Mittelamerika (Archivversion)

Im Grenzbereich

Einmal von Mexiko bis Panama fahren, über jene fast lächerlich kleine Landbrücke zwischen den mächtigen Kontinenthälften Amerikas. Eine Reise zwischen den Welten – zwischen Karibik und Pazifik, Grenzen, Kriegen und Naturschönheiten.

Luis – freundlich, geschäftstüchtig, zerschraddelter Toyota – wittert sofort einen guten Deal: zwei übermüdete Neuankömmlinge, da geht was. »LTU-Cargo? Si, claro.« Für zehn US-Dollar führe er uns gerne hin. Ob es weit sei, wollen wir wissen. »Mehr oder weniger«, sagt er, wir steigen ein. Der restschwarze Wagen gerät bedenklich aus der Balance, die Rosenkranzkette am Rückspiegel beginnt zu pendeln, wir sitzen hinten, die heilige Muttergottes vorn – direkt über der Lüftung. Mit einem Ruck kommt die Fuhre in Gang. »Bienvenidos a Mexico.«Die Fahrt dauert keine fünf Minuten. Zu kurz für einen Zehner, claro. Doch lang genug, um alle verdrängten Bedenken und Zweifel an unserer bevorstehenden Tour aufleben zu lassen: Ob wir rüber nach Chiapas wollten, erkundigt sich Luis höflich. »Nein, runter nach Panama.« Durch die halb geöffneten Fenster weht der süßliche Duft feuchtwarmer Tropenluft, der Mann am Steuer sagt nichts. »Was ist mit Panama, Senor?« »Nada«, nichts – nur würde er weiß Gott nie durch ganz Mittelamerika reisen. Belize, okay. Guatemala, vielleicht. Aber Honduras und Nicaragua – never. Bingo, schon läuft der Horrorstreifen wieder ab: Mord, Raubüberfälle, Guerilla, Malaria, Cholera, Typhus, Dengue-Fieber. Kein Schreckenszenario, das man uns während der letzten Wochen nicht untergejubelt hätte. Die unsägliche Homepage des Auswärtigen Amts: »...täglich eine Vielzahl bewaffneter Übergriffe...« Reiseführer, die Berge unerlässlicher Dokumente auflisteten, Spediteure und Versicherungen, die übelste Grenz- und Einreiseprobleme prophezeiten. Es gab Momente, da überlegten wir, dass 14 Tage Gran Canaria auch schön sein könnten.17.30 Uhr. Im letzten Licht der rotglühenden Abendsonne binden wir die beiden DR 650 von den Paletten. Es hat geklappt. Problemlos rückten die feierabendlich gestimmten Zollbeamten unsere luftverfrachteten Motorräder raus. Wir brechen auf, verlassen die letzte große Touristenbastion Cancún in Richtung belizianische Grenze. Wenn es zu heikel wird, drehen wir einfach um.Filmreife Karibikstrände begleiten die Carretera 307 in den Süden. Strahlend weißer Sand, türkisfarbenes Wasser, bodenlange Palmenblätter. Wäsche und Hängematten wiegen im Wind. Drum herum ein immer bunter werdendes Mexiko. Kneipen, Läden, Werkstätten – alles schrill bemalt. Rot, Gelb, Blau, Grün – leuchten muss es. Und leben. Annanas- und Bananenserverkäufer auf den Straßen. Kinder, Hunde, Ziegen, Hühner. Und über allem das Dröhnen der Busse. Kurz hinter Chetumal der Grenzübergang. Wir rechnen mit dem Schlimmsten, doch dann ist alles ganz leicht: Einer stempelt die Touristenkarten ab, der Zweite fragt nach »woher und wohin«, ein Dritter winkt uns durch. Drüben in Belize werden Route und Aufenthaltsdauer festgehalten, die Maschinen in die Pässe eingetragen, xx Dollar verlangt, und hoch geht der Schlagbaum.Kompletter Szenenwechsel: Die Menschen sind schwarz statt braun, sprechen englisch statt spanisch, leben in hölzernen Pfahlbauten statt in niedrigen Hütten – mit Vorgärten, Rasen, maroden Gartenzäunen und Veranden. Ausrangierte Wohnzimmermöbel und Fahrzeuggebeine weiträumig ums Haus verteilt. Nett uniformierte Schulkinder säumen den Weg, haufenweise chinesische Restaurants, und von den Dollarscheinen grüßt die Queen. Belize, eine lässige Combo aus Eurasien und karibischem Reggae-Rhythmus, gehört zum britischen