Endurotip Rumänien (Archivversion)

Enduromania

Keine Fahrverbote, keine Streckensperrungen, anspruchsvolle Pisten - mit diesen Argumenten lockt die EnduRoMania Off Road-Fans nach Rumänien.

Einfach grobe Stollenreifen auf die Felgen der Enduro montieren, rein in die Cross-Stiefel, Protektoren anschnallen, Kickstarter durchtreten und es über schlammige Feldwege und steinige Bergpisten krachen lassen, an denen noch nie ein Verbotsschild stand. Rauf auf einsame Berggipfel, runter in enge Täler, insgesamt mehr als 30 000 Quadratkilometer Platz zum Endurofahren. Und sollte einmal die Polizei in der Nähe sein, dann steht sie neugierig am Wegesrand und lächelt freundlich. Wenn dann am Abend die Knochen so richtig schön durchgeschüttelt sind, wartet bereits eine Mannschaft mit einem guten Essen auf dich. In Deutschland undenkbar, aber in Rumänien gibt’s das wirklich .Enduro-Urlaub in Rumänien? In einem Land, das bei uns hauptsächlich wegen seiner maroden Wirtschaft, zahlreicher Hilfstransporte und einer hohen Kriminalität von sich reden macht als aufgrund seiner landschaftlichen Reize? Doch seit kurzem lockt ein ganz spezielles Angebot einiger Motorradbegeisterter, allen voran Sergiu Morariu, der mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen Wirtschaftsprojekte in Rumänien betreut, worunter auch der Bereich der Tourismusförderung fällt. Eines Tages schoß Sergiu eine Idee durch den Kopf: Die vielen unasphaltierten Straßen sowie jede Menge Feld- und Wiesenwege in seinem Heimatland und ein Heer von Enduristen, die mit ihren grobstolligen Bikes in Westeuropa fast überall auf gesperrte Wege stoßen - daraus müßte sich doch etwas machen lassen.Im letzten Jahr feierte dann das Projekt EnduRoMania sein Debüt: eine Kombination aus Motorradtreffen und Enduro-Veranstaltung. Dreimal im Jahr können sich Enduro-Fahrer jeweils vier Tage lang in dem Terrain, das von den westlichen Ausläufern der Südkarpaten bis hinunter zur Donau reicht, richtig austoben. Ausgangs- und Endpunkt der Enduro-Touren ist ein Camp auf dem Gipfel des Muntele Mic. Die ausgeschriebenen Wettbewerbe von EndoRoMania laufen nach folgenden System ab: Für die Fahrer gilt es, möglichst viele der an den einzelnen Etappen angelegten Kontrollpunkte zu erreichen, was auf unterschiedlich schwierigen Strecken machbar ist, die je nach den Ansprüchen der Fahrer frei gewählt werden dürfen. So kommen Tourenfahrer, die auch mal einen Ausflug auf Schotterpisten wagen wollen, genauso auf ihre Kosten wie sportlich orientierte Enduristen, die, solange sie sich abseits der öffentlichen Straßen halten, weder einen Führerschein noch eine Straßenzulassung für ihr Motorrad besitzen müssen. Die Strecken sind in einem Roadbook entsprechend markiert, das jeder Teilnehmer beim Start erhält. Großen Wert legen die Organisatoren allerdings darauf, daß die Fahrten in erster Linie einfach Spaß machen sollen und nicht als Rennsportveranstaltung mißverstanden wird.Für die erste EnduRoMania mußten die Informationen für das Kartenmaterial, das den Teilnehmern zur Verfügung gestellt wird, in mühseliger Pionierarbeit von den Organisatoren gesammelt und schließlich aufgezeichnet werden, da die Wege zum größten Teil bisher nicht registriert waren. Detaillierte Landkarten von dieser Region gibt es nicht. Dieser Umstand verlangt von den Fahrern immer noch ein ausgeprägtes Orientierungsvermögen. Wer zu den Zielpunkten neue Wege findet und diese in Form eines einfachen Roadbooks zusätzlich dokumentiert, wird mit Sonderpunkten belohnt. An den einzelnen, zum Teil abgelegenen Kontrollpunkten