Vorstellung Michelin Pilot Road 4 17 - 20 - 50

Nein, das sind keine neuen Reifendimensionen, sondern die Fortschritte, die der Michelin Pilot Road 4 gegenüber seinem Vorgänger gemacht haben soll: 17 Prozent kürzerer Bremsweg, 20 Prozent längere Laufleistung und unveränderte Eigenschaften über ein Temperaturfenster von 50 °C. Wir haben den Reifen ausprobiert.

Foto: Michelin

Der Michelin Pilot Road 4 soll seinem Vorgänger in puncto Nasshaftung und Handlichkeit mindestens ebenbürtig sein. Zusätzlich verspricht der Hersteller eine höhere Haltbarkeit und konstant gute Funktion zwischen -5 und 45 Grad Celsius Außentemperatur.

Ferner soll sich der Einsatzbereich auf fast alle Motorräder über 600 cm³ erweitern. Deshalb wird es den Michelin Pilot Road 4 als Standard-Variante, als GT-Version für leichte und mittelschwere Tourensportler sowie als Trail-Variante für Straßenmotorräder mit Enduro-Geometrie und 19-Zoll-Vorderrad geben.

Die wesentlichen Konstruktionsmerkmale des Michelin Pilot Road 4 verstecken sich hinter Abkürzungen:

  • 2CT: 2 Compound Technology - die Gummimischung am Rand der Lauffläche ist weicher als die in der Mitte. Dadurch soll der Reifen einerseits auf Autobahnetappen nicht so schnell verschleißen, andererseits in Kurven gute Haftung bieten.
  • XST/XST+: X-Sipe Technology - Sipes sind Profil-Lamellen, das X ("Cross") bezeichnet ihre Ausrichtung quer zur Laufrichtung des Reifens. Ihre Kanten sollen den Wasserfilm auf der Straße durchstoßen und für Haftung sorgen; die Kanäle sollen das Wasser sammeln und ableiten.
  • 2AT: Dual Angle Technology - die neue Architektur der Reifenkarkasse soll die Tragfähigkeit von Diagonalreifen mit der Hochgeschwindigkeitsstabilität und der Handlichkeit von Radialreifen verbinden.
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Praxistest Rennstrecke

MOTORRAD konnte den Michelin Pilot Road 4 zunächst auf dem Gelände des Circuito Montebianco bei Sevilla/E ausprobieren. Bei geführten langsamen Runden auf dem Rundkurs zeigte sich eine damit besohlte Yamaha MT-07 über die Maßen handlich, eine BMW R 1200 RT wirkte auf Michelin Pilot Road 4 angenehm agil und deutlich weniger massig als erwartet. In zügig gefahrenen Kurven verhielt sich der Reifen auf beiden Motorrädern stabil und spurtreu.

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Foto: Michelin

Bremsversuche trocken

Für den Bremstest auf trockener Straße war eine Kawasaki ER-6n mit Michelin Pilot Road 4 bereift. Sie erledigte die Verzögerung aus 110 km/h zum Stillstand innerhalb des 50-Meter-Korridors problemlos und stabil. Das ABS sprach dabei nicht an.

Bei der Ausweichbremsung aus 70 km/h, ebenfalls auf trockener Straße, zeigte der Michelin Pilot Road 4 erfreulich geringes Aufstellmoment.

Foto: Michelin

Bremsversuche nass

Der Nassbremstest fand auf einer konstant bewässerten Epoxy-Fläche statt. Dieser Werkstoff kommt häufig bei Fahrbahnmarkierungen zum Einsatz und bietet im nassen Zustand sehr wenig Haftung. Zwei Yamaha FZ1 Fazer mit ABS waren mit Stützrädern ausgestattet, eine mit Michelin Pilot Road 4 bereift, die andere mit einem aktuellen, vergleichbaren Reifen eines anderen Herstellers. Nach Michelin-Angaben sei dieser Reifen derjenige, der im Nassbremstest dem Michelin Pilot Road 4 am nächsten komme.

Die Bremsungen aus 45 km/h im Regelbereich des ABS ergaben durchschnittlich 29,0 Meter Bremsweg für den Michelin Pilot Road 4; 34,4 Meter für den Reifen des anderen Herstellers. Allgemeingültige Aussagen lassen sich aus dieser vom Hersteller vorbereiteten Laborsituation natürlich nicht ableiten, deuten aber auf eine besondere Stärke des Michelin Pilot Power 4 bei nassen Bedingungen hin.

Der MOTORRAD-Vergleichstest der Tourensportreifen, an dem der Michelin Pilot Road 4 auch teilgenommen hat, wird voraussichtlich in Ausgabe 11/2014 veröffentlicht. Er vergleicht die Kandidaten unter kontrollierten, identischen Bedingungen in Nass- und Trockengrip sowie in weiteren Kritierien.

