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Entdeckung Deutschland – wer hier was erleben will, braucht vor allem eines: wenig PS, viel Zeit und gute Karten.

Ganz klar: In Deutschland beginnt das Abenteuer mit der Straßenwahl. Sind sie klein genug, so das überraschende Ergebnis der Tour, können sie praktisch durch die fiesesten Ecken der Republik verlaufen und machen trotzdem Spaß. Daher sollten Bundes- und Landstraßen im Roadbook konsequent gegen Vertreter der Kreis- oder Regionalliga ersetzt werden. Im Landkartendeutsch heißt das, maximal die gelben, besser noch die weißen oder grauen Linien wählen. Sie führen quasi durch die Hinterhöfe der Republik, bieten völlig neue Perspektiven. Der Autoverkehr reißt schlagartig ab, triste Ortsumgehungen gibt es nicht mehr, trostlose Vorstädte und Industriegebiete ebenso wenig. Deutschland löst plötzlich Urlaubsgefühle wie Frankreich oder Italien aus. Dazu müssen allerdings mehrere Faktoren stimmen. Erstens: das Wetter. April bis Anfang Juni ist es durch die Frühjahrsstimmung zwar besonders schön, mehr Sonnensicherheit bieten aber die Hochsommermonate Juli und August. Ab Mitte September steigt das Regenrisiko bereits wieder.Zweitens heißt es, den artgerechten Umgang mit Kleinststraßen zu erlernen. Wer schnell durchprescht, sieht nichts und verpasst vermutlich die Hälfte aller Abzweigungen. Also unbedingt Zeit nehmen, keine zu weiten Etappen einplanen und - sich einlassen. Auch auf die manchmal lückenhafte Wegweisung. Ohne optimale Karten wird es dann schwierig. Im Prinzip reicht eine detailfreudige 1:200 000er wie die Generalkarte von Mairs aus. Bessere Erfahrungen haben wir bei diesem Einsatz jedoch mit der neuen Regionalkarten-Serie von Falk (Blatt 13 und 16) gemacht, die das bewährte Mairs-Kartenbild auf 1: 150 000 vergrößern. Wirkt wie durch die Lupe betrachtet und hilft, die kleinen grauen und weißen Sträßchen deutlich besser zu erkennen. Dann noch zusätzlich die wichtigen Orientierungspunkte als Roadbook notieren, und los geht’s. Bleibt noch die Frage nach dem Nachtquartier. Auch hier ein überraschendes Ergebnis. Für 25 Euro pro Nacht und Nase sind auch in touristischen Gebieten wie den Alpen überall hübsche und geschmackvolle Quartiere zu finden. Oft sogar ohne Voranmeldung. Andernfalls helfen die Fremdenverkehrsämter der einzelnen Gemeinden weiter. Enttäuschend war dagegen das Thema Camping, das hierzulande fest in den Händen der Dauer- und Wohnwagencamper liegt. Schade! Wer’s trotzdem wagen will, findet die Plätze in den Landkarten verzeichnet oder im ADAC-Campingführer beschrieben.

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