Infos (Archivversion) Ostafrika

Ostafrika stellt an Motor-radreisende sehr unterschiedliche Anforderungen. Während Kenia fast europäische Verhältnisse bietet, erfordern die nördlichen Länder viel Vorbereitung.

Reisedauer: ein bis zwei Monate; Gefahrene Strecke: 7000 Kilometer

Allgemeines
Kenia ist zwar relativ einfach zu bereisen, aber teuer. Wer stilvoll Safaris erleben und in schönen Hotels übernachten will, muss ordentlich zahlen. Äthiopien ist dagegen viel günstiger – eine einfache Mahlzeit gibt's unter zwei Euro – und hat als nichtkolonialisiertes Land eine reizvolle Eigenständigkeit entwickelt, die sich auch in einem bunten Völker- und Kulturmix zeigt. Aber selbst der kurze Einfluss der Mussolini-Besetzung zeigt heute noch Spuren: Es gibt überall italienischen Kaffee. Das Land ist extrem dicht bevölkert, entsprechend fährt man kaum einen Meter ohne Begegnungen mit Einheimischen. Betteln ist leider in allen Bevölkerungsschichten verbreitet.

Anreise
Beide Länder fordern ein Visum, das die Konsulate in Berlin für drei Monate ausstellen. In Äthiopien ist auch ein 30-Tage-Visum am Flughafen erhältlich sowie eine zweimalige Einreise möglich. Für die Motorräder empfielt sich ein Internationales Carnet de Passage vom ADAC. Mitglieder zahlen 150 Euro, andere 250. Die Motorräder reisten – nach etlichen vergeblichen Anläufen bei Speditionen – im Ferienflieger der LTU mit, die an Urlaubsziele wie Mombasa mitunter Passagiere samt Motorrädern tranportieren. Kosten: 1100 Euro pro unzerlegtes Bike, plus 100 Euro Gebühren in Mombasa. Die Zollabwicklung war problemlos und wir nach drei Stunden startklar. Der unerwartete Rücktransport von Addis Abeba nach München kostete selbst im kleinstmöglicher Kistenzerlegung bei der einheimische Spedition Pactra 1200 Euro pro Bike.

Reisezeit
Am günstigsten sind die hiesigen Wintermonate, wobei in Kenia im November noch mit der „kleinen Regenzeit gerechnet werden muss. Ab Dezember ist es jedoch trocken. In Äthiopien bleiben die heißen Temperaturen des Tieflands noch erträglich, während es im Hochland ganzjährig empfindlich kalt werden kann.

Übernachten
Unterkünfte sind in Kenia nicht gerade günstig, die meist akzeptabel ausgestatteten Campingplätze daher eine gute Alternative. In Äthiopien gibt's dagegen wenige und meist nur spartanisch ausgestattete Plätze. Hotels beziehungsweise Pensionen findet man dafür in jeder Ortschaft mit Zimmerpreisen ab etwa fünf Euro. Der Standard reicht von komfortabel bis unerträglich – vorher unbedingt anschauen. Unser Tipp im teureren Addis Abeba ist die „Midi Pension gegenüber des Cafes „La Parisienne“, nahe der Bole Road. Der Inhaber spricht fließend deutsch, und die Zimmer für 20 Dollar sind sehr angenehm. Telefon +251-(0)11/5533171; E-Mail: midipension@yahoo.com.

Strecke
Straßennetz und Tankstellendichte sind in Kenia prinzipiell gut. Lediglich im Norden muss man längere versorgungsfreie Etappen überbrücken. Die letzte offizielle Tankstelle liegt in Maralal. Hauptstraßen sind meist asphaltiert, Nebenstraßen hingegen nicht und nur in der Trockenzeit befahrbar. Benzinpreise rangieren in Kenia bei rund einem Euro, in Äthiopien zwei Drittel darunter. Auch in Äthiopien sind die Hauptstraßen im Allgemeinen gut asphaltiert. Das Tankstellennetz ist relativ dicht, allerdings gibt es häufig nur Diesel, im Südwesten kriegt man Benzin nur auf dem Schwarzmarkt. Offizielle Tankstellen findet man in Jinka und Konso. Erhöhte Vorsicht ist in Äthiopien geboten, da extrem viele Menschen und Tiere auf der Straße unterwegs und nicht an schnelle Fahrzeuge gewöhnt sind. Mehr als 60 km/h gehen kaum. Unsere KTM LC4 640 trugen große 30-Liter-Tanks, seitlich einen 20-Liter-Kanister und auf den Felgen Pirelli MT 21 vorn und Michelin Desert hinten. Bis auf die Turkana-Piste sowie die Danakil-Wüste war kein besonderes Fahrkönnen für diese Tour nötig. Entscheidend ist, Menschen und Verkehr im Auge zu behalten!

Literatur
Gute Infos liefern die Länderführer von Reise Know-How für 23,50 und 25 Euro. Noch mehr praktische Infos für Individualreisende bieten vor allem in Äthiopien die englischsprachigen Bände von Lonely Planet. Von Reise Know-How stammten auch die Länderkarten in 1: 950000, wobei Kartenmaterial für Ostafrika grundsätzlich sehr ungenau ist. Auch die GPS-Daten (Bezugsquelle: Touratech) wiesen immer wieder grobe Patzer auf. Manch dicke Linie entpuppte sich als kaum fahrbarer Spülweg.

Weitere Infos
Top-Anlaufstelle in Nairobi ist die „Jungle Junction“ (Koordinaten: S 1° 17,325, E 36° 45,634). Besitzer Chris hat viele Infos, kennt Werkstätten und schraubt selbst. In Addis Abeba helfen Flavio und Monica von „Africa Riding Adventures“ weiter (www.africaridingadventures.com) Telefon +251-(0)11/ 5513249. Sie organisieren Motorradreisen durch Äthiopien und in die für Individualreisen-de gesperrte Danakil-Wüste.

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