Verfügbarkeit, Freigaben und Formate

Michelin Pilot Road 4 Standard

  • vorn: 120/60 ZR 17, 120/70 ZR 17
  • hinten: 150/70 ZR 17, 160/60 ZR 17, 180/55 ZR 17, 190/50 ZR 17, 190/55 ZR 17

Michelin Pilot Road 4 GT

  • vorn: 120/70 ZR 17, 120/70 ZR 18
  • hinten: 170/60 ZR 17, 180/55 ZR 17, 190/50 ZR 17, 190/55 ZR 17

Michelin Pilot Road 4 Trail

  • vorn: 110/80 ZR 19, 120/70 ZR 19
  • hinten: 150/70 ZR 17, 170/60 ZR 17

Ob für der Michelin Pilot Road 4 für Ihr Motorrad freigegeben ist, erfahren Sie unter http://motorrad.michelin.de/reifenfreigaben.

Foto: Michelin

Interview mit Pierre Fraisse

Herr Fraisse, Sie haben uns vorhin erklärt, dass der Michelin Pilot Road 4 eine deutliche Weiterentwickung gegenüber dem Pilot Road 3 darstellt. Was hat er technisch denn noch mit seinem Vorgänger gemeinsam?
Wir sind zum Beispiel der XST-Technologie treu geblieben, haben sie allerdings in puncto Langlebigkeit weiterentwickelt, jetzt nennen wir sie XST+. Am Hinterreifen ist alles beim Alten geblieben, am Vorderreifen haben wir durch die abgeschrägten Kanten der Sipes (Quer-Lamellen im Profil, Anm. d. Red.) die überdurchschnittliche Abnutzung beim sehr aggressiven Bremsen in den Griff bekommen und die Nasshaftung sogar noch verbessert.
Gleichzeitig wollten wir beim Michelin Pilot Road 4 das leichte, kontrollierbare Handling beibehalten, welches unsere Kunden am Pilot Road 3 so schätzen. Außerdem wollten wir die Bandbreite der Motorräder, für die dieser Reifen geeignet ist, vergrößern.

Das klingt ein bisschen nach gegenläufigen Anforderungen. Sie haben uns viele, sehr verschiedene Motorräder mit dem Michelin Pilot Road 4 zum Ausprobieren mitgebracht. Wie sollen die alle mit demselben Reifen funktionieren?
Den Michelin Pilot Road 4 gibt es als Standardvariante, als GT-Version für schwere Tourer und Sporttourer sowie als Trail-Version für Allrounder mit Enduro-Geometrie, die überwiegend auf Asphalt gefahren werden.

Kann man die Trail-Version als Nachfolger des Anakee betrachen?
Nein, das sind zwei Paar Schuhe. Der Pilot Road 4 ist auch in der Trail-Version ein reiner Asphalt-Reifen. Der Anakee 3 richtet sich an Fahrer, die gelegentlich mal auf Schotter fahren.

Lassen Sie uns nochmal über die Bandbreite des Michelin Pilot Road 4 reden. Bei welchen Modellen sehen Sie die Grenzen?
Da sehe ich gerade keine Grenzen. Gut, offensichtlich ist er nicht für Supersportler gebaut, aber abgesehen davon ... Naked Bikes, Enduros, Tourensport-Motorräder - das passt alles.

Wie steht's beispielsweise mit der Harley-Davidson Electra Glide?
Oh, die großen Harleys sind eine andere Sache. Dafür haben wir ja den Commander 2 und den Scorcher im Programm. Für diese sehr schweren Tourer ist der Pilot Road 4 vielleicht nicht geeignet, zugestanden.

Aber für die BMW K 1600 GT passt er?
Ja, dafür haben wir gerade die Homologation mit der GT-Version fertig. Auch auf PS-starken Motorrädern gibt es im Prinzip kein Problem. Wir haben grade noch Arbeit mit dem Geschwindigkeitsindex für die Hayabusa, aber abgesehen davon ist der Michelin Pilot Road 4 für sehr viele Motorräder geeignet.

Eine Grundsatzfrage noch zum Abschluss: Was wirkt sich Ihrer Meinung nach am stärksten auf den Charakter eines Reifens aus - die Form, die Gummi-Mischung oder das Profil?
Das unglaublich schwer zu sagen; es kommt auch darauf an, auf welche Eigenschaften eines Reifens der Fahrer besonders achtet. Wenn wir uns mal die Upgrades vom Pilot Road 4 gegenüber dem 3 vor Augen halten, gehen viele der Fortschritte bei Laufleistung und Nassgrip auf das Konto der Gummimischung und der weiterentwickelten XST-Technologie, also des Profils. Unsere neue Karkassenbauart in Dual Angle Technology ist allerdings maßgeblich für das Handling verantwortlich.

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