gibt es einen Stempel in die ausgehändigte Liste, der je nach Schwierigkeit der Anfahrt einen bestimmten Punktewert hat. Der Fahrer mit den meisten Punkten wird dann bei der obligatorischen Abschlußfete auf dem Muntele Mic zum Sieger gekürt und erhält einen Pokal, der bei der ersten EnduRoMania so ungewöhnlich war wie die ganze Veranstaltung: ein aus Holz geschnitzter weiblicher Torso eines bekannten rumänischen Künstlers aus Temeschwar.Angesichts eines durchschnittlichen Monatseinkommen von etwa 200 Mark läßt sich der Sportsgeist der Organisatoren und der rumänischen Teilnehmer erst richtig ermessen. Nur wenige können sich gerade einmal ein einfaches Motorrad leisten, und bei der Ersatzteilbeschaffung ist viel Phantasie gefragt, da kein Händlernetz existiert. Biker wie Dan lernen schnell zu improvisieren und bauen schon mal einen Kolben eines Dacia oder die Zündung einer russischen Minsk in eine 250er Yamaha ein. Oder Girlisteanu, der seit längerem an einem Moto Cross-Gespanneigenbau bastelt. Bis zur nächsten EnduRoMania will er damit fertig sein, um sich dann mit den ausländischen Besuchern auf einem eigens dafür abgesteckten Kurs zu messen. Trotz der Versorgungsengpässe sollen aber technische Probleme während der Läufe schnell vor Ort gelöst werden, wie die Veranstalter betonen. Für alle Teilnehmer stehe ein Motorradmechaniker aus Deutschland bereit, der aufgrund der Typenangaben der Teilnehmer im Anmeldeformular die wichtigsten Ersatzteile und Reifen parat halte. Sie selbst würden sich um die oft schwierige Spritversorgung kümmern. Die Teilnahmegebühr für die EndurRoMania beträgt 100 Mark und beinhaltet die Kosten für ein Visum. Dazu kommen dann noch die Kosten für Benzin, Unterkunft und Verpflegung.Neben dem Spaß, mal wieder herzhaft im Dreck rumzuwühlen, haben die Fahrer nach Auskunft der Organisatoren während dieser Veranstaltung auch Zeit, Rumänien und seine Bevölkerung kennenzulernen. Ein Land, das an die vergilbten Bilder aus Großvaters Fotoalbum erinnert. Überall auf den Straßen sind Pferde- und Ochsengespanne unterwegs, und schnatternde Gänse und fette Schweine teilen sich so manches Schlammloch mit den Enduristen. Aber darin sieht das Team von EnduRoMania gerade den besonderen Reiz Rumäniens, und es hofft, ein Wegbereiter zu sein, um den Tourismus im Land anzukurbeln. »Gerade jetzt, wo die wirtschaftlichen Verhältnisse immer schlechter werden«, erklärt Sergiu, »ist das Land dringend auf die Devisen angewiesen. Wer jetzt bei EnduRoMania mitfährt, kommt vielleicht im nächsten Jahr wieder und verbringt seinen Urlaub hier.« Er weiß, daß die finanzielle Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen für sein Projekt kein Dauerzustand sein kann. Darum hofft er, mit seiner Arbeit eine Plattform zu schaffen, die es ermöglicht, die EnduRoMania in Zukunft unter einer privaten Führung weiterhin zu veranstalten. Aber im Augenblick steckt Sergiu mit beiden Rädern wieder tief im Schlamm - auf der Suche nach neuen Wegen für die nächste EnduRoMania, die im August stattfinden wird.
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Rumänien: Enduro-Tip (Archivversion)

Die nächste EnduRoMania findet vom 21. bis 24. August statt. Infos und Anmeldeformulare gibt es unter Telefon 06 9/67 02 65 2, Fax 06 9/67 60 17. Oder direkt bei Sergiu Morariu, der auch deutsch spricht. Telefon 00 40/56/19 41 31, Fax 00 40/56/19 45 96. Weiter besteht die Möglichkeit, per Internet an Infos sowie an das Anmeldeformular zu gelangen: http: // cccsat.sorostm.ro/enduro/.

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