Camping-Ausrüstung (Archivversion) Ich will raus

Egal, ob am Wochende in den Alpen oder während ein Afrika-Durchquerung: Wer draußen übernachten will, sollte sich ein paar Gedanken über die richtige Ausrüstung machen.

Oft ist der Frust programmiert: Sobald es regnet oder das Thermometer einige Grad tiefer fällt, wird die Nacht im feuchtkalten Zelt äußerst unangenehm. Spätestens dann rächt sich, daß Zelt und Schlafsack für den Urlaub zusammen nicht mehr als 100 Mark kosten sollten. Tropfende Zeltwände und ungenügend isolierende Schlafsäcke verderben den Spaß am Campen - was längst nicht mehr sein muß. Wer die Anforderungen kennt, die sein Reiseziel an die Ausrüstung stellt, findet sich trotz des inzwischen nahezu unüberschaubaren Angebots schnell zurecht und erhält funktionierende und langlebige Produkte, die nur auf den ersten Blick teuer erscheinen.Zelte: Die gängisten Typen sind Kuppel- und Tunnelzelte, die konstruktionsbedingt jeweils bestimmte Vor- und Nachteile aufweisen. Bei Kuppelzelten kreuzen sich zwei oder mehr Gestängebögen über der Zeltmitte, die dem Zelt bereits die nötige Spannung verleihen. So kann das Zelt im aufgebauten Zustand hin- und her getragen werden, um den besten Platz zu finden. Wenn die Gestängebögen im Innenzelt verlaufen, muß schließlich nur noch das Außenzelt übergestülpt und mit Heringen fixiert werden. Kuppelzelte, deren Bögen im Außenzelt verlaufen, sind schneller aufzubauen - ein Vorteil bei Regen - und benötigen kaum noch Heringe. So müssen beim »Space III« von vauDe nur noch die beiden großräumigen Apsiden mit Heringen abgespannt werden. Weitere Heringe sind nur bei Wind und Wetter erforderlich, um zu verhindern, daß die nasse Außenwand das Innenzelt berührt.Ähnliches gilt für das qualitativ sehr hochwertige »Annapurna« von Jack Wolfskin, das für extremste Einsätze entwickelt wurde und im Windkanaltest Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern trotzte. Drei Gestängebögen halten das Zelt und auch die große Apsis in Form, so daß Heringe ausschließlich bei Unwettern nötig sind - schneller und einfacher lassen sich nur wenige Zelte aufbauen. Die zweite Apsis wich einem größeren, asymetrischen Innenraum.Tunnelzelte werden von zwei oder mehr parallel verlaufenden Gestängebögen gehalten. Sie sind in der Regel windstabiler als die Kuppelkonstruktionen und bieten bei gleichem Gewicht mehr Raum, lassen sich allerdings nicht ohne Heringe aufbauen - ein Nachteil auf felsigem Untergrund. Mit zwei Gestängebögen kommt das leichte wie hochwertige Vierjahreszeiten-Zelt »Time Tunnel« von Jack Wolfskin aus, das in einer großen Apsis noch genügend Platz für Koffer, Helm und Stiefel bietet. Trios oder Platzfanatiker entscheiden sich besser für einen dreibögigen Tunnel - wie das Dreijahreszeiten-Zelt »Classic Familiy« von Big Pack: Die extrem große Apsis kann schon fast als Lagerraum bezeichnet werden, was das höhere Gewicht rechtfertigt.Geringes Gewicht und kleines Packmaß zeichnen dagegen das hochwertige »Foxlite« von Fjäll Räven aus. Die beiden abgesenkten äußeren Bögen verringen bei heftigem Wind die Angriffsfläche, aber auch das Platzangebot, das für zwei Personen plus Motorradausrüstung nicht mehr ausreicht - ein Tip für anspruchsvolle Singles.Schlafsäcke: Beim Kauf eines Schlafsacks muß zwischen Modellen mit Kunstfaser- oder Daunenfüllung entschieden werden. Eine Wahl, bei der unter anderem das Klima des Reiseziels eine große Rolle spielt. Generell empfiehlt sich bei längeren Touren durch feuchtere Gebiete eine Kunstfaserfüllung (z.B.: »Air Lite« von Big Pack; »Kompakt Ultra« von Ajungilak), weil diese Materialien auch bei Näße nur wenig an Isolationsvermögen verlieren und schneller trocknen. Kunstfaserschlafsäcke sind im Verhältnis billiger und