Hamburg–Nordkap: Extremtour mit 125ern (Archivversion) Nur 72 Stunden

Drei Typen, eine Ansage: von Hamburg zum Nordkap, 2800 Kilometer, in maximal drei Tagen. Und zwar auf mickrigen 125ern. Spaß oder Schmerz? Witz oder Wahnsinn? Ankommen oder abkacken? Egal. Machen.

Es ist eine verrückte Idee. Und wie jede verrückte Idee ist es eine gute Idee. Weil sich alle Fragen nach dem Warum und Wozu eigentlich von vornherein erübrigen. Weil eine Laune sie ausgespuckt und nicht die Vernunft sie konstruiert hat. Vernünftig wäre, sich Zeit zu nehmen, mindestens eine Woche für den Hinweg. Vernünftig wären Tourenmotorräder, eine Yamaha FJR 1300 vielleicht, eine BMW GS oder zumindest so was wie eine Honda CBF 600. Vernünftig wäre bequem, wäre stressfrei, wäre langweilig.
Also keine sieben Tage für die 2800 Kilometer von Hamburg zum Nordkap, sondern höchstens drei. Und keine fetten Sesselfurzmobile, sondern magere Achtelliterhocker. Eine Honda CBR 125 für Service-Redakteur Thorsten Dentges: »Wirkt zwar wie eine zu heiß gewaschene Fireblade, muss aber doch was dran sein, dass die sich so irre verkauft.« Eine MZ 125 SM für den Magaziner Michael Orth: »Hat volle 15 PS, ist nicht billig zusammengeschustert, sieht nach was aus und taugt eigentlich nur für Kurzstrecken, oder?« Und für Grafiker Gerd Mayer eine Suzuki Intruder 125: »Wenn die anderen nach 1000 Kilometern nicht mehr auf ihren
vier Buchstaben sitzen können, lehne ich mich locker zurück. Außerdem braucht’s einen Chopper für ein echtes Roadmovie.«
Allerdings prophezeien die Kollegen statt Roadmovie eher
einen Katastrophenfilm. Faseln was von lieber zum Bodensee
fahren oder in den Schwarzwald. Aber zum Nordkap? Auf diesen Dingern? Niemals!
Oh doch. Und zwar folgendermaßen: im Hamburger Hafen am frühen Nachmittag starten, um im dänischen Frederikshavn gerade so die Nachtfähre nach Larvik zu erreichen. Von dort aus stumpf mit Vollgas und möglichst wenig Pausen zum Ende Europas. Durch ganz Norwegen, immer der E 6 folgend, wo maximal Tempo 90 erlaubt ist. Viel mehr bringen die 125er ohnehin nicht.
Aber, maulen einige, dann sehe man doch überhaupt nichts von Land und Leuten, nerven mit abgedroschenen Sprüchen,
von wegen der Weg ist das Ziel und so weiter. Alles Blödsinn.
Das Ziel ist das Ziel: ein eiserner Globus auf einer Landzunge
in der Barentssee, das Nordkap auf 71 Grad, zehn Minuten und
21 Sekunden nördlicher Breite.
Dort, wo nur noch eine Straße hinführt, wo die Sonne im
Sommer niemals untergeht, wo jedes Jahr Tausende von Motorradfahrern hinpilgern. Dort werden die drei 125er nach höchstens 72 Stunden stehen. Ganz bestimmt. Sicher. Vielleicht. Hoffentlich.

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