Nord-Süd-Konflikt (Archivversion)

1617 Kilometer trennen den Brenner von Palermo – schon sprachlich verstehen sich Nord- und Süditaliener kaum, erst recht nicht in Mentalitätsfragen. "Terroni" (Erdmenschen) oder "Marokkaner" werden die Landsleute aus dem Süden im Norden genannt; die Regierungspartei Lega Nord befürwortet gar eine offizielle Abspaltung vom sogenannten Mezzogiorno, der knapp unterhalb Roms beginnt. Denn während die Wirtschaft im Norden auf Spitzenniveau liegt, setzen selbst UNO-Organsiationen Süditalien mit einem Entwicklungsland gleich. Dass nicht zuletzt die Schattenwirtschaft der Mafia dafür verantwortlich zeichnet, ist klar. Doch es verglühen auch Chancen. Wurden im Norden beispielsweise in den früheren Sumpfgebieten der Toskana und an der Adria Touristenzentren aus dem Boden gestampft, die von Ostern bis tief in den Herbst funktionieren, herrscht an den viel schöneren Küsten des Südens nur im Juli und August nennenswerter Badebetrieb. Mangelnde Initiative oder Hoffnungslosigkeit? Wer im Land lebt, hat den Eindruck, als hätten die Regierenden in Rom und Wirtschaftsmächtigen in Mailand den Süden aufgegeben.Eva Breutel

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