Odenwald / Kraichgau (Archivversion)

Touren-Tipps; Tour 1: Nibelungen-Race

Drei Strecken in Odenwald und Kraichgau, einem wenig bekannten Motorradrevier im wilden Süden. Dabei bieten Wege, Orte und Landschaften echte Highlights. Hier unsere Tipps.

Das kleine Mittelgebirge zwischen Main und Neckar bietet Motorradfahrern genau die Kragenweite, um sich ein Wochenende lang richtig zu vergnügen. Der von vielen Flusstälern zerklüftete Buntsandsteinstock birgt eine Vielzahl kleinster Sträßchen, die in prächtigen Kurven über die waldigen Bergketten wirbeln. Auch wenn der Katzenbuckel als höchste Erhebung kaum 600 Meter überschreitet, sorgen die mitunter steilen Taleinschnitte für fahrerische Dramatik. Überproportional viele Burgen und toll restaurierte mittelalterliche Altstädte geben der Region eine außerordentliche Vielfalt. Nicht zuletzt deswegen wurde Heidelberg als Basisquartier gewählt, von wo aus sich die Routen in drei Himmelsrichtungen ausbreiten. Die erste klettert wenige Kilometer östlich der Stadt nach Norden hoch in die Berge. Bei Wilhelmsfeld werden erste Aussichtslagen erreicht, in Heiligkreuzsteinach die erste Schikane. Nachdem der Ausstieg rechts ins winzige, wunderschöne Eiterbachtal gefunden ist, steigert sich die Spannung nochmals, wenn nach der halben Wegstrecke eine kleine, kurvige Schotterpassage bis Siedelsbrunn ansteht (Achtung: von Samstag 14.00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen gesperrt, dann westlich über Absteinach umfahren). Wenig später stehen Richtung Mörlenbach/Heppenheim zwei schöne Parallelrouten zur Wahl, wobei die nördliche für Motorradfahrer im selben Zeitrahmen gesperrt ist wie der Schotterweg. Tipp für Heppenheim: Das Motorrad direkt unterhalb der Kirche an der Einfallstraße parken und drei Minuten zum mittelalterlichen Marktplatz mit einladenden Straßenrestaurants hinauf-laufen. Ansonsten bis Bensheim der B 3 folgen und von dort der herrlichen Nibe-lungenstraße nach Michelstadt/Erbach. Hier wird der Historic-Stopp nun wirklich unausweichlich, zumal Erbachs alter Marktplatz sogar mit einem gezielten Rechtsabbieger (gegenüber der Volksbank und 200 Meter später dann links) angefahren werden kann. Anschließend kurz der B 45 folgen und in Beerfelden Richtung Rothenberg einem Kurven-sträßchen nach Hirschhorn (tolle Burg samt Hotel/Restaurant mit Mega-Aussicht). Von dort entweder am Neckar zurück nach Heidelberg cruisen oder noch einen Schlenker über Wald-Michelbach und das Sensenbachtal einbauen, bevor es bei Eberbach auf die Neckar-zielgerade in die alte Metropole geht.
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Infos Tour 1 (Archivversion)

Basisquartier
Ausgangspunkt aller drei Routen ist Heidelberg. Das nicht nur eine üppige Hotelauswahl, sondern in der Altstadt auch eine tolle Kneipenszene für das Feierabendbier bietet. Wer es etwas geruhsamer mag, kann wenige Kilometer westlich auf der Burg Hirschhorn stilvoll unterkommen. Die Restaurantterrasse mit Mega-Aussicht ist auch für Pausenstopps ideal.

Übernachten
Das breit gefächerte Angebot in Heidelberg lässt sich sinnvollerweise mittels Onlineportalen wie www.hotel.de durchforsten. Uns gefiel das »Hotel am Rathaus« sehr gut, Heiliggeiststraße 1, 69117 Heidelberg (DZ ab 80 Euro), Telefon 06221/14730. Alternativ: Hotel Schloß Hirschorn, 69434 Hirschhorn, Telefon 06272/ 92090, Internet: www.schlosshotel-hirschhorn.de. EZ ab 82 Euro, DZ ab 105 Euro.

Lesestoff
In der Motorrad-Regionalführer-Reihe des Motorbuch Verlages ist kürzlich der Band Odenwald/Spessart mit sieben Tagestouren für 16,90 Euro erschienen. Wie immer gut geeignet sind die Generalkarten, Blatt 15/16, die selbst die kleinsten Wege und Pisten zeigen.

Sperrungen von Strecken gibt es gottlob kaum noch. Nur ein paar besonders einschlägige Passagen, wie zwischen Wald-Michelbach und Mörlenbach oder die erwähnte Schotterpassage am Eiterbach sind Samstagsnachmittags und an Sonn- und Feiertagen gesperrt. Infos allgemein zu Sperrungen: www.bvdm.de.

Pausentipp
Schön und typisch sind auf diesen drei Touren die Burgen und mittelaltlichen Altstädte. Bei Tour 1 vor allem Heppenheim und Erbach sowie die Burgen Auerbach und Hirschhorn.

