Interview mit Dr. med Sven Rupprecht (Archivversion)

Dr. med. Sven Rupprecht, Neurologe und Schlafforscher an der Uniklinik Jena, gibt Expertentipps.

Urlaubszeit ist wertvoll – viele steigen deshalb gleich nach der Arbeit aufs Motorrad. Vom Tag noch fit – was soll da schiefgehen?
Jede Menge. Denn am frühen Abend sind wir nicht mehr so leistungsfähig, der Bio-Rhythmus fährt sich herunter und ist auf Schlafen eingestellt. Wer jetzt losfährt, wird bald merken, dass die Konzentration nachlässt. Man fröstelt, die Augen brennen und fallen dann einfach zu: Sekundenschlaf – einer der häufigsten Unfallgründe. Wichtig zu wissen: Der Körper nimmt sich, was er braucht. Egal, ob man Motorrad fährt oder Zeitung liest – wenn der Punkt überschritten ist, fallen die Augen zu.

Gibt es eine ideale Reisezeit?
Ganz klar zwischen 7 und 8 Uhr morgens. Unser Bio-Rhytmus ist so richtig schön in Schwung – bis zum Nachmittag – dann hängt die Kurve unten. Nach dem Mittagessen deshalb eine halbe Stunde schlafen. Schattige Ecken gibt’s auf fast jedem Rastplatz. Aber: nicht länger als 35 Minuten, sonst kommt der Körper in die Tiefschlafphase – und aus der kommt man selten frisch wieder raus.

Kann ich vor der großen Tour „vorschlafen“?
Auf Vorrat schlafen geht leider nicht. Trotzdem: Wer zwei, drei Nächte vor der Urlaubsfahrt ausreichend schläft, ist fitter und hält länger durch.

Kaffee, Red Bull und Sauerstoff-Wasser – Wundermittel gegen Müdigkeit?
Wundermittel gibt es nicht. Der Klassiker Kaffee wirkt tatsächlich – kurzfristig. Das Koffein stimuliert das Gehirn für kurze Zeit. Ähnliches wird auch von Nikotin behauptet – ist aber umstritten. Quatsch dagegen ist Sauerstoff-Wasser – wie soll der Sauerstoff vom Darm ins Gehirn gelangen? Auch die Proteine im Steak können uns länger wach halten, Kohlenhydrate wirken dagegen einschläfernd. Trotzdem: Wenn der Körper schlafen will, dann tut er das. Auch mit Koffein.

Was ist mit dem „Geheimtipp“: Visier auf – dann wirds schon wieder?
Frische Luft ist immer gut. Trotzdem sollte man spätestens alle zwei Stunden Pause machen und sich bewegen. Zusatzinfo für Nutzer antiallergischer Mittel: Viele von denen wirken schlaffördernd.

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