem passt, klärt der Test von sechs aktuellen Supersportreifen.

Was die Motorradhersteller heute im Bereich Supersport »aus der Kiste heraus« anbieten, stellt schon ein beieindruckendes Potenzial dar, dass sich guten Gewissen auch von Hobby-Piloten nur noch auf abgesperrten Strecken auskosten lässt.
Dazu braucht es dann aber auch die geeingeten Reifen: Diverse Reifenhersteller bieten profilierte Rennreifen an. MOTORRAD fühlte sechs Paarungen der Dimension 120/70 ZR 17 und 180/55-ZR 17 auf 3.5 und 5.5 breiten Felgen auf den Zahn. Ein ideales Umfeld für diesen Test bot das freien Renntraining von Reinhard Sucher (Telefon 0721/5301420) auf der winkeligen, anspruchsvollen Rennstrecke von Calafat.
Mit von der Partie waren auch Neuheiten, wie etwa der Avon Azaro Pro Xtreme oder der Bridgestone BT 001 Pro. Als Testmaschinen fungierten zwei nahezu identische Suzuki GSX-R 600 (siehe auch Kasten Seite 199), mit der einen wurde ausschließlich die Funktion der Reifen beurteilt, mit dem anderen Motorrad so viel Runden gedreht, bis der hintere Pneu deutlich verschlissen war, um tendenziell Aussagen über die Haltbarkeit machen zu können.
Die Tester, selber begeisterte Hobby-Racer, möchten sich mit dieser Geschichte vor allem an Einsteiger und Fortgeschrittene wenden. Einem Profi muss man nicht erzählen, wie es um Grip oder Fahrstabilität eines bestimmten Reifen bestellt ist; er arrangiert er sich mit Eigenarten. Hobby-Fahrern gelingt das mitunter weitaus schlechter. Was nutzt der haftfreudigste Reifen, wenn man aus Angst vor Lenkerschlagen nie richtig beschleunigt? Weshalb sich ein einstellbarer Lenkungsdämpfer auf der Rennstrecke dringend empfiehlt. Ebenso ratsam: der Einsatz von Reifenwärmern, eine lohneswerte Investition. Rausfahren und in der zweiten Kurve lässig das Knie über den Boden schraddeln lassen, das geht nur mit vorgeheizten Reifen. Während des gesamten Tests kam deshalb ein Wärmer von Capit zum Einsatz (siehe auch Kasten Seite 195).
Hat man sich für einen Reifen entschieden, so steht man oft vor der Qual der Wahl der Mischung. Beliebte, aber falsche Fahrerlager-Weisheit: Supersoft macht superschnell. Das stimmt für Hobbyfahrer nur sehr eingeschränkt. Oft sind die vermeintlich »härteren« Mischungen für sie die bessere Wahl, weil – unter anderem – die Fahrwerksabstimmung leichter fällt. Beispiel Michelin Pilot Race, drei Mischungen sind lieferbar: S2, M2 und – straßenzulassungfähig – H2. Letztere ist nicht etwa härter. Weil ein anderer Karkassaufbau gewählt wurde, fällt die Gummimischung sogar weicher aus als beim M2. Die Folge: Der H2-Reifen verfügt über ein breiteres Temperaturfenster, er kann bedenkenlos ab zehn Grad Lufttemperatur eingesetzt werden, sein Optimum erreicht er zwischen 20 und 30 Grad, weshalb er von Michelin bei Rennen mit hohen Außentemperaturen dem M2 vorgezogen wird. Also lieber genau auf Ratschläge vom Renndienst oder Reifenhändler hören, die Jungs verdienen ihr Geld damit und wollen hauptsächlich eins: zufriedene Kunden, die gerne wiederkommen. MOTORRAD möchte sich dem anschließen und wünscht eine erfolgreiche, sturzfreie Renntrainingssaison 2003.

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