Motorräder im Autozug Zugnummer

Die Idee mit dem Autozug ist nicht gerade neu. Nur haben Motorradler die Sache neu für sich entdeckt. München-Neapel im Schlaf – ja, ja, auch wir werden älter.

Enduro fahren. Prima. In den Abruzzen. Klasse! Ähm, wo liegen die noch mal? Oh, Neapel. Ganz schön weit – mit Stollenreifen, schmaler Sitzbank, knapp 30 PS und... Schnitt! Genau hier könnte der Werbespott für den DBAutoZug einsetzen: »Kleines Motorrad, große Pläne, wenig Zeit, aber Geld? Bei uns werden Sie geholfen.« Durchs makellose Bild (nächtliches Alpenidyll) gleitet der Autozug, die teure Fracht schimmert im Mondschein. Behaglich beleuchtete Abteile, gut gelaunte Gäste beim Abendbrot, lächelnde Zugbegleiterinnen beim Zurechtmachen der Betten. »Und morgen früh steigen Sie in aller Frische im sonnigen Süden aus.«Eine pfiffige Sache. Im echten Leben vielleicht nicht ganz so romantisch, dennoch von immer mehr Motorradlern genutzt. 30000 waren es im letzten Jahr. Tendenz steigend. Weil Motorradler schlaue Rechner sind: Sprit + Maut + Übernachtung + Abnutzung = Zugticket. Oder mehr. Für stumpfes Kilometerfressen? Nein danke. Lieber eine Nacht in – statt zwei Tage auf der Bahn. Zumal das Abenteuer nicht auf der Strecke bleibt. Angefangen beim Durchforsten des Tarif-Dschungels.Erstens gibt es drei Preisstufen. Stufe 1 ist die günstigste, 3 die teuerste und – weil auch Eisenbahner schlaue Füchse sind – meist an Hauptreisetagen fällig. Zweitens ist bei gleichzeitiger Reservierung der Rückfahrt ein Discount obligatorisch. Drittens lohnt ein eigenes Abteil bereits ab vier Personen. Viertens sind Schlafwagenplätze für ein Trio kaum teurer. Fünftens fahren Gespanne zum Motorradtarif. Sechstens liegt der AutoZug-Katalog an allen Bahnhöfen aus. Siebtens gibt’s www.dbautozug.de und achtens das Servicetelefon 0180/5241224. Alles klar?Okay. »Abenteuer Bahn«, Teil 2: Anfahrt zum Terminal. Mitunter verbirgt sich dahinter eine spannende Entdeckungsreise. Also, unbedingt Zeit und Anfahrtsskizzen aus dem Katalog mitnehmen. Am Verladebahnhof gilt: Tankrucksack und Gepäckrolle runter, Helm auf, Kopf einziehen, rein in den Zug. Motorräder werden fast immer im Erdgeschoss transportiert. Deckenhöhe 1,55 Meter! Das Einparken erfordert somit ein gewisses Geschick. Verzurrt werden die Bikes in deutschen Landen von der fingerfertigen DB-Crew. Im Ausland steht man zuweilen alleine und im dümmsten Fall ohne Spanngurte da. Tipp: Gurte bei der Ankunft mitnehmen.Überleben an Bord: Frühstück oder Abendessen sind im Preis inbegriffen, doch werden »echte Biker« davon selten satt. Jede weitere Bestellung fällt teuer aus, die Suche nach einem Bordrestaurant ist häufig vergeblich. Das gute alte Vesperpacket wirkt in solchen Situationen tröstlich.Im Oktober 2000 führte der ADAC einen akribischen DBAutoZug-Test durch. Grund zur Klage lieferten schlecht gelaunte Besatzungsmitglieder, unzureichende Waschgelegenheiten in den Liegewagen, lange Wege zwischen schmuddeligen Auto- und Personen-Terminals im Ausland, Stromausfälle und Verspätungen. Nun, wahrscheinlich kommt es auf eine Portion Glück und Resthumor an: Wir jedenfalls hatten’s zwischen München und Napoli lustig.Zum Schluss noch ein Hinweis für Leute mit Zugangst: www.moto-shuttle.de (Telefon 0173/3729272) fährt jede Woche Gröbenzell-Toscana. Kostet hin und zurück 490 Mark. Maja Bike & Travel steuert vom Ruhrpott gen halb Europa. Beispiel: Essen-Lissabon-Essen 1595 Mark. Infos: www.majabike.de, Telefon 0201/8943904. Poki (www.poki.de, Telefon 06426/921913) fährt Fronhausen-Barcelona für 870 runter und retour. Allerdings nimmt Poki keine Personen mit, die anderen schon.

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