Lüneburger Heide (Archivversion) Heidennei

In der Lüneburger Heide soll sie zu Hause sein - die schöne Erika. Und weil Klaus H. Daams und Peter Dickmeyer keinem Pflänzchen widerstehen können, haben sie dem scheuen Gewächs einen Besuch abgestattet.

Kaum haben wir die A7 verlassen, umgibt uns eine Landschaft, deren anheimelnde Idylle Heimatdichter wie Herrman Löns zu Gedichten inspirierte und bereits ungezählten Heimatfilmen als Kulisse diente. Seit jenen seligen Tagen scheint sich hier kein Blatt mehr vom Kalender gelöst zu haben. Noch immer ist das flache Land zwischen Hamburg und Hannover der Inbegriff von Ruhe und Gemütlichkeit. Kein Wunder, dass sich der Durchschnittstourist hier stark dem Rentenalter nähert und mit Pferdekutschen durch die Landschaft rollt oder in Omegas und Audis den Verkehrsfluss auf Schrittgeschwindigkeit runterregelt. Wie gesagt, Hektik kommt so schnell nicht auf in der Heide. In Egestorf biegen wir auf die kleinen Landsträßchen ab, die belagstechnisch wechseln wie die Laune eines Schulhausmeisters - ausser kegelbahntauglichem Untergrund gibt’s nämlich reichlich Asphalt-Flickenteppiche, Kopfsteinpflaster und Betonplatten-Pisten, auf denen man durchgeschüttelt wird wie ein trockener Martini. Auf ihnen sind wir dafür gleich mittendrin. Denn wenige Kilometer westlich der Autobahn beginnt der Naturschutzpark Lüneburger Heide. Zum Wilseder Berg – immerhin stolze 169 Meter hoch und damit mächtigste Erhebung der Tour, außerdem noch Heidemuseum und der Legende nach Hannibals Grab beherbergend - gelangt man zwar nur über einen Wanderpfad. Aber im etwas weiter nördlich gelegenen Undeloh führt eine der wenigen öffentlich befahrbaren Straßen durch den Park. Abwechselnd umgeben uns lichter Wald, Sand oder die charakteristisch violetten Heidekrautfelder. In Schlierhorn drehen wir eine Schleife und erreichen bei Hansted an dem Flüsschen Schmale Aue wieder die Landstraße nach Jesteburg. Ortschaften kaum größer als ein Fußballstadion liegen am Weg, vereinzelte Bauernhöfe, in denen Kartoffeln namens Linda und Celina zum Verkauf stehen.Den Ausläufern Hamburgs so weit wie möglich aus dem Weg gehend, nähern wir uns südlich von Buchholz quasi der Königsdisziplin der Heide - dem Moor. Zunächst dem Königsmoor, dann der Wümmeniederung – kilometerweit breiten sich die nachgiebigen Grasballen, brackige Wasserlöcher und vereinzelte Bäume aus. Gelegentlich ein paar Schafe mit schwarzen Gesichtern und Beinen, eine zwitschernde Lerche am Himmel - sonst ist es unglaublich still im Moor.Von nun an halten wir uns ostwärts, bis in der Nähe von Oldendorf, wo ein Schild auf eine alte Begräbnisstätte hinweist. Zwischen den Hünengräbern, Findlingen und Krüppelkiefern überwuchert Erika die ganze Lichtung. Die kleinen Blüten verwandeln die 5000 Jahre alte Totenstadt in ein violettes Meer. Da die riesigen Heidefelder nicht befahrbar sind, macht die Harley Pause und wir einen ausgedehnten Spaziergang, genießen den Anblick, der sich im Wind wiegenden lila Schönheit und den unter unseren Stiefeln nachgebenden Sand. Ein Gefühl, als ginge man am Strand spazieren. Ein bisschen Motorradambiente muss noch sein. Wir fahren nach Lüneburg, der Stadt, die der Region den Namen gab und auf die auch »Home of the Backstein« gut gepaßt hätte. Denn die winzigen Gässchen und der Markplatz sind gesäumt von windschiefen Backsteinhäusern. Im »Stint«, einem Motorradtreff und eine von mehreren gemütlichen Kneipen direkt an der Schiffsanlegestelle, machen wir die letzte Pause. Und siehe da, das Durchschnittsalter liegt deutlich unter 60.

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