Commonwealth. Zwischen endlosen Schlangen vollgepackter Zuckerrohrlaster bahnen wir uns einen Weg durch den topfebenen Norden des Landes nach Belize City, dem quirligen, dope- und musikbeschwingten Zentrum von ehemals Britisch Honduras. Vor 40 Jahren war BC noch Hauptstadt, doch immer wieder von Hurrikanen zerstört, verlegte die Regierung ihre Geschäfte nach Belmopan. Ein gottverlassenes Retortennest auf einer abgerodeten Urwaldlichtung. San Ignacio, 30 Kilometer südwestlich, am Fuss der Mountain Pine Ridge platzt dagegen vor lauter Leben schier aus den Nähten. Wir checken im Venus-Hotel ein. Mitten in der Stadt. Bekiffte Rasta-Jungs eisern an unseren Hacken. Abgeklärte US-Amerikaner und Rucksack-Reisende belagern das Backpackers samt Eva’s Internet-Restaurant nebenan.Um vier Uhr morgens reißt uns der Ort aus dem Bett. Lautstark gackernde Hühner machen den Anfang. Bei Sonnenaufgang um halb sechs stimmen die übrigen Vögel ein, fast synchron mit den Dieselmotoren und den Marktfrauen am Busbahnhof direkt hinterm »Venus«. Gegen sechs hebt dort der erste »Union-Shuttle« zum Crescendo an und röchelt, eine tiefschwarze Rauchfahne hinter sich her ziehend, Richtung Belize City. Spätestens um sieben ist es so laut, als stünde man am Ruhrschnellweg. Um acht biegen wir auf den Hummingbird Highway ab. Unser Plan: über die Urwaldpiste des Southern Highway runter bis Punta Gorda und von dort mit dem Fährboot nach Guatemala. Das Problem: niemand weiß, ob der Kahn Motorräder transportiert. Menschen ja, Autos nein, Bikes vielleicht. Egal, wir probieren’s. Tauchen ins tropische Grün der Wälder ein, die ganze Bergrücken und Flussläufe mit schimmernden Palmen, riesigen Ceiba-Bäumen und Lianen überspannen. Affen, Kolibris, traumhaft schön, und nach 80 Kilometern – Bulldozer! Der Urwald kilometerbreit gerodet, die Strecke eine einzige Staubwolke: der Southern Highway befindet sich gerade im Ausbaustadium zur Autobahn. Eine Stunde lang segeln wir quasi im Blindflug über die Piste und drehen schließlich nach Placencia ab. Ein kleiner behaglicher Küstenort auf der Spitze einer Landzunge. Hier erfahren wir definitiv, dass das Fährboot zwar Motorräder mitnimmt, allerdings nur »one by one« – also jeden Tag eins. Für 175 Mark. Ein Charterboot könne dagegen für 650 Mark alles auf einmal machen. Oder das Postschiff, aber erst in vier Tagen.18 Stunden später sieht uns Belmopan zum dritten Mal, kurz darauf Benque Viejo, dann die guatemaltekische Grenze. Aus- und Einreiseprocedere kosten diesmal zwei Stunden und xx Dollar inklusive Motorräder desinfizieren. Wir verstecken Geld und Papiere so gut es geht, fahren mit gemischten Gefühlen Richtung Tikal. »Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass auf der Strecke bewaffnete Raubüberfälle stattgefunden haben.« Der Letzte ist allerdings schon eine Zeit her, und mit jedem Kilometer fühlen wir uns wohler. Die Lehmpiste schwingt durch sanft hügeliges Gebiet, am Fluss machen Frauen große Wäsche, Merenguemusik plätschert aus einer Bar. Hinter der nächsten Kurve ein klitzekleiner Kapuzineraffe, turnt an einem winzigen, windschiefen Anhänger herum, darauf ein Löwenkäfig – bewohnt. Während der König der Tiere in der Sonne döst, wird der Reifen geflickt. Ein Wanderzirkus mit Autopanne. Dann: Tikal. Die wohl atemberaubendste archäologische Stätte der Mayas. Mitten aus dem Urwalddickicht schieben die mächtigen, Jahrtausende alten Tempel empor. Bis zu 64 Meter hoch. Wir quartieren uns in der Jungle Lodge ein, um den mystischen Zauber dieser surrealen Welt noch eine Weile festzuhalten. Gegen 23 Uhr wird das Stromaggregat abgeschaltet, danach ist es völlig still. Plötzlich