Testkriterien (Archivversion)

Die Auswahl der Testmaschine richtet sich nach deren Bedeutung im Markt. Die Redaktion versucht, im Wechsel alle Motorrad-Kategorien zu berücksichtigen.MOTORRAD testet auf Landstraßen, Autobahnen, Nasstest-Strecken und einer permanenten Rennstrecke. Dabei muss ein und dasselbe Reifenpaar sämtliche Testkriterien durchlaufen. Die Reihenfolge bei diesem Test: Nasstest, Stabilitätstest, Funktionstest auf der Rennstrecke bei Trockenheit. Bei gravierenden Auffälligkeiten wie ausgeprägtem Pendeln, extrem geringer oder auch extrem guter Haftung wird im Zweifelsfall ein zweiter Reifensatz zur Gegenprobe aufgezogen.Die Fahreigenschaften jedes Reifens werden unmittelbar nach den jeweiligen Testfahrten mit Punkten und Kommentar bewertet und beschrieben. Währenddessen wechseln die Mechaniker die Räder der Testmaschine, um einen möglichst kurzen Zeitabstand zwischen den einzelnen Testdurchläufen zu gewährleisten. Bei allen Tests wird streng darauf geachtet, dass die äußeren Umstände, also Temperatur, Streckenzustand und die Tankfüllmenge, so weit wie irgendmöglich gleich sind. Die beiden ersten Reifensätze, die am Morgen gefahren wurden, kommen am selben Tag nach Testende und meist höheren Asphalt- und Lufttemperaturen nochmals in einen verkürzten Testumlauf. Weichen die Rundenzeiten um nicht mehr als eine Sekunde ab, bleiben die bisherigen Ergebnisse unkorrigiert.Als Referenz wurde zu Beginn des Tests die Erstbereifung herangezogen. Im Falle der BMW F 650 GS war das der Pirelli MT 80. Mit diesen Reifen fährt sich der Testfahrer so lange auf der Strecke ein, bis er seinen Rhythmus gefunden hat und die Rundenzeiten nur noch um wenige Zehntelsekunden differieren.Das Tempo auf der Rennstrecke wird so gewählt, dass sich der Fahrer nur an einigen markanten Schlüsselstellen am Limit bewegt. Alle anderen Passagen werden mit einem gewissen Sicherheitspolster gefahren, damit Kondition und Konzentration den gesamten Testtag auf dem gelichen Niveau erhalten bleibt. Pro Tag mussten ungefähr 100 Runden bewältigt werden, der erste Turn so schnell und konzentriert wie der letzte. Übertragbarkeit: Eine direkte Übertragbarkeit der Testergebnisse auf andere Motorräder ist nicht möglich. Vor allem dann, wenn das in Betracht kommende Modell über andere Reifendimensionen verfügt, beispielweise ein 18-Zoll-Hinterrad oder ein 21-Zoll-Vorderrad (BMW F 650 GS: 19- und 17-Zoll). Grundsätzlich liefert der Test Tendenzen der Reifen bezüglich Verschleiß, Nass- und Trockenhaftung, Abrollkomfort und Fahrstabilität. Wobei MOTORRAD darauf hinweisen möchte, dass alle genannten Faktoren vom jeweiligen Motorrad, dessen Leistung und von der Fahrwerkeinstellung abhängen. Beispiel: Eine deutlich schwerere und nominell 98 PS starke Suzuki DL 1000 V-Strom stellt in puncto Verschleiß und Haftung höhere Ansprüche an einen Reifen, als der Einzylinder BMW F 650 GS.Die wichtigsten Testkriterien im Überblick:Handlichkeit: Benötigte Lenkkraft, um die Maschine in Schräglage zu bringen oder in Schräglage beziehungsweise auf der gewünschten Linie zu halten.Lenkpräzision: Wird in unterschiedlich schnellen Kurven getestet und gibt Auskunft darüber, ob das Motorrad dem gewünschten Kurs, der über Lenkkräfte vorgegeben wird, folgt oder ob die Linie korrigiert werden muss.Haftung/Kurven: Seitenführung in Schräglage auf nasser und trockener Fahrbahn, getestet wird auf einer abgesperrten und gesicherten Strecke.Haftung/Beschleunigung in Kurven: Seitenführung und Kraftübertragung in unterschiedlich schnellen Kurven, ebenfalls bei Nässe und Trockenheit. Kurvenstabilität: Fahrstabilität bei schneller Kurvenfahrt, in Wechselkurven und bei Bodenwellen.Grenzbereichsverhalten: Gibt Auskunft über die Beherrschbarkeit des Reifens im Grenzbereich der Haftung auf nasser und trockener Strecke.Aufstellneigung: Ein mehr oder weniger starkes Lenkmoment beim Bremsen in Schräglage, welches das Motorrad aufrichten will und durch eine Gegenkraft am Lenker ausgelichen werden muss.Lenkerflattern (Shimmy): Mehr oder weniger starke Drehschwingung der Vorderradaufhängung um die Lenkachse im Geschwindigkeitsbereich zwischen 60 und 90 km/h.Fahrkomfort: Er ergibt sich aus der Eigenfederung und Dämpfung der Reifen beim Überfahren von Querrillen oder bei holperigem Fahrbahnbelag notwendige Eigendämpfung der Reifen, die Fahrstabilität und Abrollkomfort beeinflussen.Preis: Entspricht dem durchschnittlichen, von mehreren Reifen- und Motorradhändlern angegebenen Verkaufspreis inklusive Mehrwertsteuer. Abweichungen nach oben und unten sind je nach Reifenmarke und Händler möglich.

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