Test Sport- und Tourensportreifen 120/70 ZR17 und 180/55 ZR17 (Archivversion) Haftverschärfung

Breit, schnell, gut. So die Anforderung an die Sohlen sportlicher Bikes. MOTORRAD hat das Potenzial von sechs Sport- und vier Tourensportpneus auf trockener und nasser Piste und bei unterschiedlicher Gangart ausgelotet.

Was macht das Motorrad erst richtig schnell? Natürlich – die richtigen Reifen. Gnade dem, der aufs falsche Gummi setzt. Er wird in der Applauskurve mächtig versagen und auf nasser Piste schnell ins Schleudern kommen. Aber gibt es tatsächlich noch einen wirklich schlechten Reifen? MOTORRAD hat dazu die aktuelle Sportreifen-Generation in der Dimension 120/70 ZR 17 und 180/55 ZR 17 unter die Lupe genommen und außerdem vier Modelle aus dem Tourensportsegment. Metzeler Roadtec Z6, Michelin Pilot Road 2 2CT sowie Bridge-stone BT 021 konnten bereits 2007 (Heft 9) überzeugen und stellen sich nun dem Newcomer Dunlop Roadsmart, der nach der Krone in diesem Reifensegment greifen will. Neben den Qualitäten untereinander beantwortet der Test auch die spannende Frage, wie weit die Tourensport- noch von den „echten“ Sportreifen entfernt sind.


Sportreifen

Beim Sportreifentest im vergangenen Jahr (MOTORRAD 12/2007) hatten Metzeler Sportec M3 und Michelin Pilot Power klar die Nase vorn, gefahren auf einer Suzuki GSX-R 1000 mit einem 190er hinten. Als Untersatz für den aktuellen Test fiel die Wahl auf CBR 600 RR. Die Honda ist nicht nur ein prima Partner für flotte Landstraßenausflüge, sondern macht auch auf der Rennstrecke richtig Spaß – ohne den Piloten durch einen Überschuss an Power und Performance in Stress zu bringen.

Als brandneue Reifen für 2008 nehmen der Bridgestone BT 016 als Nachfolger des 014ers sowie Pirellis Diablo Rosso teil. Dunlops Qualifier konnte 2007 nicht wirklich überzeugen, weshalb heuer die Qualifier RR auf die Felgen der Honda wanderten. Michelins Pilot Power tritt wie der Pilot Road 2 in der 2CT-Version an, die gegenüber der Standardversion mit verschiedenen Laufflächenmischungen versehen ist: eine weiche im Flankenbereich, während die harte Mitte den Verschleiß reduzieren soll. Unverändert im Rennen bleiben Metzelers Sportec M3 und der Continental Sport Attack.

Um die optimale Vergleichbarkeit zu gewährleisten, hat die Testcrew von MOTORRAD alle Reifen unter identischen Bedingungen auf dem Testgelände von Goodyear im südfranzösischen Mireval unter die Räder genommen. Neben der Nassteststrecke bietet der drei Kilometer lange Handlingkurs perfekte Bedingungen, um das Potenzial der Pneus auf trockener Strecke auszuloten. Dabei werden zwei Fahrsituationen simuliert: zum einen die Fahrt unter gewöhnlichen Landstraßenbedingungen und zum anderen Turns, bei denen die Honda auf Rennstreckenniveau bewegt wird. Dabei treten bei den Sportreifen durchaus signifikante Unterschiede zutage (siehe Zwischenstände in unten stehender Wertungstabelle). So funktioniert der Pilot Power 2CT im Landstraßenmodus tadellos und führt mit dem BT 016 das Feld in der Zwischensumme an. Wird dann auf dem Testareal zur Attacke geblasen, geht der Michelin in die Knie, steht in der Sportwertung ganz hinten, gemeinsam mit dem Qualifier. Das umgekehrte Beispiel: Pirellis Diablo Rosso braucht den Stress der Rennstrecke, liegt nach dem durchschnittlichen Abschneiden in der Alltagswertung im Sportranking weit vorne.

Technisch werden die Sportreifen übrigens immer ausgefeilter. Der neue BT 016 etwa verfügt über insgesamt fünf Laufflächen in drei verschiedenen Mischungen am Hinterrad, vorne sind es immerhin schon drei Laufflächen.


Tourensportreifen

Muss für die flotte Straßensause gleich ein verschleißfreudiger Sportreifen auf die Felge, oder tut es auch ein ausdauernder Tourensport-Pneu? Als Referenz aus dem Sportreifentest empfiehlt sich Metzelers vielseitiger Sportec M3, an dem sich vier der derzeit besten „Tourensportler“ im direkt gefahrenen Vergleich messen müssen. Aufgrund der identischen Testbedingungen ist anhand der Punktewertung von Sport- und Tourensportreifen insgesamt eine Vergleichbarkeit der zehn Paarungen möglich.

Um es kurz zu machen: Kein Tourensport-Pneu kann in Sachen maximale Haftung und Kurvenstabilität dem M3 das Wasser reichen, doch der Abstand ist gewaltig geschrumpft. Unter landstraßenähnlichen Bedingungen, also Gummitemperaturen am Hinterreifen unter 80 Grad Celsius und ohne Messer zwischen den Zähnen, kringelt der Sportgummi mit 1.37er-Rundenzeiten drei Sekunden flotter um den Kurs als der schnellste Tourensportreifen.

Nur wenn die Reifentemperaturen über 100 Grad klettern und die mechanische Beanspruchung wie bei voller Beschleunigung aus Schräglage oder beim tiefen Hineinbremsen in Kurven rennsportliche Züge annimmt, bauen die touristischer ausgelegten Gummis deutlich ab. Erst unter solch extremen Bedingungen, die im normalen Straßenbetrieb nie auftreten, werden die tourensportlichen Paarungen im Grenzbereichverhalten zunehmend ungemütlich, instabil und hinterhältig. Die Ursache: Für dieses hohe Temperaturfenster sind deren Gummimischungen und Karkass-Unterbauten schlicht und einfach nicht ausgelegt.

Bleibt als Fazit aus diesem Test: Zügige Landstraßenfahrten können die aktuellen Tourensportpneus mit ihrem guten Grip locker ab, und sie sind aufgrund der höheren Lebensdauer ganz klar die geldbeutelschonendere Wahl. Für hobbymäßiges Rennstreckenheizen dagegen sollte man auf jeden Fall auf Sportreifen mit angepasstem Luftdruck setzen, und wer Rundenzeiten jagen geht, stülpt sich echte Rennreifen über die Felgen und Reifenwärmer über die Gummis.

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