Reisepartner-Kunde Die wichtigsten Regeln für Gruppenreisen

Allein auf Tour gehen macht Spaß, zu zweit macht doppelt Spaß, zu dritt... Sie ahnen es. Damit unterwegs alles geschmeidig läuft, sollten vor dem Start ein paar Voraussetzungen geklärt werden. MOTORRAD hilft mit Erfahrungen, Anregungen und Tipps.

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Nicht jeder hat passende Partner für flotte Touren. Manchmal ist man fast der einzige Biker in der Gegend, oder die Kumpel haben andere Hobbies. Dann hilft eine Anzeige in Motorradmagazinen oder die Recherche im Internet. Nie war es so einfach wie heute, Begleitung für die Tour zu finden, egal ob Selbst- oder Beifahrer. Bevor man loslegt, sollte man aber unbedingt wissen, was man will. Cruisen oder zügig fahren, Kilometerfressen oder bei jedem Blümchen anhalten? Jeder hat da andere Bedürfnisse.

Wer das ganze Jahr über von neun bis fünf am Schreibtisch hockt, benötigt einen anderen Ausgleich als jemand, der auf dem Bau schuftet. Guzzi-Fahrer Ulrich Steinheimer aus Hessen weiß, wie ungünstig es sein kann, sich gar keine Gedanken zu machen. Letztes Jahr suchte er "gemütliche Tourenfahrer" für eine "niveauvolle Schottland- oder Irlandrundreise". Es meldeten sich die skurrilsten Typen, zustande kam die Reise nicht. Einer wollte mit seiner 125er Vespa mittouren. Ein 600er-CBR-Fahrer war überzeugt, sein Tagesrucksack fasse ausreichend Gepäck für die geplanten 16 Tage. "Man merkt schnell, wer noch nie auf Tour war", sagt Ulrich.

Nach 20 Jahren und 300000 Motorrad-Kilometern weiß Ulrich, was er will. Supersportler-Piloten wollten meist schneller fahren, Enduristen wünschten sich mehr Feldwege. Ulrich aber möchte das Land sehen, mit Leuten reden und gut essen. Beim ersten Beschnuppern von potenziellen Mitfahrern ist er gut vorbereitet, hat Karten mit bunten Punkten beklebt und Reiseführer mit Lesezeichen gespickt. Als Pan European-Fahrer Uwe Krölls vom Charme Großbritanniens kosten wollte, konnte sich niemand aus seiner Biker-Truppe für das vernieselte Eiland erwärmen. Die Worte "no sex" in seiner Suchanzeige für Mitfahrer wurden ignoriert. "Nur ein Typ hat sich gemeldet. Der war schwul und wollte bei mir hintendrauf mitfahren", erzählt Uwe. Also war er doch wieder mit seiner Truppe anderswo unterwegs.

 

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Aus den bislang 15 Jahren, in denen er in der Gruppe in Urlaub gefahren ist, hat er gelernt: "Keine Frauen, nur Männer." Sonst gäbe es nur Stress, Neid, und Geschwafel über dicke Bäuche und bessere Klamotten. Jens Gruber und Marie Hinrichs sind solche Erfahrungen fremd. Nachdem sie sich in der Kneipe kennengelernt hatten, überredete Jens Marie zum Führerschein. Bereits auf der ersten Reise kamen sie sich näher, lernten die Bedürfnisse des anderen kennen. Genau das ist der Dreh- und Angelpunkt einer jeden Reise: Eigene und fremde Bedürfnisse kennen.

Auch Wolfgang Bachmann ist davon überzeugt und geht noch weiter: "Man muss sich mögen." Dass aus "mögen" mehr werden kann, erfuhr er auf seinem jährlichen Trip ans Mittelmeer. Zum ersten Mal inserierte er, um Gleichgesinnte für den Urlaub zu finden mit Erfolg. Drei Männer und eine Frau wollten ihn begleiten. Wolfgang erinnert sich: "Am Ende blieb nur die Uschi übrig.