markerschütterndes Gebrüll. Jaguare. Direkt hinter der Lodge. Wie gut, dass wir nicht gezeltet haben.Mit dem Tageslicht kommt der Abenteuermut zurück. Über die CA 13 geht’s runter zum Lago de Izabal. Im Reiseführer als vielversprechende Urwaldpiste verzeichnet, in »echt« eine unmenschliche Asphaltschneise, der Dschungel auch hier in weitem Abstand niedergeholzt. Wie ein Damm zerteilt der hoch aufgeschüttete Highway die kleinen Dörfer, Kinder spielen unverdrossen am Rand. Nach rund 200 Kilometern landen wir in dem unglaublichen Ort Rio Dulce. Auf den Straßen das totale Chaos, ein Gedränge aus Obstverkäufern, Schuhputzern, Ladenauslagen, Baustellen und Fahrzeugen aller Art. Selbst mit den Motorrädern gibt es kaum noch ein Durchkommen. Doch dann schwingt sich die CA 13 unvermittelt zu einem hohen Bogen über den Rio Dulce auf und entlässt uns in die Freiheit. Mit unvergesslicher Aussicht auf den palmengesäumten Tropenfluss. Nachts, in einem Hotelzimmer am Lago, macht sich jemand an unserer Tür zu schaffen. Gespenstisch dreht der silberne Knauf hin und her. Herzklopfen. Angst. Was tun? Schreien! Eine Deklamation süddeutscher Kraftausdrücke hilft. Der Täter haut ab. Wir auch. Kurs: Guatemala City. Erst jetzt nehmen wir die Vielzahl bewaffneter Zivilisten richtig wahr. Jede Tankstelle wird minimum per Schrotflinte bewacht.In Rio Hondo sieht die Welt wieder freundlicher aus, am Straßenrand laden ein paar bunte »Comedores« zum Essen ein. Mit Tagesgerichten für drei, vier Mark, sichern diese kleinen Restaurants die Existenz ganzer Familien sowie das Überleben der essfreudigen Mittelamerikaner. Wir halten bei »Milena«. Drinnen an den Wänden Bacardi- und Alkaselzerwerbung, daneben Jesus beim Abendmahl. Drei der sechs Tische sind besetzt, einer von Milenas halbwüchsigen Töchtern beim Rastazöpfe flechten. Turmhohe CD-Stapel um sich herum, brüllend laute Disco-Musik aus dem Ghettoblaster hinter ihnen. Es ist Samstag Nachmittag, die Mädels stimmen sich aufs Wochenende ein. Zum Essen gibt es Hühnchen mit Reis und eingelegtes Gemüse. Herrlich – wie immer.Hinter »Milena« beginnt das Hochland. Auf der Carretera 17 fahren wir zunächst durch wüstenartiges Gebiet und zwirbeln uns dann durch duftende Kiefernwälder hinauf nach Salamá. Die Bezirkshauptstadt ist eine »Plaza« mit unzähligen Läden drum herum. Dreh- und Angelpunkt: die mächtige Kolonialkirche. Drinnen ist gerade Gottesdienst. Es dauert einen Moment, bis wir die Abläufe identifizieren. Unter rhythmischen Rumba-Takten empfängt die locker plaudernde, einkaufstaschenbehängte Gemeinde gerade die Hostie. Ach so. Bei besonders intensiven Ritualen werden eingewickelte Schnapsflaschen geopfert und Kracher gezündet. Nach der traditionell christlich-abendländischen Lehre eher unwürdig, genauso das belcherene Bimm-Bimm-Bimm- vom Glockenturm. Nicht weit von hier soll eine Piste zum Lago de Atitlán abzweigen. Ebenfalls Warnstufe zehn beim Auswärtigen Amt. Doch wir schaffen es eh nicht. Der unglaublich steile, mitunter tief zerfurchte Pass zum Nachbarort ist nicht das Problem, sondern die Wegweisung. Es gibt nämlich keine. Dafür 17 freundliche Ratschläge, die in 22 verschiedene Richtungen führen. Nach dem fünften Anlauf ins Nichts streichen wir den See und fahren nach Honduras.Der Grenzübergang kostet Nerven. Geschlagene drei Stunden werden wir hin und her geschickt, bis endlich die Stempel in die Pässe knallen. Aus El Salvador, nur 20 Kilometer entfernt, blitzt ein Sonnenstrahl über die Berge. Vor wenigen Tagen riss dort unten ein schlimmes Erdbeben rund 1000 Menschen in den Tod. Honduras blieb weitgehend verschont. In fast vergessenen Schräglagen