TESTKRITERIEN

0 Als Versuchsträger für die aktuellen Straßensportreifen diente die Yamaha YZF-R1. Mit enorm viel Leistung, wenig Gewicht und einer, bedingt durch den fehlenden Lenkungsdämpfer, problematischen Lenkstabilität auf welligen Straßen und Autobahnen, stellt das Powerbike höchste Ansprüche an die Bereifung. Die auf der Yamaha gewonnen Ergebnisse lassen sich in der Tendenz auch auf alle anderen Sportmaschinen mit ähnlichen Eckdaten (beispielsweise Honda CBR 900 RR, Kawasaki ZX-9R, Suzuki GSX-R 750 bis Baujahr 1999 et cetera) übertragen. Wichtig dabei: Die Testresultate beziehen sich ausschließlich auf die im Test gefahrenen Dimensionen und Reifentypen. Eine Ableitung der Ergebnisse etwa auf 180er-Bereifung kann nicht erfolgen, da grundlegende Unterschiede in Karkassenaufbau und Gummimischung möglich sind. 0 Der Luftdruck wurde für den gesamten Test mit 2,5/2,9 bar nach Yamaha Vorgaben eingehalten. 0 Bei gravierenden Auffälligkeiten wie ausgeprägtem Pendeln, extrem geringer Haftung oder ähnlichem, wurde ein zweiter Reifensatz zur Gegenprobe aufgezogen. 0 Alle Testreifen wurden von den Herstellern und Importeuren zur Verfügung gestellt. Vorgabe war, dass das Produktionsdatum aller Reifen mindestens zwei Wochen vor Bekanntgabe des Tests lag. 0 Bei den Versuchsfahrten spielen natürlich auch die äußeren Umstände eine große Rolle. Deshalb wurde streng darauf geachtet, dass während des gesamten test die Temperaturbedingungen nicht zu stark differierten. Speziell beim Nässetest können Schwankungen das Ergebnis entscheidended beeinflussen. Der größte über den Testtag verteilte Unterschied betrug 10 zu 13 Grad Luft- und 13 zu 16 Grad Bodentemperatur. Bessere Bedingungen kann man kaum erwischen.0 Zu Beginn des Tests wurde die Serienbereifung als Referenz herangezogen. Mit dieser fuhr sich der Testfahrer so lange auf der Teststrecke ein, bis er seinen Rhythmus gefunden hatte und die Rundenzeiten für den restlichen Testzeitraum konstant bleiben.0 Das Tempo auf der Rennstrecke wurde so gewählt, dass sich der Fahrer nur an drei oder vier Schlüsselstellen am absoluten Limit bewegen musste. Alle anderen Passagen wurden mit einem gewissen Sicherheitspolster gefahren, damit Kondition und Konzentration für den gesamten Testtag eingeteilt werden konnten. Zirka 120 Runden mussten pro Testtag bewältigt werden. Die erste so schnell und konzentriert wie die letzte. Die Teststrecke im südfranzösischen Ledenon hat vom Streckenverlauf, Kurvengeschwindigkeit und Straßenbelag sehr viel Landstraßencharakter, was einer praxisnahen Beurteilung zu Gute kommt. Zusätzlich zu den Versuchs- und Nassteststrecken auf abgesperrtem Terrain wurden Autobahnfahrten und eine Landstraßenrunde angehängt, um die Kurveneigenschaften auch dort zu überprüfen. 0 Folgende Kriterien werden zur Gesamtbeurteilung herangezogen:Handlichkeit: benötigte Lenkkraft, um die Maschine in Schräglage zu bringen oder in Schräglage beziehungsweise auf der gewünschten Linie zu halten.Lenkpräzision: wird in unterschiedlich schnellen Kurven überprüft und gibt Auskunft darüber, ob das Motorrad dem gewünschten Kurs, der über Lenkkräfte eingegeben wird, folgt, oder ob die Linie korrigiert werden muss. Haftung in Kurven: Seitenführung und Beschleunigung in Schräglage auf nasser und trockener Fahrbahn bei schnellen Kurvenfahrten auf einer gesperrten und abgesicherten Teststrecke. Grenzbereichverhalten: Das Grenzbereichverhalten gibt Auskunft über die Beherrschbarkeit des Reifens im Grenzbereich der Haftung auf nasser und trockener Fahrbahn.Kurvenstabilität: Fahrstabilität bei schneller Kurvenfahrt, in Wechselkurven und bei Bodenwellen.Aufstellneigung beim Bremsen: ein mehr oder weniger starkes Lenkmoment beim Bremsen in Schräglage, das das Motorrad aufrichten will und durch eine Gegenkraft am Lenker ausgeglichen werden muss.Stabilität vmax: wird auf unreglementierten Autobahnen mit unterschiedlichen Fahrbahnbelägen überprüft und gibt Auskunft darüber, ob die Maschine im Bereich der Höchstgeschwindigkeit zum Pendeln, Aufschaukeln, Lenkerschlagen oder sonstigen Fahrwerksunruhen neigt. Im Fall der Yamaha lag das Hauptproblem in der Anfälligkeit zum Lenkerschlagen.Fahrkomfort: benennt die beim Überfahren von Querrillen oder bei holprigem Fahrbahnbelag notwendige Eigendämpfung der Reifen, die Fahrstabilität und Abrollkomfort beeinflusst. Lenkerflattern (Shimmy): mehr oder weniger starke Drehschwingung um die Lenkachse im Geschwindigkeitsbereich zwischen 60 und 90 km/h.Preis: Er wurde aus mehreren Umfragen im Reifenhandel ermittelt. Eine verbindliche Preisvorgabe seitens der Hersteller besteht nicht und macht dieses Verfahren notwendig.

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