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Einer lag plötzlich im Krankenhaus, dem Zweiten war die Strecke dann doch zu lang, und dem Dritten hat seine Frau verboten, mitzukommen weil ja noch ein Mädel mitfährt." Uschi fuhr mit, tauschte anschließend ihren Chopper gegen eine Honda NTV und ihr Single-Dasein gegen Wolfgang. Jedes Jahr ziehen die beiden mit neuen Leuten los, das Alter ist Wolfgang egal. Hauptsache, er kann sich auf seine Mitfahrer verlassen. Bei Jens war Verlässlichkeit keine Frage: "Auf dem Rück-weg von England suchten wir bei Cambridge ein Zimmer, aber es war zu spät, alles war voll. Kurzerhand fuhren wir die Nacht durch und dösten die letzten Stunden in der Wartehalle des Fährhafens.

Kälte, Regen und zwölf Stunden auf dem Bock hatten uns mürbe gemacht." Trotzdem: kein Gejammer, kein Gezicke, kein Stress. Verlässlichkeit wird besonders wichtig auf Extremreisen, beispielsweise Wüstendurchquerungen. Thomas Stutz hat es getan, vor acht Jahren suchte er einen Reisepartner mit Sahara-Erfahrung. "Ein risikofreudiger Rallye-Fahrer kam für mich nicht in Frage", sagt Thomas. In Europa könne man sich einfach trennen, wenn es nicht klappt. "Abseits der Zivilisation ist man viel stärker aufeinander angewiesen."

 

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Damals gefiel Thomas der ostdeutsche Humor Raouls, mit dem er nach wenigen Treffen gut 6500 Kilometer in den Wüsten und Bergen Nordafrikas abspulte. Bald starten sie erneut, diesmal wird es Tunesien werden. Tunesien? Mitreisende suchen? Route planen? Wem das alles zuviel oder zu riskant ist, greift auf das vielfältige Programm der Anbieter von organisierten Motorradreisen zurück. Da wird man zwar in eine Menschengruppe hineingewürfelt, aber es gibt einen Tourguide, der alles regelt, sogar das soziale Miteinander.

Wie auch immer, Hauptsache, man fährt endlich los. Jens und Marie gehen weiterhin einfach so auf Reisen. Organisieren alles selbst, und wenn mal was schiefläuft, ist das kein Beinbruch. Hauptsache zusammen, Hauptsache mit den Motorrädern. Dann ist es egal, ob norddeutsche Tiefebene oder Schwäbische Alb, italienische Großstadt oder polnisches Dorf. Vielleicht klappt das Reisen deshalb so gut, weil die beiden ein Paar sind. Und vielleicht ist die Suche nach dem perfekten Reisepartner der Suche nach dem Partner fürs Leben gar nicht so unähnlich.

Die wichtigsten Regeln für Gruppenreisen

1. Absolute Klarheit darüber, was man vor der Reise erwartet.

2. Kennenlernen der Mitfahrer ist Pflicht, Probefahrt empfehlenswert.

3. Reiseziel und Reiseart klären.

4. Auf Tour ist der Schwächste das Maß der Dinge.

5. Alle Reisenden sind offen und ehrlich zueinander.

6. Alle Teilnehmer fühlen sich für die Reise verantwortlich.

7. Es gibt immer einen Chef.

Welcher Motorrad-Reisetyp sind sie?

So verschieden die Motorräder, so unterschiedlich sind die Reisenden.  Diplom-Psychologe Dr. Burghard Andresen hat den "NEOCAR"-Test entwickelt, der verschiedene Urlauber-Typen definiert. Diese sechs Profile helfen Ihnen, sich und andere richtig einzuschätzen:


Nervosität und Labilität kennzeichnen den Typ "N". Wird er Klima und Essen vertragen, fremde Gebräuche akzeptieren? Für die Motorrad-Reise bedeutet das: Keine Überforderung, sondern in kleinen Schritten wachsen – die Etappen nicht zu lang werden lassen und sich dem Reiseziel langsam annähern. Gruppentouren sollten mit Teilnehmern durchgeführt werden, die man schon kennt oder die einen zumindest nicht verunsichern.


Extrovertiert und kontaktfreudig ist der Typ "E", unternehmungslustig sowieso. Man findet ihn mittendrin im dicksten Trubel und oftmals gar als Mittelpunkt des Geschehens. Geht es auf Tour, empfehlen sich Ziele, an denen "Action" geboten wird. Viele Menschen, am besten in einer großen Gruppe, optimieren den Urlaubsgenuss.