rauschen wir hoch in den Nebelwald. Die Straßen und Kurven sind perfekt, die Gründe dafür eher zweifelhaft. Denn es waren die US-Amerikaner, die hier Hand und Geld angelegt haben, um den Militärs während des Contra-Kriegs die Wege zu ebnen. Es geht immer höher hinauf, Kälte und Nässe ziehen in die Jackenkrägen, Nebelschleier hüllen moosbewachsene Bäume in geheimnisvolles Licht. Fröstelnd stochern wir übers Kopfsteinpflaster der hübschen Kolonialstadt Santa Rosa de Copán. Irgendwo ein Zimmer mit heißer Dusche. Genial.Bewaffnete Zivilisten sind in Honduras seltener unterwegs, dafür stehen an jeder großen Kreuzung Polizisten. Auf der Weiterfahrt durchs Hochland wird die Navigation wieder schwierig. Wegweiser sind Mangelware. Wir orientieren uns an Bussen oder fragen uns durch. Asphalt und Schotter wechseln ab, lichte Wälder, arme, zunehmend verwaisende Dörfer – ein paar Bananenstauden und Hühner zur Selbstversorgung. Menschen, die schwere Brennholzbündel auf dem Rücken tragen oder in zusammengeflickten Seifenkisten nach Hause zerren. Und immer wieder diese Laster. Mächtige Vierzigtonner, die mit Höllentempo die Gefällstrecken hinab tosen, sich dröhnend den Weg frei hupen, zwischen Fußgängern, Eseln und mit Trampern überladenen Uralt-Pick-ups. »No fear«, steht auf ihren Windschutzscheiben.Hinter der Hauptstadt Tegucigalpa stoßen wir auf eine vom Erdbeben zerstörte Brücke und gelangen über Umwege zum schwierigsten Grenzübergang der Reise: Nicaragua. Das vom Bürgerkrieg und US-Embargo völlig zerrüttete Land gilt nicht gerade als besonders Touristik-Interessiert. Tapfere Annäherung an den Schlagbaum. Vier Stunden später sind wir um 30 Schmier-Dollars und etliche Illusionen ärmer. Die Korruption war unverhohlen. Und schlagartig verändert sich alles. Müll und Werbetafeln internationaler Hilfsprojekte säumen den Weg: Die Straßen baut Dänemark, die Brücken Japan, »Wasser für Matagalpa« organisieren die Deutschen, den Häuserbau die Bundesanstalt für Wiederaufbau. Auch Pro Famlia ist vor Ort. An den Tankstellen die ersten bettelnden Kinder der Reise. »Sie haben gelernt, dass es reicht, die Hand aufzuhalten«, erklärt uns später in Managua ein deutsches Paar resigniert – Altlinke, wie sie bekennen, und langjährige Unterstützer des kleinen sozialistischen Staats. Nach Scheitern des Sozialismus sei das umkämpfte Brückenkopfland völlig orientierungslos. Im Hochland keuchen alte IFA-Laster durch endlose Kaffee-Plantagen, in den traditionellen Sandinisten-Hochburgen Estelí, Matagalpa und Jinotega weht eisern die schwarzrote Fahne, und die Bewohner zeigen unverhohlen, dass Reisende hier nicht erwünscht sind. Auf der Pan-Amerikana, die von Alaska bis Feuerland ganz Amerika verbindende Straße, rauschen wir am riesigen Lago de Nicaragua vorbei. Es gibt nichts, was uns hier halten könnte, mag der Anblick des mitten aus dem See aufsteigenden Vulkan-Ensembles Conceptión und Madera auch noch so überwältigend sein.Am Samstag, den 27. Januar überqueren wir die Grenze zu Costa Rica: wohlbehütete, seit ewigen Zeiten demokratisch regierte »Schweiz Mittelamerikas«. Es ist wie nach Hause kommen. Der ewige Müll am Straßenrand verschwindet, stattdessen huschen riesige Leguane ins Unterholz, schimpfen Brüllaffen in den Baumwipfeln und da – tatsächlich ein Tukan. Wahrhaft ein kleines Paradies, das wir förmlich in uns aufsaugen. Panama muss warten. Denn wir haben das sichere Gefühl, angekommen zu sein, die Verbindung des amerikanischen Kontinents, die Nahtstelle zwischen oben und unten, zwischen Schlagzeilen, Desillusionierung und neuer Hoffnung hinter uns. Ohne Dengue-Fieber und ohne Notruf beim Auswärtigen Amt.
