Alpen-Spezial: Von Slowenien bis in die französischen Seealpen (Archivversion) Kriegsfolgen

Straßen für den Krieg. Der bis zu 4807 Meter hohe und 1200 Kilometer lange Alpenbogen stellte für Menschen wie Tiere stets eine schwer zu überwindende Barriere dar. In der Frühzeit wurden die Verkehrswege ausschließlich um das Gebirge herum gelegt. Erst im zweiten
punischen Krieg, 215 vor Christus, schaffte Hannibal mit seinen Kriegselefanten und einem rund 55000 Mann starken Heer die erste
Alpenüberschreitung. Vermutlich lag der Übergang am Mont Cenis. So genau lässt sich
das heute nicht mehr bestimmen, wohl aber, dass die Aktion knapp 30000 Soldaten das
Leben kostete.
25 vor bis 15 nach Christus übernahmen die Römer das Terrain und unterwarfen die Stämme im Alpenraum zunehmend. Dabei legten sie erste gepflasterte Pass-Straßen mit solidem Unterbau an, und der Handel über die Alpenkette hinweg konnte beginnen. Noch heute verlaufen etliche moderne Transitwege wie Brenner- und San-
Bernadino-Pass auf diesen historischen Routen.
Eine weitere große Welle des alpinen Straßenbaus traten der Erste Weltkrieg und seine Vorboten los. Vor allem in den Ostalpen zwischen Brenta und Triglav wurden zahllose Pisten in
die Berge getrieben, um die Kämpfe zwischen Italien und Österreich-Ungarn bis in die Grenzgebirgskämme austragen zu können. Viele der bis heute befahrbaren Verbindungen, beispielsweise Vršic- oder Plöckenpass, forderten durch Lawinen und Erdrutsche schon während des Baus ihre Toten. Tausende folgten ihnen im Hochgebirgskrieg, der 1915 mit dem Austritt Italiens aus dem Dreibund begann. Geschütze, Truppen und Nachschub wurden in eisigste
Höhen transportiert, für diesen erbarmungslosen Stellungskrieg aus Festungen, Felskavernen und ausgehöhlten Bergspitzen.
In den Westalpen entstand an der italienisch-französischen Grenze eine ähnliche militärische Infrastruktur. Durch Verbündung der beiden
alliierten Mächte blieben die Kampfhandlungen dort jedoch aus.
In den 80er Jahren entdeckten Offroad-Abenteurer die alten Pisten neu. Ihr Bekannt- und
Beliebtheitsgrad stieg rapide an. Immer mehr motorisierte Pioniere »gaben sich gerne mal für ein paar Tage richtig Schotter«. Bis die Behörden über viele Strecken
ein Fahrverbot verhängten. Seitdem vergnügen sich zunehmend Mountainbiker darauf. Kämpfe gibt’s heute allenfalls noch zwischen den verschiedenen Nutzerfraktionen. Die allerdings zum Teil erbittert. So überwachte die französische Gendamerie die Sperrung des Mont Chaberton zeitweise sogar per Helikopter, nachdem dort
ein Wanderer angefahren worden war.
Alpen im Wandel. Vom Krisengebiet zum
Freizeitpark, seit Schengener Abkommen und Währungsunion – mit freiem Eintritt und Einheitsgeld.

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