Offenheit und Phantasie kennzeichnen den Typ "O". Vielseitig interessiert, liest er schon vorzeitig alles über die Urlaubsregion. Informiert sich über Land und Leute und ist deshalb besonders als Streckenplaner geeignet – auch wenn er sich mitunter nur auf die Highlights beschränkt. Der richtige Typ also zum gemeinsamen Kulturgenuss.


Control! Normorientiertheit und Kontrolliertheit wirken sich beim Typ "C" auch auf den Urlaub aus: Alles muss geplant und in trockenen Tüchern sein. "Sicherheit auf allen Wegen" heißt es beim Motorradfahren, nur nichts dem Zufall überlassen. Das Zimmer sollte vorgebucht, der Schutzbrief in der Tasche und die Region am besten schon vertraut sein. Empfehlung: Diesem übersteigerten Sicherheitsbedürfnis  Rechnung tragen.


Annäherung an fremde Sitten und Gepflogenheiten stehen bei Typ "A" ebenso hoch im Kurs wie Fürsorglichkeit und Hilfsbereitschaft. Ob alleine unterwegs oder in einer Gruppe – man reist langsam. Urlaubsziele wollen unter die Lupe genommen werden, egal ob es um einheimische Gebräuche geht oder um Geheimstrecken. Ein guter Reisepartner mit sozialen Qualitäten.


Risiko und Kampfbereitschaft prägen Typ "R" – die Gefahr lockt. Der Urlaub ist dazu da, sich zu beweisen: Heute durch die Sahara, morgen über die Anden, übermorgen der Iron-Butt-Association beitreten. Bestens geeignet für Extremtouren fährt er –wenn nicht ohnehin allein – am besten mit Gleichgesinnten.

Buchtipp:
Der komplette NEOCAR-Test und weitere praktische Tipps und Anregungen
sind in dem Ratgeber "Wenn die Seele neue Kraft braucht – Wie aus Urlaub und Freizeit Erholung wird" von Michael Stark und Peter Sandmeyer enthalten. Leider gibt es den empfehlenswerten Rowohlt-Band nicht mehr neu, bei Amazon, Abebooks oder Alibris findet man aber noch gute Gebrauchtexemplare.

Tipps für die Vorbereitung

Motorrad-Reisegruppen sollten Ziele festlegen. Nicht nur geographisch, sondern auch sozial. Der Schlüssel dazu heißt Kommunikation. Im Gespräch muss man die entscheidenden Fragen klären:

Wie viele Kilometer will man am Tag fahren, wie oft pausieren?
Zügig Strecke machen oder entspannt cruisen?
Reicht die Banane im Tankrucksack, oder will man mittags eine zünftige Wirtschaft ansteuern?
Genügt der Campingplatz, oder muss es das Vier-Sterne-Hotel
für die Übernachtung sein?
Selbst Kleinigkeiten wie das Schlafbedürfnis des Einzelnen und das Verhalten bei schlechtem Wetter sollten nicht
unter den Tisch fallen. Die Angewohnheit, auf Tour jeden Abend bis in die Puppen am Tresen zu hängen, kann mit anderen Lebensstilen kollidieren. Raucher, die alle halbe Stunde ihrer Sucht frönen müssen, können nicht nur den Tagesschnitt, sondern auch die Laune der mitfahrenden Nichtraucherfraktion drücken.
Ganz gleich, wie unhierarchisch sich die Motorrad-Reisenden fühlen mögen: Es sollte sich ein Chef herauskristallisieren, der die Gruppe leitet. Idealerweise ist er auch derjenige, der die Strecke kennt und vorausfährt. Muss aber nicht sein. Schließlich kann es auch mehrere kleine Chefs geben, die sich für einzelne Bereiche der Reise verantwortlich fühlen: Wer kümmert sich um Unterkunft, wer um Essen und wer sucht Ausflugsziele und Kulturelles aus?
Natürlich kann es trotz sorgfältiger Vorbereitung zu Konflikten kommen. Dann lautet die oberste Maxime: Offenheit. So kann sich kein Ärger stauen, und die Mitreisenden haben die Chance, entsprechend zu reagieren.