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Info (Archivversion)

Mittelamerika ist als Reiseziel nicht unkompliziert. Während Yucatán und Belize schon seit Jahrzehnten mit Karibikstränden, jahrtausenderalter Maya-Kultur und Costa Rica mit großem Naturreichtum lockt, waren die übrigen Länder allzulange in politische Probleme verstrickt, um eine touristische Grundlage zu schaffen. Aber wer sich mit diesen Widrigkeiten auseinandersetzt, wird mit einer hochspannenden Tour belohnt.
Anreise Diese Tour kann nur mit dem eigenen Motorrad gefahren werden. Weder gibt es in den Regionen reisetaugliche Maschinen zu mieten, noch würden diese über die zahlreichen Grenzen gelassen (siehe Formalitäten). Als optimaler Transporteur erwies sich die Fluggesellschaft LTU, die Verbindungen nach Cancún im Norden und San José im Süden unterhält und einen Gabelflug arrangieren konnte. Die Motorräder müssen dazu drei Tage vor Abflug zum Flughafen (mehrere deutsche Städte) gebracht werden, reisen auf dem Hinweg fast immer im gleichen Flieger mit. Und sind, da lediglich die Batterie abgeklemmt wird und der Tank viertels gefüllt sein darf, am Ziel schnell startklar. Das Personenticket kostete zum Reisezeitpunkt rund 1600 Mark, die Motorräder xxxx Mark. Die Formalitäten übernimmt wahlweise die Spedition. Nähere Informationen im Reisebüro, im Internet unter www.ltu.de, den LTU Cargo-Büros in Düsseldorf, Frankfurt oder München sowie den Agenturen Fly & Bike (Telefon 089/66002160) und GS-Sportreisen (Telefon 089/27818484, internet www.gs-sportreisen.de). Reisezeit und Ausrüstung Für eine Route durch ganz Mittelamerika ist nur ein Monat ideal: der Januar. Dann herrschen angenehmen Reisetemperaturen und man fährt bei (Nord-Südkurs) den unterschiedlichen Regenperioden der diversen Länder optimal davon. Dennoch sollte unbedingt Regenkleidung an Bord sein sowie ein dicker Pulli, da es in den Bergregionen mitunter recht kalt werden kann.Route und BenzinversorgungDie Wahl der Route orientierte sich an den Faktoren Pistenzustand, landschaftliche oder kulturelle Attraktivität und Sicherheit. Über den Pistenzustand gaben Landkarten und Reiseführer einen Anhaltspunkt. Beispielsweise, wie lange der Bus unterwegs ist. Wenn der neuen Stunden für 60 Kilometer braucht, ist die Piste eher schlecht. Das Thema Sicherheit gehört leider zwingend dazu, da vor manchen Routen wegen Überfällen gewarnt wird (siehe Sicherheit). Tankstellen sind in den Landkarten verzeichnet und im dicht besiedelten Mittelamerika genügend vorhanden. SicherheitAuch wenn wir kaum negative Erfahrungen gemacht haben, sollten die vom Auswärtigen Amt und im Handbuch als gefährlich gekennzeichneten Strecken ernst genommen werden. Durch die noch nicht lange zurückliegenden Bürgerkriege sind viele Waffen im Umlauf und kommen bei Raubüberfällen (auch auf Touristen) zum Einsatz. Das gilt grob für die Nordküste von Honduras, diverse Hochland-Regionen in Guatemala (rund um Tikal, Cobán und den Atitlánsee) sowie die alten Rebellenhochburgen im Nordosten Nicaraguas. Vor Reiseantritt bei den genannten Informationsstellen den neuesten Stand erfragen. Grundsätzlich gefährlich sind außerdem Nachtfahrten.Formalitäten Zur Einreise reichen überall Reisepass, Führerschein und Kfz-Schein aus. Die jeweils internationale Ausführung sollte dabei sein, wurde aber nie verlangt. (Unbedingt Kopien von allem anlegen.) Die deutschen Motorradversicherungen/Grüne Karte gelten in Übersee nicht. Empfohlen wird daher der Abschluss einer Reise-Kfz-Versicherung. Kann entweder unterwegs oder in Deutschland (außer für Mexiko) bei American International Underwriters,Telefon 06122/15646, Fax 