CD-Rom "Die ganze Welt im Internet" Pfadfinder

Eine neue CD-Rom von Reise Know-How hilft Reiselustigen bei der Informationsbeschaffung im Dschungel des Internets

Wie lang ist die Küste der Dominikanischen Republik? Lang genug, mögen Sie sagen, um sich zwei Wochen so richtig schön im Sande zu strecken. Aber wenn Sie dann abends die nette Dame in der Hotelbar in ein Gepräch über Politik verwickelt, wissen Sie dann auch, wer die «DomRep” regiert? Keine Sorge, der CIA weiß es mit Sicherheit, und dessen Informationen stehen im Internet. Dort erfährt man auch gleich, daß die Küste der Dominikanischen Republik 1288 Kilometer mißt. Und ebenfalls wie hoch Kindersterblichkeit und Arbeitslosigkeit sind und daß Staatspräsident Leonel Fernández von der linken Partido de la Liberación Dominicana (PLD) bei den letzten Wahlen 51,25 Prozent der Stimmen erhalten hat. Wer im Urlaub nicht nur im Pool planschen, sondern sich auf Land und Leute einlassen will, weiß solche Informationen zu schätzen. Nur, wie findet man die? Das Internet ist bekanntlich ein riesiger elektronischer Heuhaufen, in dem die Suche nach einer bestimmten Stecknadel ganz schön ins Geld gehen kann. Eine CD-Rom, die kürzlich für 19,80 Mark im Verlag Reise-Know-How erschienen ist, bringt Ordnung in den Datendschungel und erspart zeitraubendes Suchen. Der Geograph Gunter Schramm hat 15 000 Links (in der Computersprache die Verbindungen, mit denen man von einer Web-Seite zur anderen springen kann) zu sämtlichen Ländern der Erde gesammelt, alle bequem per Mausklick aus dem Netz abrufbar. Die Links sind nach Rubriken wie Überblick (Zahlen, Daten, Fakten), Unterwegs (Transport, Quartiere) oder Gedrucktes (Bücher und Karten) geordnet und kommentiert. So wird das Internet zur Schatzkiste für Globetrotter. Denn welcher Reisende kennt das nicht: Man will in die Sonne, weiß aber noch nicht genau, wohin - und blättert so lange in den Reiseführern der Buchhandlung, bis man den vorwurfsvollen Blick der Verkäuferin nicht mehr erträgt. Oder man sucht eine ganz bestimmte Information über ein Urlaubsziel, sieht aber nicht ein, dafür gleich ein ganzes Buch zu kaufen - das dann vielleicht auch noch veraltet ist. Für solche Fälle ist die CD ideal: Mit einem Klick bekomme ich das Wetter auf Malta. Oder die Impfbestimmungen für Paraguay. Oder den aktuellen Wechselkurs der indonesischen Rupiah. Oder die Fährverbindungen nach Irland. Oder einen politischen Lagebericht für Algerien. Ein Beispiel: Ich will auf die Fidschi-Inseln und brauche Infos über Hotels. In der Rubrik Überblick lockt der Reise-Service der Suchmaschine Excite mit zahlreichen Links. Ich klicke die Sparte «Where to stay” an - und erhalte augenblicklich eine Liste mit 160 Unterkünften: vom Coconut Inn auf Viti Levu bis zum Octopus Club auf Yasawa. Alle Hotels sind noch einmal einzeln aufrufbar, so daß ich sofort über Zimmerpreise, Kreditkartenakzeptanz, Telefon- und Faxnummern informiert bin. Und wenn ich gleich ein Zimmer reservieren will, reicht ein weiterer Klick, und auf dem Bildschirm erscheint ein Buchungsformular. Das kann ich ausfüllen, ausdrucken und meinem Wunschhotel zufaxen. Dauer der ganzen Prozedur: nicht mal zehn Minuten. Kosten: bis auf Telefon- und wenige Pfennige Providergebühren keine. Eine besonders lohnende Adresse ist die Rubrik «Dos and Don´ts” auf den Webseiten des kalifornischen Reisespezialisten Atevo-Travel. In bisweilen drastischen Worten versucht man den Reisenden davor zu bewahren, im Urlaubsland ins Fettnäpfchen zu treten - oder in ein Minenfeld. Im kriegsgebeutelten Eritrea, so wird gewarnt, solle man sich in ländlichen Gegenden nicht abseits der Straße bewegen. Auf den Kapverdischen Inseln müsse man unbedingt Kontakt zu den freundlichen Einheimischen suchen und dürfe auf keinen Fall auf den Deichen herumtrampeln. In Ungarn möge man neue Freunde auf beide Wangen küssen, aber niemals mit dem Bierglas anstoßen. Wer in die Antarktis schippern möchte, solle sich das wegen der rauhen See lieber zweimal überlegen. Und Freaks, die auf den Jungfern-Inseln ihre Dreadlocks spazierenführen wollen, rät Atevo zum vorherigen Friseurbesuch. Rastafaris und Hippies, so ist zu vernehmen, haben laut Einwanderungsverordnung von 1980 keinen Zutritt. Für Computerfreaks hält die Silberscheibe natürlich ein Extra-Bonbon parat: die Rubrik «Heißer Draht”. Wer auch im Urlaub nicht aufs Internet verzichten will, erfährt binnen Sekunden, daß es auf Gran Canaria ein Cybercafé gibt. Und kann per E-Mail schon mal Kontakt aufnehmen. Zwei Klicks weiter, und man befindet sich in einer Newsgroup zu Skandinavien. Spezielle Angebote für Motorradfahrer fehlen leider. Aber auch den Biker wird interessieren, daß er für Lettland ein Visum braucht. Oder daß er in Luxemburg zum Sparpreis fürstlich übernachten kann: in einer Jugendherberge auf Schloß Hollenfels. Ein weiterer Nachteil der CD: Sie ist lediglich nach Ländern, nicht aber nach Urlaubszielen geordnet. Selbst die Touristen-Hochburg Mallorca ist nicht direkt abrufbar; man muß über Spanien gehen und sich weiter vorarbeiten. Der Vatikan dagegen, obwohl nicht gerade das übliche Last-Minute-Ziel, ist prominent vertreten. Und das CIA hat wieder sehr anschauliche Fakten. So heißt es über die geographische Ausdehnung des katholischen Kleinstaates: «etwa 0,7mal so groß wie das Einkaufszentrum von Washington”. Uwe Rasche

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote