Bracht, Petra und Rainer: Interview (Archivversion) Was macht Rainer Bracht?

Der Wüstenfan Rainer Bracht gehörte zu der Gruppe der 2003 in Algerien entführten Touristen. MOTORRAD wollte wissen, wie es ihm und seiner Frau heute geht und ob sie wieder in die Sahara reisen würden.

Rainer, während deiner Zeit als
Geisel hast du viel Schlimmes erlebt und große Strapazen aushalten müssen. Ist das inzwischen alles verarbeitet?
Nach der Rückkehr hatte ich
Probleme mit meinem Rücken, die aber behoben sind. Es geht mir physisch
und psychisch so gut wie vorher.

Hast du noch Kontakt zu den
anderen Ex-Geiseln?
Wenn man ein halbes Jahr unter extremen Belastungen zusammengelebt hat, gibt es Leute, die man nicht unbedingt weiter sehen muss, und andere,
die man lieb gewonnen hat. Mit einer »Ex-Geisel« haben wir im März unseren Urlaub in Italien verbracht.

Petra, du hast zu Hause vor Angst und Ungewissheit kaum weniger gelitten als
dein Mann und die anderen Geiseln in Algerien. Wie geht es dir heute?
Es brauchte einige Zeit, um wieder »runterzufahren«, nachdem wir alles
den Umständen entsprechend gut überstanden hatten. Allerdings muss ich
ständig an die Menschen denken, die jetzt in einer ähnlichen Situation sind wie wir damals.

14-mal wart ihr in Afrika und seid
dabei regelmäßig durch die Sahara-Staaten
gereist. Ihr kennt euch also sehr gut aus. Was
hat sich dort in letzter Zeit verändert?
Seit etwa einem Jahr wird in
Algerien, Mali, Niger, Mauretanien sowie im Tschad verstärkt gegen islamistische Terroristen und Schmuggler vorgegangen. Auch Libyen beteiligt sich mittlerweile am Kampf gegen den Terrorismus. Ferner stellen die Amerikaner in einigen Ländern unter der Bezeichnung »Pan-Sahel-Initiative« technisches Know-how, Logistik, Waffen und Geräte sowie die Ausbildung von Sondereinheiten zur Verfügung. In den oben genannten Ländern sowie im extremen Süden Libyens ist davon auszugehen, dass massive militärische Aktionen stattfinden könnten. Die Situation im
Niger ist so brisant, dass die Regierung es den Reiseagenturen in Agadez untersagt hat, Touren durchzuführen.

Würdet ihr wieder in die Sahara
reisen?
Wer unter den derzeitigen Bedingungen entspannt reisen kann, soll das tun. Wir können es nicht.

Vermutlich werden in Zukunft nur noch organisierte Reisen in viele Teile der Sahara möglich sein. Könnt ihr euch nach zigtausend Afrika-Kilometern auf eigene Faust vorstellen,
an so etwas teilzunehmen?
Nur wenn wir sie organisieren.
Die bestehenden Veranstalter wenden sich praktisch ausschließlich an die Sportfahrer-Fraktion. Für die meisten dieser verhinderten Meonis ist das Offroad-
Fahren reiner Selbstzweck; Interesse für Kultur, Land und Leute besteht oftmals nicht. So etwas ist nicht unser Ding.

Ist Nordafrika überhaupt noch
ein Reiseziel?
In Marokko und Tunesien kann man weiterhin sehr schöne Touren machen, das bietet sich auch Anfängern an.

Wohin zieht es Wüstenfans, wenn
die Sahara tabu ist?
Unser nächstes Ziel ist der Oman, denn die Wüste und die arabische Kultur lassen uns einfach nicht los.

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