8993, oder Tour Insure Telefon 040/251721-50, Fax –21, abgeschlossen werden. Pro Monat kostet eine 650er ab 420 Mark (mit Vollkasko rund 765 Mark). Sechs Grenzübergänge kosten Zeit, Geduld und Geld. Im Schnitt müssen zwei bis drei Stunden pro Grenzübertritt einkalkuliert werden. Die Kosten sind völlig unterschiedlich und reichen von xx US-Dollar in Mexiko bis zu sagenhaften xxxx in Costa Rica (Ein- und Ausreise). Insgesamt haben wir pro Person mit Bike in vier Wochen xxx Mark an die Zöllner abgedrückt, von denen sicher nicht alle legal waren. Aber es gab nirgendwo wirkliche Probleme, sondern unser Durchreiseanliegen wurde überall völlig selbstverständlich gewährt. FinanzenBasiswährung ist in allen Ländern der US-Dollar, mit dem zur Not auch immer gezahlt werden kann. Im normalen Zahlungsverkehr ist aber stets die einheimische Währung üblich, die an den Grenzen an- und verkauft wird. Die Kurse der dortigen Geldwechsler sind meist akzeptabel, und übriggebliebene Währung kann nur bei ihnen zurückgetauscht werden.Travellercheques in US-Dollar und Kreditkarten werden in Banken und größeren Hotels meist problemlos akzeptiert, auf dem Land dagegen kaum. Entsprechend kommt man nicht umhin, eine gewisse Menge Bargeld bei sich zu tragen, sollte dies aus den erwähnten Risiken aber gut verstecken (zum Beispiel in direkt am Körper getragenen Geldgürteln).Übernachten/Camping: Übernachtungsmöglichkeiten sind in entlegeneren Regionen nicht immer leicht zu finden. Als unentbehrlicher Helfer erwies sich dabei das empfohlene Mittelamerika-Handbuch, das uns mit seinen Quartiertipps manche nervenaufreibende Suche erspart hat. Die Preise beginnen bei rund 35 Mark für einfache Zimmer und enden bei 150 Mark in nobleren Hotels. Tipps: die Dschungellodge in Tikal für 150 und das Hotel Tezuluthán in Salama/Guatemala für 35 Mark. Zelten ist schwierig, da Campingplätze rar und meist unattraktiv sind. Zwei besonders schöne: in Belize an der Verbindungsstraße zwischen San Ignacio und dem Grenzübergang nach Guatemala; in Costa Rica am Nordostufer des Arenalsees Organisierte Touren Wer einmal Mittelamerika-Luft schnuppern will, kann beim MOTORRAD ACTION TEAM ab 2002 eine Tour durch Guatemala und Honduras buchen, die Teile der hier beschriebenen Route streift. Die Details werden gerade ausgearbeitet, unter Telefon 0711/182-1977 ist schon Näheres zu erfahren. Literatur Beim Reiseführer gibt’s nur eine Wahl: Das Mittelamerika-Handbuch aus dem Gisela Waltther-Verlag für 49,80 Mark – eine deutsche Lonely Planet-Übersetzung, auf dessen 830 Seiten wirklich ALLES steht, was man wissen muss. Streckeninfos, Sehenswürdigkeiten, Geschichte, Hotels etcetera. Mexiko fehlt darin leider, sodass wir auf das Yucatan-Kapitel von Stefan Loose »Mexiko« für 44 Mark verweisen. Die besten Karten kommen vom Verlag »International Travel Maps«, der sowohl die Übersichtskarte »Centralamerika« in 1:1,8 Mio sowie Einzelblätter für jedes Land in 1:350 000 - 800 000 anbietet.Information Über Formalitäten, Sicherheit und Gesundheitsfragen weiß das Auswärtige Amt Bescheid, Telefon 01888170, internet www.auswaertiges-amt.de . Alle Fragen zum Thema Impfen und Prophylaxen beantworten neben dem Hausarzt vor allem die Tropeninstitute. Zum Beispiel in München, Telefon 089/333369, sowie der Internetdienst xxxxxxxxxx. Zum Thema Fahrzeug ist die Auslandsabteilung des ADAC gut informiert, Telefon 089/7676-6331. Touristische Informationen gibt’s bei der Arbeitsgemeinschaft Lateinamerika unter Telefon 06298/929277. Ansonsten: Siehe Literatur.Gefahrene Strecke: 4000 KilometerZeitaufwand: Vier Wochen

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