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Motorradfahren in China ist für Normalsterbliche immer noch eine der Fast-Unmöglichkeiten dieser Erde. Nur wenige Organisatoren schaffen es, den Weg hinter die Mauer zu ebnen. Und damit ein echtes Stück Neuland zu eröffnen.

An- und einreise
Theoretisch ist es möglich, auf der Route der alten Seidenstraße bis nach China zu fahren. Allerdings bedeutet diese über 10000 Kilometer lange, mehr-wöchige Anreise durch halb Asien inklusive der Krisengebiete im Irak, Iran, in Afghanistan und Pakistan bereits ein Abenteuer für sich. Das an der chinesischen Grenze direkt vom nächsten abgelöst wird: der Einreise, die China nur in Begleitung staat­­licher Führer gestattet. Und von Motorradfah­rern zusätzlich einen chinesischen Führerschein verlangt. Der eine oder andere Globetrotter berich­-tet inzwischen zwar über gelungenen Vollzug, doch von mehr als einem Glücksfall zu sprechen wäre übertrieben. Wir sind bis Kashgar geflogen und von dort losgefahren. Flüge nach Peking starten täglich für rund 650 Euro (Lufthansa, Air China), die Inlands­­­-flüge nach Kashgar und Urumqi (Air China, China Southern) kosten mindestens noch mal dasselbe.

Formalitäten
Zur Einreise ist außer dem Reisepass ein Visum erforderlich, das bei den chinesischen Konsultaten in Frankfurt, München oder Berlin persönlich beantragt und abgeholt werden muss. Gebühr: 20 Euro. Selbstfahrer brauchen außerdem einen im Land erhältlichen chinesischen Kurzzeit-Führerschein.

Reisezeit
Das Zeitfenster für diese Route, die sich zwischen 4300 Höhen- und 154 Tiefenmetern abspielt, ist relativ schmal. Lediglich wenige Wochen im Frühjahr (Mai/Juni) und Herbst (September/Oktober) bieten Hochgebirge und Wüste gleichermaßen moderate Bedingungen. Während des restlichen Jahres steigen oder fallen die Temperaturen bei derart ausgeprägtem Kontinentalklima – jeder ausgleichende Ozean liegt über 3000 Kilometer entfernt – in astro­no­mische Höhen oder Tiefen. Bis zu 50 Grad Celsius kann die Luft im sommerlichen Turfan kochen, und im Winter versperrt meterhoher Schnee die teils weit über 4000 Meter hohen Pässe.
Essen/schlafen
China ist ein günstiges Reiseland. Hotels gibt es in allen größeren Orten, und ein gutes Zimmer muss nicht mehr als 30 Euro pro Nacht kosten. Auch die Küche in Westchina legt kaum Fallstricke. Die Mischung aus arabischen und chinesischen Gerichten ist selbst an preiswerten Straßenlokalen gut. Für rund einen Euro gibt’s Kebab-Spieße oder Nudeln mit Fleisch und Gemüse.

Die Sprache
Hier lauert das vermutlich größte Handikap: Sämtliche Wegweiser, Hotelaufschriften oder Speisekarten sind in Westchina ausschließlich in Chinesisch, Arabisch und maximal Kyrillisch (Urumqi) geschrieben. Das heißt: Man kapiert nichts. Bis auf die vertrauten arabischen Zahlen. Für Individualreisende keine einfache Prüfung.

Reiseveranstalter
Es wird deutlich – in China kommt man um einen Veranstalter kaum herum. Der Anbieter Edelweiss Bike Travel verfügt über die größte Erfahrung im Land sowie einen Fuhrpark von 650er-Jealing (Suzuki Freewind-Nachbau) bis zur BMW 1200 GS. Und neben kompetentem Tourguiding erledigen die Spezialisten auch alle Formalitäten. Neben einer weiteren Reise im tibetischen Grenzgebiet läuft die Seidenstraßen-Tour im Mai, September und Oktober 2008. Die Preise reichen von 3220 Euro bis 6030 Euro (je nach Motorradtyp und Zimmerbelegung) plus Flug. Nicht billig, aber angesichts des enormen organisatorischen Aufwands durchaus nachvoll­ziehbar. Alle Informationen unter Telefon 0800333593477 oder www.edelweissbike.com.

Literatur
Über China allgemein gibt es jede Menge Lesestoff, über den hochgebirgigen Westen dagegen fast nichts. Viele Informationen enthält der über 1000 Seite starke, sehr gute China-Band vom Verlag Stefan Loose für 34 Euro. Wer einen Zwischenstopp in Peking plant, findet im Baedecker »Peking« für 17,95 Euro fünf interessante Stadt-Erkundungsrouten samt Stadt­plan. Zur Groborientierung hilft die China-Karte von Marco Polo in 1:4 Millionen für 9,95 Euro. Eine Karte von Westchina gibt es nicht.

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