Motorradfahren im Herbst Abschied vom Sommer

Noch einmal raus, noch einmal die Dynamik der Maschine spüren, bevor der Winter erbarmungslos zubeißt. Doch die stimmungsvolle Jahreszeit erfordert einen gewissen Respekt, Fahren auf der letzten Rille erweist sich als wenig clever.

Foto: Eisenschink

Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder, als Paul die Blade aus der Garage rollt. Er hat jeden freien Tag der Saison genutzt, um der Honda die Sporen zu geben, hat mit ihr Rennstrecken-Trainings besucht und ist auch auf der Landstraße ambi­tioniert unterwegs gewesen. Jetzt sind die Reifen im letzten Viertel ihres Lebenszyklusses, doch neue Gummis lohnen nicht mehr für den goldenen Herbst.

Paul ist ein Genießer, noch ist er in Form. Seine Hausstrecke geht er gewohnheitsmäßig an wie auf warmem Sommer-Asphalt. Bereits in der ersten Kurve schmiert die Blade, ihre Pneus bauen keine verlässliche Haftung mehr auf. Die Straßen sind bei herbstlichen Temperaturen nicht mehr das, was sie im Sommer waren – nämlich griffig. Kalte Reifen und kalter Asphalt wollen sich nicht mehr nachhaltig verzahnen. Bei Temperaturen von zehn Grad und weniger sind die im Sommer souverän gefahrenen Schräglagen schlicht nicht mehr realisierbar.

 

Weitere Herbsthürden liegen auf der Straße: jede Menge Schmutz von Traktoren, Ernte- und Forstfahrzeugen. Dazu kommen Laub und Fallobst, die besonders in Verbindung mit Feuchtigkeit die Straße mit einem gefährlichen Schmierfilm über­ziehen. Und in schattigen Waldpassagen sowie auf Brücken kann sich im Herbst bereits das erste Glatteis bilden. Pauls einzige Chance, sich und die Honda wieder unbeschädigt nach Hause zu bringen, heißt: runter vom Gas. Auf den schmierigen Passagen muss er sanft bremsen, abrupte Lenkmanöver vermeiden und seinen schönen Hobel entspannt über alle Gefahrenstellen rollen lassen.

Ein weiterer heikler Punkt im Herbst ist das Licht. Bereits am Nachmittag steht die Sonne tief, kann blenden. Als der Schatten seines Motorrads lang wird, weiß Paul, dass Autofahrer jetzt Mühe haben, ihn rechtzeitig zu erkennen. Und als es gegen 18 Uhr fast schon dunkel ist, ärgert sich der coole Paul über sein getöntes Visier. Im Herbst muss man mit Streulicht rechnen, daher sollte man vor der Ausfahrt verkratzte oder dunkle Visiere austauschen. Oft kommt noch Nebel hinzu, weshalb Paul mit einem beschlagfreien, hellen Visier am besten beraten gewesen wäre. Sollten Antibeschlag-Beschichtung oder Sprays nicht ausreichen, können Pinlock-Visiere helfen (Zusatzscheibe, die innen vor das Visier geklemmt wird). Die gibt es speziell für diffuse Lichtverhältnisse mit kontrastverstärkenden Einsätzen (im Fachhandel oder bei den großen Shopketten ab zirka 32 Euro, Infos auch unter www.pinlock.com).

Nicht nur Motorradfahrer, auch das Wild im Wald frohlockt im goldenen Herbst. Hirsche haben Brunftzeit, Wildschweine queren spontan die Fahrbahn. Paul muss sich zum Langsamfahren in Waldpassagen nicht zwingen, er sieht ohnehin fast nichts mehr. Außerdem bereut er, dass er keine Thermo-Unterwäsche unter die Kombi gezogen hat. Verspannun­gen und Unkonzentriertheiten, die sich kein Motorradfahrer leisten kann, sind jetzt programmiert. Allerdings darf bei niedrigen Temperaturen die Lederkombi nicht zu eng sitzen, sonst nutzt auch die Thermo-Unterwäsche nichts, da sich kein wärmendes Luftpolster aufbauen kann. Eine Halskrause aus modernen Fasern wünscht sich Paul sehnlichst herbei und er verflucht die dünnen Sommerhandschuhe. Vielleicht hätte er doch den neuen Reifensatz aufziehen sollen, um wenigstens eine Nuance mehr Grip zu haben? Bleibt als Fazit: Trotz kleiner Unbillen ist der Herbst eine fantastische Zeit zum Fahren, keine andere Jahreszeit bietet solche Stimmungen. Wenn man die Tour entspannt angeht, auf die letzte Rille verzichtet und unsere Herbst-Tipps beherzigt, wird sie zum tollen Erlebnis.

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Herbstgefahren

Rutschgefahr:

Laub, Fallobst oder Schmutz von Traktoren machen die Fahrbahn rutschig.

 

Schlechte Sicht:

Regen oder Nebel sorgen für Blindflug. Gas weg!

 

Nässe:

Hohe Geschwindigkeit und abgefahrene Reifen erhöhen das Sturzrisiko.


Glatteis:

Brücken, Waldschneisen und Senken fordern erhöhte Aufmerksamkeit.


Kleidung:

Wer friert, verkrampft schnell.

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Ausprobiert: wasserdichte Socken

Sie fahren lieber in leichten Sportstiefeln oder gepanzerten Cross-Boots, statt in den üblichen Allround-Gore-Tex-Modellen? Ärgern sich aber ständig, bei schlechtem Wetter nasse Füße zu kriegen? Da gibt es Abhilfe: wasserdichte Socken wie die Seal Skinz Mid-Light von Detlev Louis (www.louis.de). Die dreilagigen, wadenhohen Strümpfe gibt es in vier Größen. Sie tragen etwa so dick auf wie warme Wintersocken, passen also fast überall rein.

 

Die innere Schicht besteht aus einer angenehm zu tragenden Polyamid-Baumwoll-Mischung, die mittlere aus einer wasserdichten Membran, die äußere aus robustem, schnell trocknendem Nylon. Bei Verwendung von dünnen Baumwollsocken darunter bewährten sich die Seal Skinz nicht nur bei Nässe, sondern auch bei warmer Witterung sehr gut. Sie hielten die Füße von außen trocken und sorgten für ein äußerst angenehmes Tragegefühl. Also nicht ein Gefühl, wie in Plaste verpackt, sondern wie in ganz normalen Strümpfen. Tolle Sache und eine interessante Ergänzung für sportliche Allwetterfahrer. Mit 42,95 Euro allerdings nicht ganz billig.

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