Fischer, Bernd: Interview (Archivversion)

Unterwegs sind alle Motorradfahrer gleich, so heißt es. Händler und
Kunden auch?
Nein, nicht völlig. Bei unseren Touren sind wir immer wieder Ansprech-
partner für technische Probleme und Fragen rund ums Motorrad. Wir haben die
Verantwortung für das Gelingen der Tour, die wir vorher noch einmal abfuhren.
Aufgrund unserer Stellung als Händler empfinden wir uns – egal, ob auf Treffen oder Touren – immer ein wenig außen vor. Das ist nicht schlimm, aber man ist nicht mehr »nur« Motorradfahrer.
Welche Resonanz finden Aktivitäten wie beispielsweise die Kunden-Touren bei den Importeuren?
Die Resonanz bei den Importeuren ist gut. Wir haben die Erfahrung
gemacht, dass so etwas bei Triumph sehr gern gesehen wird, und Triumph bittet seine Händler auch von sich aus, aktiv so genannte »RAT-Packs« zu gründen,
um Aktivitäten neben dem normalen Handelsgeschäft zu tätigen. Auch bei Yamaha beginnt sich ein Interesse für solche Händleraktivitäten zu regen, wie das Yamaha-Summerfestival im Juli zeigt.
Der Händler verkauft und repariert Motorräder, sorgt für Helm und Handschuhe, bietet Touren und Sicherheitstrainings: Wird er allmählich zur Drehscheibe der Motorradszene?
Für den unvoreingenommenen Motorradfahrer wird man als aktiver Händler sicherlich zur Drehscheibe. Viele andere hingegen betrachten den Händler trotz seiner Aktivitäten immer noch mit Misstrauen: teuer, arrogant, will ja nur verkaufen.
Kann ein Motorradhändler heute ausschließlich vom nüchternen Handel leben?
Ein klares Nein. Niedrige Margen, hohe Verwaltungskosten, Rabattschlachten kaufmännisch dummer Händlerkollegen, Ebay und andere Smartshopper machen das Verdienen sehr schwer. Alles muss billig sein, eine leider auch bei vielen Kunden verbreitete Einstellung, die den Wert jeder guten Arbeit aushöhlt. Zusätzliche Aktivitäten kosten aber zusätzlich Geld und Initiative. Leicht ist es nicht.

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