Endurofahren in Europa (Archivversion)

Lust oder Frust?

Enduristen haben es nicht leicht: Dort, wo es am schönsten ist, sind sie quasi unerwünscht. Kann man sich in Europa überhaupt noch abseits des Asphalts bewegen?

Ärgerlich, aber nicht zu ändern: Europas attraktivstes »Endurado« – die Alpen – ist bis auf wenige Ausnahmen für die Offroad-Fraktion inzwischen völlig tabu. Verständlich, wenn man einmal erlebt hat, wie nicht wenige ihre zwei- und vierrädigen Fahrzeuge querfeldein durch die Botanik getrieben haben.Trotzdem – man muss nicht gleich das Hobby wechseln und von nun an Briefmarken sammeln. Einfache, unasphaltierte Wege finden sich fast überall in Eurpa – ein ideales Terrain zum Endurowandern. Etwas anspruchsvoller geht es noch immer an einigen Stellen in den Alpen her. Offroad-Fans kommen beispielsweise auf den alten Militärstrecken und Kammstraßen in den Seealpen auf ihre Kosten. Ausführliche Streckenbeschreibungen im gesamten Alpenraum und Infos über Sperrungen stehen im »Großen Alpenstraßenführer« aus dem Denzl-Verlag (65 Mark). Mit Hilfe von Wanderkarten aus dem Buchhandel und den sehr genauen IGN-Karten im Maßstab 1:25000, die es beim GEO Center ILH in Stuttgart gibt (Telefon 0711/78194610), finden sich selbst kleinste Wege.Falls man unsicher ist, ob man einen Weg befahren darf, kann es hilfreich sein, einen Bauern oder in der nächsten Dorfkneipe um Erlaubnis zu fragen. Wer sich nicht wie die Axt im Walde verhält und ohne großes Brimborium daher kommt, wird selten umkehren müssen. Oft drücken sogar die Behörden beide Augen zu. Geländeabstecher abseits aller Wege sind dagegen fast überall völlig tabu. Wer dennoch eine »härtere« Gangart bevorzugt, sollte sich ausschließlich auf entsprechenden Cross-Strecken austoben. Was in Sachen Offroad in Europa möglich ist, verrät der folgende Überblick.
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Endurofahren in Europa: Übersichtskarte mit Streckeninfo (Archivversion)

DeutschlandHier geht mehr, als man denkt. Klar, in dicht besiedelten Regionen und besonders in Ferienregionen ist jeder Feldweg gesperrt. Weiter ab vom Schuss finden sich aber legale Verbindungswege mit losem Untergrund. Die neuen Bundesländer (1) gelten als echte Paradiese für Offroader. Tipp: Auf der Generalkarte die dünnen grauen Linien suchen – von diesen zweigen meist die besten Pisten ab. Vorsicht im Wald: Der steht auch ohne Extraschild auf dem Index.SkandinavienIn Finnland (2) und Schweden (3) sind viele Straßen nicht asphaltiert. Die Palette reicht von Feldwegen bis hin zu leicht geschotterten Passagen, die sich aber alle auch mit Straßenmotorrädern befahren lassen. Steigungen und enge Kehren sind nicht zu erwarten. Also ein ideales Terrain für Anfänger. Norwegen (4) verfügt über alpin anmutende Landschaften, doch hier sind praktisch alle Enduro-Wege gesperrt. Islands Strecken (5) – besonders die im Inneren der Insel – sind dagegen etwas für Fortgeschrittene, die selbst vor eiskalten Flussdurchfahrten nicht zurückschrecken. OsteuropaHier finden Enduristen teilweise paradiesische Zustände. Besonders Rumänien (6) hat sich trotz einer langen Anreise zu einem Mekka der Enduro-Szene entwickelt. Unzählige Wege in allen Schwierigkeitsgraden ziehen sich durch die Karparten, in denen man tagelang unterwegs sein kann. Das tolle Gelände und die Gastfreundschaft der Rumänen entschädigt für eine mangelnde Inftastruktur: Werkstätten und Tankstellen gibt hier es nicht an jeder Ecke. In der Slovakei (7) finden sich im Gebiet der Hohen und Niederen Tatra einige Pisten und Wege, die durch die dichten Wälder führen. Ansonsten existieren bereits viele Verbotsschilder. Vorwiegend endlos scheinende Sandwege kann man in der topfebenen Pußta Ungarns (8) unter die Stollen nehmen.Istrien/KroatienIn Istrien (9) und im Norden des benachbarten Kroatien (10) gibt es zahlreiche Wege, die durch die karge und teilweise sehr steinige Landschaft führen. ItalienNahezu alle endurogerechten Strecken in den italienischen Alpen sind für Motorradfahrer längst gesperrt. Die Behörden reagieren allerdings unterschiedlich streng auf Vergehen. Trotzdem finden sich in einigen Regionen wie in Ligurien oder im Piemont (11) noch immer attraktive Wege für Endurowanderer. Durch den italienischen Teil der Seealpen (12) ziehen sich zudem einige alte Militärstraßen, die sich grob geschottert und bisweilen recht steil über die Berge winden. Wer die lange Anfahrt nicht scheut, kann in den Abruzzen (13) diverse Pisten und Wege ausprobieren, fährt dort teilweise durch hochalpine Landschaften und findet gen Süden immer weniger Verbotsschilder. Auf Sardinien (14) kann man problemlos zahlreiche, teilweise spannende Wege befahren, die oft an abgelegenen Badebuchten enden.FrankreichÄhnlich wie in Italien sind in den französischen Westalpen (15) inzwischen die meisten Strecken längst gesperrt. Im Grenzgebiet zu Italien locken jedoch noch ein paar alte Militär- und Versorgungswege und Anfahrpunkte. Bei Vergehen ahnden die Behörden auch hier unterschiedlich streng. Im Süden des Landes kann man zahlreiche unasphaltierte Verbindungsstrecken befahren. Der französische Teil der Pyrenäen (16) ist für Enduristen wegen vieler Fahrverbote kein lohnendes Ziel mehr. Im Mini-Staat Andorra (17) finden sich dagegen noch einige alte Militär- und Schmugglerwege. Auf dem landschaftlich sehr reizvollen Korsika (18) gibt es leider nur noch wenige interessante Strecken, auf denen sich Enduristen bewegen dürfen.SpanienWer sich mit guten Karten auf die Suche macht, wird im Süden der westlichen Pyrenäen (19) einige Pisten und Wege für eine Enduro-Wandertour finden. Im Norden sind die meisten Strecken gesperrt, und Fahren in Gruppen von mehr als vier Personen ist teilweise sogar genehmigungspflichtig. Die Behörden sind zudem sehr streng. Durch das dünn besiedelte, karge Kastilien (20) kann man problemlos auf zahlreichen unasphaltierten Strecken reisen. Dieses Terrain ist zwar nicht so anspruchsvoll wie das der Alpen, dafür fährt man hier praktisch noch allein. In Andalusien (21) locken besonders in der Gegend rund um Almeria viele Wege und ausgetrocknete Flussläufe. GriechenlandDie teilweise nicht asphaltierten Verbindungsstrecken auf dem Peleponnes (22) sind auch für Anfänger und im Prinzip mit jedem Motorrad fahrbar. Ebenfalls für Einsteiger sehr gut geeignet: die Inseln Zypern (23) und Kreta (24). Letztere bietet aber auch Könnern ein entsprechend anspruchvolles Terrain.

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