Was Alltag und Selbstbild für die Reise bedeuten

Wenn wir wegfahren wollen, freuen wir uns auf Tapetenwechsel, neue Bekanntschaften, Fahrvergnügen, Erlebnisse.

Auch der über das Jahr gelebte Alltag spielt in die Vorfreude hinein. Er lässt Bedürfnisse entstehen, die im Urlaub erfüllt werden sollen, die aber so unterschiedlich sind, wie die Lebenswelten der Tourteilnehmer. Grundsätzlich gilt, dass Kontrasterlebnisse zum Berufsalltag auf Reisen positiv bewertet werden. Wer im Job wenig Entscheidungsspielraum hat, sollte im Urlaub die Dinge selbst in die Hand nehmen. Bei eintöniger Arbeit ist es wichtig, viel zu erleben und die Wahrnehmungskanäle zu öffnen. Große Verantwortung im Beruf lässt sich damit ausgleichen, dass man auf der Reise einfach mal alle Zügel aus der Hand gibt und andere planen und bestimmen lässt. Eine Motorradreise bietet auch ein gutes Trainingsfeld für Selbstwahrnehmung. So mancher, der überzeugt ist, tolerant, rücksichtsvoll und kommunikativ zu sein, kommt im Verkehrsgewühl orientalischer Großstädte, nach der hundertsten Spitzkehre oder nach dem zehnten Sturz auf der Schlammpiste an seine Grenzen. Dann hilft nur Offenheit sich selber und den Reisepartnern gegenüber. Pause machen, gemeinsam Lösungen suchen. Schwäche zuzugeben, ist eine Stärke. Wer es schafft, auf der Reise Humor, Geduld, Teamfähigkeit und Kontaktfreude zu entwickeln, ist nicht nur ein besserer Partner, sondern hat auch für seine eigene Persönlichkeitsentwicklung einen großen Schritt getan. Es bewahrheitet sich immer wieder: Das Reisen ist eine Schule fürs Leben.
Foto: Jahn

Partner-Börsen

www.motorradkarawane.de
Seite der umtriebigen "Motorradkarawane" aus Duisburg. Hier kann man sich, sortiert nach dem Datum der Beiträge, über Reisepartner informieren. Allerdings müssen alle Beiträge durchgegangen werden, gezielt nach Ländern suchen geht nicht. Beachtliche Anzahl von Einträgen, wenn auch nicht immer aktuell. Zusätzlich informiert die Seite über "Alles rund um die Reise".

www.motorrad-kontakte.de
Übersichtliche Seite, die auch als Chat für Reise-Informationen benutzt wird. Auch ohne Registrierung kommt man auf die Seite der Anfragen.

http://yokko.de
Eine umfangreiche Seite für den "Biker unterwegs". Es gibt auch eine Rubrik "Reisepartner für eine Motorradtour gesucht", die zu der Seite www.reisepartner-gesucht.de weiterleitet. Reiseanfragen zu Touren aller Art, auch "Extremreisen". Sicher nicht schlecht, um eigene Anfragen zu starten.

www.joinmytrip.de
Auch hier kommt man ohne Registrierung zu Reisepartner-Anfragen. In einer Menü-Leiste kann man gezielt nach Geschlecht, Alter, Land und Reisezeitraum suchen. Zusätzlich werden ein Reiseforum, Reiseberichte und ein Reisemagazin geboten.

www.globetrotter.org
Hier findet man generelle Anfragen für Mitreisende. Sie sind nach Kontinenten unterteilt, beinhalten aber wenig motorradspezifische Anfragen. Die Seite bietet mit "Treffen", "Mitfahrgelegenheiten" und "Reiseführer-Trends" weitere Features.

www.gleichklang.de
Psychologisch untermauerte Reisepartnerzusammen-führung. Wie bei einer klassischen Partnervermittlung besteht das Grundprinzip bei "Gleichklang" in der Zusammenführung von Personen, die eine hohe Übereinstimmung in Persönlichkeit und Lebensstil aufweisen.

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