Test Supersportreifen Kreis-Verkehr

Zackiges Rennstreckenwetzen ist schwer im Kommen, weshalb die Reifenhersteller das Angebot an straßentauglichen Supersportreifen erweitern. MOTORRAD hat sechs Renngummis durch die Mangel gedreht.

Foto: Markus Jahn
Das Sortiment der neuen Supersport-Reifengeneration zielt auf all jene, die ihren Wetzhobel zwar überwiegend auf der Straße bewegen, jedoch regelmäßig ein paar Runden auf der Rennpiste drehen. Stichwort Nürburgring Nordschleife, Hockenheimring, Motorpark Oschersleben oder sonst wo in der Republik.
Ausgelegt sind diese Pneus für den Hobby-Rennstreckeneinsatz. Wer auf beinharte Zeitenjagd geht, sollte auch weiterhin auf die so genannten Mischungsreifen oder gar Slicks zurückgreifen, die ohne Rücksicht auf Nässe- oder Alltagstauglichkeit maximalen Grip unter Rennbedienungen parat halten.
Unsere sechs Probanden dagegen werden von den Herstellern als Kompromiss für Rennstrecke und Straße feilgeboten, weil die Gummimischung auch Regen abkann und die flexible Karkasse bei Topspeed auf welligen Autobahnen nicht rumzickt. Weshalb die Paarungen mit einer offiziellen Freigabe für die meisten Supersportler gesegnet sind. Infos zu den Freigaben lassen sich über die Internet-Seiten der Reifenhersteller in Erfahrung bringen.
Unser Versuchskaninchen: die neue Yamaha YZF-R6. Ausgewählt deshalb, weil sie aus der Kiste heraus auf einem brillanten Fahrwerk mit supersportlicher Feder-/Dämpferabstimmung daherrollt und für die Rennstrecke taugt wie kaum eine andere 600er. Bei den Reifentypen bestimmte der neueste Stand die Teilnehmer.
Auf der Rennstrecke hielt sich MOTORRAD in Sachen Luftdruck an die von den Reifenherstellern empfohlenen Angaben. Nur für den Nässetest, der das Fahrverhalten bei regennasser Landstraße simulieren soll, erhöhte die Testcrew den Luftdruck auf die für den Straßenbetrieb von Yamaha vorgeschriebenen 2,3 und 2,5 bar. Auf diese Werte muss der Reifendruck auch stets nach Ende der Racing-Session korrigiert werden. Denn wer später bei der Autobahnhatz mit dem niedrigen Rennstrecken-Luftdruck unterwegs ist – zum Teil weniger als 2,0 bar –, riskiert einen kapitalen Reifenschaden durch Überhitzung.
Erster Akt: Rennstrecke. In diesem Fall der Anneau du Rhin, beim grenznahen, französischen Colmar gelegen und von unzäh-ligen Hobby-Rennfahrern genutzt. Zwei MOTORRAD-Testfahrer drehten je acht bis zehn Runden inklusive der Aufwärmrunden. Aufwärmrunden? Genau, die Reifenwärmer blieben in der Werkzeugkiste. Schließlich wollte die Testmannschaft einen möglichst praxisgerechten und für die Reifen extrem anspruchsvollen Ablauf. Und dazu gehört das Anfahren neuer, kalter Reifen ebenso wie das mehrfache Abkühlen und Aufheizen der Pneus, um die Standfestigkeit der Gummimischung gegen das lästige Aufreißen zu überprüfen (siehe Kasten Seite 73). Einmal sauber aufgerubbelt, müssen sämtliche Pneus sorgfältig aufgewärmt werden, weil die Gummimischungen logischerweise für einen höheren Temperaturbereich ausgelegt sind als reine Straßenreifen.
Um neben den subjektiven Eindrücken auch handfeste Daten über die Testfahrten zu erhalten, wurden über ein 2D-Datarecording mit GPS-Sensoren in allen Runden die Sektions- und Kurvengeschwindigkeiten aufgezeichnet. Der Vorteil bei der Geschwindigkeitsaufzeichnung über Satellit gegenüber der konventionellen Erfassung über die Raddrehzahl: Messfehler durch die unterschiedlichen Reifendurchmesser sind ausgeschlossen.
Rundenzeiten wurden nicht genommen, da die Rennstrecke nicht ausschließlich den MOTORRAD-Testern zur Verfügung stand. An den Schlüsselstellen loteten sie jedoch bei freier Fahrt auf der letzten Rille Haftung, Handling und Kurvenstabilität aus.
Natürlich wurden wie immer bei den MOTORRAD-Tests die beiden zuerst gefahrenen Reifensätze am Schluss noch einmal montiert, um sicherzustellen, dass die im Lauf des Tages sich ein wenig erhöhenden Asphalttemperaturen oder eine verbesserte Performance der Testfahrer das Ergebnis nicht verwässern. Auch Gegenproben, wenn nötig mit leicht verändertem Reifenluftdruck, gehören zum Programm.
Ganz vorn in der Wertung Kurvenverhalten: der Metzeler
Racetec K3. Obwohl beim reinen Kurvenspeed unwesentlich schneller als die Konkurrenz, sind Rückmeldung und Grenzbereichverhalten der Münchner Gummis erste Sahne. Und genau das ist es, was für den Rennstrecken-Amateur zählt. Auf einem ähnlich hohen Niveau und im Rennstreckentest dicht beieinander: Pirelli Supercorsa Pro, Conti Race Attack, Michelin Power Race (Medium) und Bridgestone BT 002 Racing Street. Da dürfte das fahrerische Können beim Hobby-Racing eine deutlich größere Rolle spielen als die qualitativen Unterschiede der vier Pneus.
Und der Dunlop mit der vielversprechenden Bezeichnung GP Racer M? Er kann bei den etablierten Supersportreifen nicht ganz mithalten. Während der Reifengummi selbst einen griffigen Eindruck vermittelt, schwächelt der Reifenunterbau, also Karkasse und Gürtellagen. Die Folge: In knackiger Schräglage geht die Kurvenstabilität durch deutliches Walken verloren.
Solche Bewegungen sind beim Bridgestone BT 002 Racing Street ebenfalls zu spüren, jedoch in viel geringerem Ausmaß und ohne sonderliche Auswirkungen auf die Lenkpräzision und Spurtreue. Zum Nachtest auf dem kleinen Kurs in Hockenheim hatte die Testcrew noch einmal den BT 002 und einen Referenzreifen aufgezogen, wobei sich die leichte Instabilität in extremen Schräglagen bestätigte.
Superstabil segelt dagegen der Newcomer Continental Race
Attack um die Ecken, dem auch bei heftigem Beschleunigen aus Schräglage kaum ein Rühren zu entlocken ist. Doch halt, zu früh gefreut. Beim anschließenden Test auf der hauseigenen, permanent bewässerten Handlingstrecke im Contidrom bei Hannover kommt der Race Attack ins Schwimmen und kassiert durch den weniger griffigen und abrupt ausbrechenden Hinterradpneu beim Nasstest die rote Laterne. Unter den erschwerten Bedingungen sind die Bridgestone-Gummis nicht zu schlagen, weil sie mit erstklassiger Haftung und einer messerscharfen Lenkpräzision durch die Fluten zischen. Die Dunlop-Reifen verzahnen sich ebenfalls kräftig mit dem glatten Untergrund und landen auf Platz zwei, vor Metzeler, Pirelli und Michelin.
Den Spagat zwischen maximaler Rennstrecke-Performance und sicherem Nassfahrverhalten schafft aber der Metzeler Racetec K3 am besten und geht deshalb als Gesamtsieger aus diesem Vergleich hervor.

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