Der Ring (Archivversion)

Am 18. Juni 1927 öffnete in der Eifel eine der schwierigsten Rennstrecken der Welt ihre Tore. Zeitungen berichtete von knapp 100000 Schaulustigen, die zum ersten Motorradrennen pilgerten. Doch Primär war der Ring kein Motorsport-, sondern eher Wirtschaftförderungsprojekt. Der Kreis Adenau zählte zu den ärmsten Regionen Deutschlands, und so wurde 1925 der Bau des Nürburgrings in das „große Notstandsprogramm“ der Reichsregierung aufgenommen. Eineinhalb Jahre schufteten bis zu 3000 Mann an der „ersten Gebirgs-, Renn- und Prüfstrecke“ rund um die Ruine und das Dorf Nürburg. Bereits im ersten Jahr verzeichnete der Ring Hundertausende Besucher, unter anderem wurde dort die Rad-WM ausgetragen. Drei Rodel- und Bobbahnen an der Strecke sorgten für ganzjährigen Publikumsverkehr, und Hotels und Gaststätten begannen sich anzusiedeln. Insbesondere die spektakuläre Nordschleife der dreiteilig angelegten Strecke erlangte rasch Berühmtheit und gilt bis heute als Maßstab für Fahr- und Ingenieurskunst. Auf 20,8 Kilometern bietet sie ein Labyrinth mit 33 Links- und 40 Rechtskurven, 17-prozentigen Steigungen und elfprozentigen Gefällen.

Von Anfang an gab es tödliche Unfälle. Dennoch gastierte ab 1951 die Formel 1 in der Eifel und setzte 1954 mit 400000 Zuschauern einen der Höhepunkte. Bis 1970 boomte der Ring, doch im gleichen Jahr streikten die Formel-1-Fahrer, da ihnen die nur von Hecken gesäumte Strecke angesichts ihrer immer schnelleren Autos zu gefährlich erscheint. Das Land investierte 17 Millionen Mark in Fangzäune, breitere Auslaufzonen und doppelte Leitplanken, um den Grand Prix zurückzuholen. Mit Erfolg. 1974 wiederum boykottierten die Motorradpiloten aus Sicherheitsgründen den Kurs. Und auch die Formel-1-Fahrer forderten erneut aufwendige Umbaumaßnahmen. Da größere Auslaufzonen aufgrund der hügeligen Topographie aber nur mit enormen Aufwand zu realisieren waren, bedeutete das Rennen von 1976 mit dem schweren Feuerunfall von Nicki Lauda das Ende der Formel 1. Die Motorräder indes fuhren weiter, und 1978 erlebten über 100000 Zuschauer, wie Kenny Roberts den WM-Titel in der 500er-Klasse holt. 1980 fand das letzte GP-Rennen auf der Nordschleife statt. 1984 schaffte die neu gebaute, nur noch 4,5 (später 5,1) Kilometer lange GP-Strecke Nürburgring die Wachblösung. 1985 erster Formel-1-Lauf und erstmals Austragung des Musikfestivals „Rock am Ring“.

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