Neue Wege (Archivversion)

Wanderer, Mountainbiker, Skifahrer, Bergsteiger, Gleitschirmflieger, Kletterer, Höhencamper, Motorradler: Rund 120 Millionen Urlauber erweisen dem größten und höchsten Gebirge Europas alljährlich die Ehre. Mit ihren 61 über 4000 Meter hohen Gipfeln stemmen die Alpen ein Viertel des Welt-Tourismus; dass dabei
einiges aus dem Lot gerät, ist verständlich.
So konzentriert sich der Fremdenverkehr im Wesentlichen auf etwa zehn Prozent aller Alpengemeinden, während andere Gebiete nach wie vor von Abwanderung bedroht sind.
Das ökologische Gleichgewicht ist durch den Massenandrang gleichfalls bedroht. Und machen wir uns nichts vor: Exzessives Endurodeln ist für die Bergwelt ebenso wenig förderlich wie der Naturkiller-Sport Skifahren. Nur eben weit weniger verbreitet und vom gutbürgerlichen
Alpinisten derart verpönt, dass es in Ballungszentren fast flächendeckend verboten ist. Abseits des Geranienkübel-Tourismus finden sich hingegen noch etliche Trails, auf denen verantwortungsbewusste Motorrad-Wanderer alpine Genüsse erleben können, ohne die Umwelt über Gebühr zu beanspruchen. Diese aufzuspüren bedarf es in der Regel eines gewissen Geschicks und teurer Wanderkarten im Maßstab 1:50000. Die Besten gibt es erfahrungsgemäß in den Buchhandlungen und Souvenirläden vor Ort zu Preisen von durchschnittlich acht Euro.
Doch Obacht: So genannte Insider-Tipps in
großem Stil zu verbreiten könnte rack, zack in die Hose gehen. Es müssen nur genug wild
entschlossene Enduristen auftauchen, schon ist’s mit der Freiheit Essig. Beispiel Friaul:
gestern noch »Geheimtipp« für Geländefahrer, heute lauter nigelnagelneue Gesperrt-Schilder (wiewiewie.konnte-das-passieren?com). Beispiel Nummer zwei: »Motorradfahrer Schwein Gehen Euer Haus« empfing uns ein riesiger Schriftzug am Ende einer alten Militärpiste im Piemont. Wer immer dort oben durchgedreht hat – von ungefähr kommen solche Hasstiraden nicht.
Verantwortung trägt jeder. Drum verkneift sich MOTORRAD seit
Jahren die Veröffentlichung detaillierter
Informationen über abgelegene Alpen-Trails. Obwohl es den Schreibern oft in den Fingern juckt – ist ja schließlich der Job, Wissen zu
verbreiten. Und es wurmt, dass die meisten
Mitbewerber in der Medienbranche, jeden neu entdeckten Stein beim Vornamen nennend,
gewisse Vorteile ziehen.

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