die besseren Allrounder, aber auch größer und schwerer als gleichwertige Produkte mit Daunenfüllung (z.B.: »Diamond Dream« von Jack Wolfskin; »Box 600« von Big Pack; »Snow Bunting« von Feathered Friends; »Arrow Ultra« von Ajungilak). Letztere garantieren zusätzlich zu dem besseren Verhältnis von Wärme zu Gewicht einen größeren Schlafkomfort und zeichnen sich durch eine höhere Lebensdauer aus. Einen guten Daunenschlafsack zeichnet ein möglichst hohes Mischungsverhältnis von Daune zu Kleinfedern aus: je mehr Daune, desto besser die Wärmeleistung bei gleichen Gewicht, im Idealfall ein Verhältnis von 90:10, bei günstigeren Modellen oft 70:30. Qualitätsschlafsäcke sind mit einer Angabe des Mischungsverhältnisses versehen.Nicht immer trauen kann man den werbeträchtigen, maximalen Temperaturangaben vieler Hersteller. Wie schnell man friert- oder nicht, hängt nicht nur von der Füllmenge und Qualität des Schlafsacks ab, sondern auch von der körperlichen Verfassung. Außerdem frieren Frauen durchschnittlich fünf Grad früher als Männer. Beim Kauf sollte man deshalb nur auf die Angaben des Komfortbereichs achten. Die Werte für die Extrembereiche sind eher theoretischer Natur.Eine Kapuze verhindert zusätzlich großen Wärmeverlust, da ein Mensch bis zu 30 Prozent seiner Körperwärme über den Kopf verliert. Gute Schlafsäcke verfügen über eine gefütterte Abdeckleiste entlang des winddurchlässigen Reißverschlusses sowie über einen Wärmekragen im Halsbereich. In Ergänzug mit einer Thermo-Isomatte (siehe Kasten), die von unten für ein wärmendes und komfortables Luftpolster sorgt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.Schlafsäcke sollten während der Tour jeden morgen gut gelüftet und zu Hause unbedingt offen gelagert werden (nicht im Packsack!), da die Füllung sonst im Laufe der Zeit ihr Bauschvermögen verliert - und somit auch ihre Wärmeleistung.Ernährung: Einige Reiseziele wie Island, die Sahara - oder die Mongolei - erfordern neben einer guten Ausrüstung die Mitnahme von Lebensmitteln für einige Tage, in Ausnahmefällen sogar für einige Woche, wenn große, versorgungslose Distanzen zu überbrücken sind, oder man einfach länger an einem abgeschiedenen Lagerplatz verweilen möchte. Zwei Kriterien spielen für Motorradfahrer dabei eine große Rolle: der deutlich erhöhte Energieverbrauch während anstrengender Pistenfahrerei und das geringe Platzangebot. Konserven kommen schon wegen ihrer Größe und des hohen Gewichts nicht in Frage, um unterwegs für einen ausgewogenen Kalorien- und Vitaminhaushalt zu sorgen. Aber mit wenigen Tricks wird man leicht zum dauerhaften Selbstversorger.Der beste Start in den Tag ist ein nahrhaftes und sättigendes Müsli. In der Regel reichen maximal 200 Gramm, die mit Vollmilchpulver und etwas Wasser zubereitet werden. Die Rationen können bereits vor der Reise entsprechend abgepackt werden. Mittags sollte man schon wegen des großen Aufwands auf ein komplettes Mahl verzichten. Besser eignen sich Müsli- oder Energieriegel, die satt machen und ein guter Energiespender sind. Erst am Abend darf der Kocher ausgepackt werden. Wer nicht auf frische Zutaten zurückgreifen kann, ist auf sogannte Expeditionsnahrung angewiesen: dehydrierte Fertiggerichte, die mit wenig Wasser zubereitet und in motorradgerechten Mini-Verpackungen angeboten werden (siehe Kasten). Trinkwasser ist in der Regel zu kostbar, um sich damit zu waschen (Erfrischungstücher und Handwaschpasten tun es unterwegs ebenso). Fluß- oder Quellwasser muß unbedingt gereinigt und desinfiziert werden. Effizienter als Entkeimungstabletten sind dafür mechanische Wasserfilter mit Handpumpe (siehe Kasten). So gerüstet, lassen sich im Extremfall auch längere Engpässe überbrücken.

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