Motorradfahren mit Zuladung Gepäck auf dem Motorrad transportieren

Wer per Motorrad in den Urlaub fährt, kommt um die Mitnahme von mehr oder weniger Gepäck nicht herum. Was die Fahreigenschaften der Maschine oft verschlechtert. Wie man richtig packt und welche Maßnahmen an der Maschine das Fahren sicherer machen, lesen Sie hier.

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Die Siebensachen für den Motorradurlaub oder die Tour am Wochenende lassen sich auf ganz unterschiedliche Art auf der Maschine verstauen. Es gibt komplette, komfortable Gepäcksysteme mit Koffern und Topcase. Aber auch Softbags, die kein Trägersystem benötigen und wie Satteltaschen an der Sitzbank verzurrt werden, sowie eine Gepäckrolle tun ihren Dienst. Selbst per Rucksack lässt es sich, zumindest für ein paar Tage, prima reisen: Einer auf den Tank, der andere auf den Rücken geschnallt - auch da finden die wichtigsten Utensilien ihren Platz.

Wie immer man sich entscheidet, wichtig ist, dass die maximale Zuladung des Motorrads bei der Tour mit großem Gepäck und Sozius nicht überschritten wird. Und obwohl moderne Maschinen in der Regel als pflegeleichte Kameraden gelten, sind einige Handgriffe am Zweirad dringend nötig, bevor es auf die Reise geht. Zum Beispiel am Fahrwerk. Die Einstellung, die dem Solisten genügt, kann bei maximalem Ballast komplett kapitulieren. Denn wie die Messwerte auf Seite 32 zeigen, werden speziell die Hinterradfederung und Bereifung extrem gefordert. Fast das gesamte Gewicht eines Passagiers und der angebrachten Gepäcksysteme lastet auf der Hinterachse.

Diese Beanspruchung muss zumindest durch eine Veränderung der Federbasis und, wenn möglich, eine straffere Einstellung der Druck- und Zugstufendämpfung ausgeglichen werden. Für diejenigen, die überwiegend im Tourentrimm unterwegs sind, lohnt die Anschaffung eines speziell auf die hohe Zuladung abgestimmten Nachrüst-Federbeins. Denn im Prinzip können nur eine härtere Feder und eine entsprechend ausgelegte Dämpferabstimmung die extreme Zuladung optimal ausgleichen. Wer sich die Mühe einer angepassten Abstimmung vor dem Start in die Ferien spart, wird, wenn es ganz dumm läuft, durch ein miserables, teilweise auch gefährliches Fahr- und Kurvenverhalten bestraft.

Das Gleiche gilt für den Reifenfülldruck, der unbedingt erhöht werden muss. Die Werte sind meist im Fahrerhandbuch angegeben, wenn nicht, können bei allen Radialreifen hinten je nach Zuladung ab 160er-Baubreite 2,9 bis 3,1 bar nicht schaden. Am Vorderrad hingegen muss der Druck aufgrund der kaum erhöhten Radlast nur um 0,2 bis 0,3 bar auf 2,5 bis 2,7 bar aufgestockt werden, damit Bremsstabilität und Lenkpräzision erhalten bleiben.

Neben der verbesserten Kurvenstabilität mindert der hohe Reifenfülldruck den Abrieb, weil die Walkarbeit des Reifens und somit die Erhitzung der Gummilauffläche dadurch geringer ist. Und hohe Temperaturen sind immer gleichbedeutend mit unnötig hohem Verschleiß.

Verschleiß macht auch der Antriebskette zu schaffen, wenn diese zu straff justiert ist. Speziell bei weit eingefederter Schwinge muss zwingend darauf geachtet werden, dass beim Nachspannen ausreichend Spiel vorhanden ist. Was sich am besten in voller Zuladung von einer dritten Person kontrollieren lässt.

Um zu dokumentieren, wie sich die Fahrdynamik bei maximaler Zuladung gegenüber Solofahrt verändert, wurde eine Suzuki Bandit 1200 S bepackt. Im Handlingkurs, auf Passstraßen sowie beim Bremsentest zeigte sich die Bandit zwar auch in vollem Reisetrimm von der besten Seite, machte aber klar, dass gut 210 Kilogramm Zuladung nicht ohne Folgen bleiben. Beschleunigungsvermögen, Bremsverhalten und Schräglagenfreiheit, alles über Datarecording aufgezeichnet, verändern sich deutlich. Aus diesem Grund gehört rechtzeitig vor Reisebeginn eine ausführliche Probefahrt in vollem Ornat und mit Passagier über die allseits bekannte Hausstrecke zum Pflichtprogramm. Passen Federung und Dämpfung? Oder schaukelt sich die Kiste auf? Schraddeln Hauptständer und Auspuff schon beim Abbiegen über den Asphalt? Stört der Tankrucksack beim Wenden, betätigt er gar den Hupenknopf? Was passiert bei einer Vollbremsung? Überholt einen dann die Gepäckrolle obenrum?

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Wer die Mängel und Fehler rechtzeitig aussortiert, kann noch nachbessern. Gleiches gilt für die Bekleidung. Helm und Stiefel sollten vor dem Urlaub die eine oder andere Ausfahrt hinter sich haben, weil sich nur so Druckstellen oder andere später auf der Reise wirklich lästige Eigenschaften dezidiert aufstöbern lassen.

Und Achtung: Fett bepackten Motorrädern geht früher die Puste aus. Je weniger Leistung, desto dramatischer hängt die Fuhre beim Spurt in den Seilen, was insbesondere beim Überholen zu einem kritischen Engpass führen kann. Selbst die durchzugsstarke 1200er-Suzuki schwächelte bei den Vergleichsmessungen spürbar. Wer sich auf den Drehmomentberg großvolumiger Motoren verlässt und wie gewohnt bei der Hälfte der Höchstdrehzahl den Gasgriff spannt, staunt nicht schlecht über einen teilweise lethargischen Antritt.

Beim Kurvenritt mit Sozius und umfangreichem Marschgepäck spielen die richtige Linienwahl und Kurventechnik eine noch größere Rolle als beim Solo-Auftritt, weil die schwere Maschine behäbiger auf Kurskorrekturen reagiert und sie beim Aufsetzen in Schräglage kaum ein harsch eingeleitetes Ausweich- oder Lenkmanöver zulässt.

Deshalb eine vorausschauende, auf die veränderten Bedingungen angepasste Fahrweise wählen. Was nicht zwingend die launige Kurvensause schmälert. Motto: Geteilter Spaß ist doppelter Spaß. In diesem Sinne: gute Reise!

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