Testkriterien

Als Versuchsträger für die aktuellen Tourenreifen wählte MOTORRAD Suzukis GSF 1200 Bandit des Baujahres 2002. Ein Motorrad, das, über die Jahre kaum verändert, in großen Stückzahlen auf Deutschlands Straßen spazierenfährt. Eine Übertragbarkeit der Testergebnisse auf Maschinen andere Hersteller ist zwar nicht in allen, aber in vielen Kriterien möglich. Beispielsweise weichen Haftung nass und trocken, Handlichkeit, Aufstellmoment oder der Verschleiß nur marginal von den Ergebnissen auf der Bandit 1200 ab.Wichtig dabei: Die Testresultate beziehen sich ausschließlich auf die im Test gefahrenen Dimensionen und Reifentypen. Eine Ableitung der Ergebnisse etwa auf 190er-Bereifung kann nicht erfolgen, da grundlegende Unterschiede in Karkassenaufbau und Gummimischung möglich sind. 0 Der Luftdruck wurde für den gesamten Test mit 2,5 bar vorn und hinten nach Suzuki-Vorgaben eingehalten. 0 Bei gravierenden Auffälligkeiten wie extremem Pendeln, außergewöhnlich geringer Haftung oder Ähnlichem wurde ein zweiter Reifensatz zur Gegenprobe aufgezogen. 0 Zu Beginn des Tests diente die Serienbereifung Michelin Macadam 100X als Referenz. Mit dieser fuhr sich der Fahrer so lange auf der Teststrecke ein, bis er seinen Rhythmus gefunden hatte und die Rundenzeiten für den restlichen Zeitraum konstant blieben.0 Das Tempo auf der Rennstrecke wurde so gewählt, dass sich der Fahrer nur an drei oder vier Schlüsselstellen am absoluten Limit bewegen musste. Alle anderen Passagen ließen sich mit einem gewissen Sicherheitspolster befahren, damit Kondition und Konzentration für den gesamten Testtag eingeteilt werden konnten. Zirka 80 Runden mussten pro Testtag bewältigt werden, die erste so schnell und konzentriert wie die letzte. Die Ergebnisse auf der Versuchsstrecke im südlichen Elsass sind vom Streckenverlauf, den Kurvengeschwindigkeiten und der Fahrbahnoberfläche durchaus auf die Verhältnisse im tagtäglichen Landstraßenbetrieb übertragbar.Neu in diesem MOTORRAD-Reifentest ist die Nachprüfung einiger Kriterien mit den im Verschleißtest über 6150 Kilometer abgefahrenen Reifen. Speziell Eigenschaften, die mit der Kurvenstabilität zusammenhängen, können sich bei geringer Profiltiefe und eckig abgefahrener Kontur verschlechtern. Auch lästiges Shimmy, also das Lenkerflattern im Geschwindigkeitsbereich zwischen 60 und 90 km/h mit etwa zwei bis vier Ausschlägen pro Sekunde, kann sich mit abnehmendem Laufflächengummi und einer damit verbundenen schlechteren Eigendämpfung massiv verstärken. Folgende Kriterien werden zur Gesamtbeurteilung herangezogen0 Handlichkeit: benötigte Lenkkraft, um die Maschine in Schräglage zu bringen oder in Schräglage beziehungsweise auf der gewünschten Linie zu halten.0 Lenkpräzision: wird in unterschiedlich schnellen Kurven überprüft und gibt Auskunft darüber, ob das Motorrad dem gewünschten Kurs, der über Lenkkräfte eingegeben wird, folgt oder ob die Linie korrigiert werden muss. 0 Haftung in Kurven/Beschleunigen: Beschreibt die Seitenführung in Kurven und beim Beschleunigen in Schräglage auf nasser und trockener Fahrbahn bei schnellen Kurvenfahrten auf der abgesperrten und gesicherten Teststrecke. 0 Grenzbereichverhalten: gibt Auskunft über die Beherrschbarkeit des Reifens im Grenzbereich der Haftung auf nasser und trockener Fahrbahn, also darüber, ob der Reifen für den Fahrer erkennbar langsam zu rutschen beginnt oder ob der Grip schlagartig abreißt. 0 Kurvenstabilität: Fahrstabilität bei schneller Kurvenfahrt, in Wechselkurven und bei Bodenwellen.0 Aufstellneigung beim Bremsen: ein mehr oder weniger starkes Lenkmoment beim Bremsen in Schräglage, das das Motorrad aufrichten will und durch eine Gegenkraft am Lenker ausgeglichen werden muss.0 Stabilität vmax: wird auf unreglementierten Autobahnen mit unterschiedlichen Fahrbahnbelägen überprüft und gibt Auskunft darüber, ob die Maschine im Bereich der Höchstgeschwindigkeit zum Pendeln, Aufschaukeln, Lenkerschlagen oder sonstigen Fahrwerksunruhen neigt. 0 Stabilität auf Bodenwellen: spiegelt wider, ob die Maschinen durch Bodenunebenheiten in Unruhe versetzt wird, pendelt und wackelt oder ob der Reifen solche Anregungen dämpft und ausbügelt. 0 Fahrkomfort: benennt die beim Überfahren von Querrillen oder bei holprigem Fahrbahnbelag notwendige Eigendämpfung der Reifen, die Fahrstabilität und Abrollkomfort beeinflusst. 0 Lenkerflattern (Shimmy): mehr oder weniger starke Drehschwingung um die Lenkachse im Geschwindigkeitsbereich zwischen 60 und 90 km/h. Preis: Er wurde aus mehreren, bundesweiten Anfragen im Reifenhandel zu Beginn der Saison 2002 ermittelt. Eine verbindliche Preisvorgabe seitens der Hersteller besteht nicht und macht dieses Verfahren notwendig.

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