A Tour-Test (Archivversion) Die Mopeds

6000 Kilometer weit durch Südosteuropa.
Oder gleich bis ans Ende der Welt. Geht das auf BMW R 1150 R Rockster und Kawasaki Z 1000?

Thema Nummer eins: Wohin mit dem Gepäck? Der BMW-Pilot freut sich – die Rockster kommt daher wie ein Pick-up, verfügt über ein stabiles Koffersystem und einen Tank, dessen Oberfläche förmlich nach einem Tankrucksack giert. Die Abdeckung für das Werkzeugfach hinter dem Fahrer (Sozius-Sitzkissen gibt es bei der Rockster nur gegen Aufpreis) geht zudem fast schon als Ladefläche durch.
Auf der Kawasaki sieht die Sache anders aus. Ein Koffersystem für die Z 1000? Wer ausgelacht werden will, kann ja mal beim Händler nachfragen. Bleiben also nur Satteltaschen
aus dem Zubehörhandel – die leider ständig irgendwie in Bewegung sind und sich schon mal auf den Endtöpfen abstützen – sowie
eine Gepäckrolle, die auf dem abgerundeten Höckersitz ebenfalls nur bedingt Halt findet. Aber: Ein dickes Lob an den Konstrukteur, der an die beiden Haken unterm Heck gedacht hat. Dieser Mann muss ein Reisefan gewesen sein, denn noch nie war es so leicht, Spannriemen zu befestigen. Unterm Strich sieht’s auf einer mit Sack und Pack beladenen Kawa allerdings immer ziemlich chaotisch aus.
Thema Nummer zwei: unterwegs sein.
Im Vergleich zur BMW geht die Kawasaki mit
ihrer aufrechten Sitzposition prompt als Tourer durch. Auf ihr hat man den Horizont stets im Blick. Stundenlang. Denn der Sessel auf der
Z ist äußerst komfortabel. Wie der der Rockster – nur dass ein Fahrer hier statt in die Welt eher auf den Asphalt schaut:
Die 85 Millimeter breite Lenkstange streckt die Arme arg, zwingt einen in eine stark nach vorn gebeugte Position. Nicht unbequem, doch gewöhnungsbedürftig. Im Wind hängen
beide Fahrer.
Ab auf die Landstraße. Wie gesagt – wir befinden uns auf langer Reise und nicht bei der flotten Wochenendtour. Bei der BMW genügt
es, am Morgen in den sechsten Gang zu
schalten und bis zum Abend diese Position
beizubehalten. Der Boxer schiebt immer – Gelassenheit ist sein Trumpf. In jeder Situation. Bei der Z 1000 verführt a) der absolut geniale Klang des Triebwerks und b) die Tatsache, dass der Vierzylinder unter 6000 Umdrehungen mit
wenig Druck daherkommt, zum Spiel mit dem Kabel. So was gefällt zwischendurch, keine Frage, wird in einem Bergnest in den Karpaten aber als störend empfunden.
Wie bisweilen das Fahrwerk. Lässt die Qualität des Asphalts nach, stochert die Japanerin schon mal ein wenig hilflos herum. Eigentlich kein Grund zur Sorge – bis zu dem Moment, in dem man die BMW kennen lernt: Der Komfort von Telelever-Vorderradführung dürfte unerreicht sein. Dieses Motorrad gleitet förmlich über jede Trasse. Und rollt, wenn’s sein muss, gut 350 Kilometer weit mit einer Tankfüllung. Die Kawasaki ist im Extremfall rund 50 Kilometer früher trocken. Was diese beiden Bikes
definitiv zum guten Reisepartner qualifiziert: Sie sind anders, machen an, treffen mitten ins Herz. Nicht unwichtig, wenn man längere Zeit aufeinander angewiesen ist.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote