Herbst, Tipps zum Fahren im

Fahren im Herbst

Eine Tour an einem sonnigen Herbsttag ist in Sachen
Stimmung kaum zu überbieten. Wer mit dem Hobel durch den goldenen Oktober braust, sollte allerdings bedenken, dass
die Bedingungen ganz anders
sind als im Sommer.

Eine Frage der HaftungDie Straßen sind bei herbstlichen Temperaturen nicht mehr das, was sie im Sommer waren – nämlich griffig. Wer jetzt seine bei sommerlichen Temperaturen in den warmen Asphalt gebrannte Bestzeit auf seiner Hausstrecke überbieten will, wird vermutlich schon in der ersten Ecke eine böse Überraschung erleben – kalte Reifen und kalter Asphalt wollen einfach keine haftende Verbindung eingehen. Bei Temperaturen von etwa zehn Grad und kälter sind kaum noch Kunststücke möglich, wobei moderne Enduroreifen mehr Sicherheitsreserven als Sport- und Straßenreifen bieten (siehe auch Seite 36 in diesem Heft und Reifen Spezial in MOTORRAD 9/2003). Ein Freibrief für beliebige Schräglagen ist das allerdings nicht. Tempo runter lautet stets die Devise.Laub, Fallobst und jede Menge Schmutz, die Trecker, Ernte- und Forstfahrzeuge mit ihren stark profilierten Reifen auf die Straße transportieren, sorgen zu dieser Jahreszeit ebenfalls für wenig Freude unter Motorradfahrern. Un-bedingt so vorausschauend wie möglich fahren. Das gilt ganz besonders in Waldstücken und dort, wo Feldwege in die Straße einmünden. In Verbindung mit Feuchtigkeit, beispielsweise in schattigen Waldpassagen, geht’s dann noch rutschiger her. Spätestens ab November ist dort und ebenso auf Brücken mit Frost zu rechnen. In einer entsprechenden Situation Gas wegnehmen, sanft bremsen und keine abrupten Lenkbewegungen unternehmen, sondern das Motorrad über die Gefahrenstelle rollen lassen. Dabei nicht die Kupplung ziehen, damit das Fahrzeug durch die Motorbremse an Geschwindigkeit verliert.Sehen und gesehen werdenDer große Nachteil im Herbst: die kurzen Tage. Um 18 Uhr ist das Licht praktisch aus, in Wäldern und schattigen Tälern schon früher. Also weg mit getönten Visieren. Zudem kann die Sicht durch Regen oder Nebel eingeschränkt werden. Manche Helme haben bereits serienmäßig Visiere mit Antibeschlag-Beschichtung. Falls nicht, gibt es folgende Gegenmittel: Pinlook-Innenvisier (eine Scheibe, die zwischen zwei Stiften innen eingeklemmt wird; erhältlich im Fachhandel, www.pinlock.com) oder Antibeschlag-Sprays oder -Tücher. Die haben leider nur eine kurze Wirkung, daher muss die Anwendung oft wiederholt werden. Nasenspoiler funktionieren recht gut, weil sie die feuchte Luft vom Visier wegleiten. Nachteil: Brillen werden nicht ausreichend belüftet.Da bereits nachmittags mit extremen Gegen- oder grellem Streulicht (durch Baumkronen) gerechnet werden muss, spätestens jetzt verkratzte Visiere gegen neue austauschen. Im Gegenlicht sind Motorräder außerdem schwer von entgegenkommenden Autofahrern auszumachen. Nie ohne Abblendlicht fahren und gegebenenfalls den Scheinwerfer richtig einstellen (lassen). Tipps dazu in MOTORRAD 3/1999.Die richtige KlamotteWer schwitzt oder friert, fährt unkonzentriert. Bei niedrigen Temperaturen entsprechende Thermounterwäsche und -pullover tragen. Wenn’s in der Lederkombi dann trotzdem kalt wird, liegt’s am engen Schnitt, der den Aufbau eines wärmenden Luftpolster verhindert. Moderne Textilanzüge mit Funktionsmembran und Thermofutter halten den Fahrer deutlich länger warm. Eine Halskrause aus modernen Fasern oder ein Ledertuch schaffen Abhilfe, wenn’s oben reinzieht. Sommerhandschuhe sollten gegen Exemplare ausgetauscht werden, die einen Einsatzbereich von etwa plus zehn bis minus fünf Grad gestatten und trotzdem noch ein gutes Griffgefühl bieten. Noch besser: eine Griffheizung, die sich an die meisten Lenker montieren lässt. Wer häufig im Stadtverkehr unterwegs ist, sollte diesen Stromfresser allerdings nur sparsam einsetzen, um seine Batterie zu schonen. Wohin im Herbst?Das Wetter entscheidet in dieser Jahreszeit häufig, wohin es letztlich geht. Wer eine längere Tour plant – zum Beispiel noch einmal in die Alpen –, sollte den Wetterbericht genau verfolgen. Und – wenn möglich – die Wetterdienste im Internet aufrufen: www.wetteronline.de (sehr ausführlich), www.donnerwetter.de (mit Straßenzustandsberichten und Pässe-Infos); www.wetter.com beziehungsweise www.dwd.de (beides Deutscher Wetterdienst). Ausschließlich für seine Mitglieder bietet der der ADAC unter www.adac.de einen umfassenden, sehr aktuellen Alpenstraßenzustandsbericht.
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Herbst, Tipps zum Fahren im - Vorsicht wild!

Oberförster Dieter Göbel
zu den Gefahren auf
herbstlichen Straßen
Wildwechsel stellt in jeder Jahreszeit ein Risiko für Verkehrsteilnehmer dar. Im Herbst muss jedoch verstärkt damit gerechnet werden. Ab etwa Mitte September bis Mitte Oktober haben beispielsweise Hirsche ihre Brunftzeit, da rennen die Tiere mitunter recht kopflos durch den Wald – und auch über die Straßen. Wildschweine sind im Herbst ebenfalls äußerst aktiv. Unbedingt auf die entsprechenden Warnschilder achten und speziell in der Dämme-rung, in der man an den kurzen Tagen häufig unterwegs ist, besondere Vorsicht walten lassen. Achtung auch bei Schmutz auf der Fahrbahn, der dort von Wald- und Erntefahrzeugen verteilt wird. Jetzt generell langsam fahren!

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