Tour 2 (Archivversion) - Tour 2: Staubiger Osten

Die längste der drei Touren startet ebenfalls am Neckar, folgt diesem in östlicher Richtung auf der ebenso schön wie perfekt zu fahrenden Bundesstraße 37/27, an deren umliegenden Hängen Burg an Burg prangt – bis zur Jagst-Mündung nahe bei Bad Wimpfen. Hier wird das Tempo langsamer und die Kurvenradien im selben Maß enger wie das Tal. Jagst-Begeisterte fahren bis zum Kloster Schöntal, alle anderen in Widdern links und über einen extrem steilen Über-gang ins benachbarte Kessachtal. Von dort geht es ähnlich zerklüftet weiter nach Adelsheim und Osterburken. Wo sich übrigens immer wieder ungesperrte Feldwege für kleine (rücksichtsvolle!) Schotter-Abstecher anbieten. Dann beginnt historisches Terrain, die Route folgt ein kurzes Stück dem Limes und streift dabei in schnellen, weiten Kurven die westlichen Ausläufer der Hohenloher Ebene. Bevor sie bei Hettingen links nach Buchen abzweigt und dort – in der Stadt-mitte Richtung Hettigenbeuern halten – ins hübsche Morretal biegt. Aufgrund einer Sperrung in Zittenfelden heißt es in Hettigenbeuern mittels mehrerer enger Serpentinen eine satte 22-Prozent-Stei-gung nach Hornbach hinaufzuklettern und auf einer winzigen Holperstrecke nach Schneeberg und Armorbach weiterzu-kurven. Dort ist der knifflige Teil gepackt, und das Genussrevier der Siegfriedstraße beginnt. Eine prächtige Motorradstrecke und trotz streckenweise rigider Tempo-limits unbedingt lohnenswert. 20 hoch-attraktive Kilometer weiter liegt in Kailbach am Scheitelpunkt der Strecke ein lebhafter Motorradtreffpunkt, der in unterschiedlicher Regie seit Jahrzehnten die Biker sammelt. Dahinter wird die Straße enger, fädelt sich hinauf zum Reußenkreuz – gastronomische Alternative für alle, die keine großen Treffpunkte mögen (wie auch der »Prinz Ernst« im Ernsttal, eine alte Sandsteinmühle rund zehn Kilometer vor Kailbach). Wer der Siegfriedstraße weiter folgen möchte, hält sich auf der wenig später kreuzenden B 45 zwei Kilo-meter rechts bis Marbach und fährt dort links in Richtung Fürth und Heppenheim. Die Strecke bleibt genussvoll, wird aber offener, schneller und weniger tempo-limitiert. Ab Heppenheim (siehe auch Tour 1) kann man je nach Laune entlang der Bergstraße – viel befahrene B 3 – nach Heidelberg cruisen oder sich in Weinheim noch mal in die Berge schlagen und über das Gorxheimertal zurückkurven.

Infos Tour 2 (Archivversion)

Region
Die östlichen Ausläufer des Odenwalds erfordern zwar eine weitere Anreise, bieten aber neue landschaftliche Eindrücke, da die Route hier ein Stück Hohenloher Ebene streift. Dank extrem dünner Besiedelung finden sich dort oft über-raschende, auch auf Top-Karten kaum erkennbare Verbindungen. Darunter auch manches legale Schotterstück.

Schwierigkeit
Diese Route enthält einige Passagen mit alpinem Schwierigkeitsgrad. So werden zwischen Buchen und Amorbach satte 22 Steigungsprozente mittels mehrerer scharfer Serpentinen überwunden (die »weiße« Verbindung zwischen Hettigenbeuren, Hornbach und Schneeberg). Für Könner toll, für Anfänger eventuell stressig. In diesem Fall die Passage ab Buchen über Walldürn oder Mudau bis Amorbach umfahren.

Bikertreff
In Kailbach liegt direkt an der Siegfriedstraße das Motor Café »Hill up«: Es ist von März bis Oktober jeweils Freitag bis Sonntag geöffnet, November und Februar nur an Sonn- und Feiertagen, Dezember/Januar ist zu. Telefon 06272/1261.
Enduro Wer gerne mal einen kleinen Schotterausritt unternimmt, entdeckt auf dieser Tour viele Möglichkeiten.

Sehenswert
Die Eberstädter Tropfsteinhöhle zwischen Osterburken und Buchen (ausgeschildert). Spuren des Limes können dort ebenfalls erkundet werden.

Pausentipps
Kurz vor beziehungsweise nach dem Motor Café liegen im Ernsttal die alte Mühle »Prinz Ernst« und die Gaststätte »Reußenkreuz«. Außerdem sind die Pausentipps von Tour 1 (Hirschhorn und Erbach) nahe.

Tour 3 (Archivversion) - Tour 3: Weinroute

Die dritte Tour verlässt den nun fast komplett erkundeten Odenwald und damit auch das Neckartal gen Süden. Schiffsfreunde können bei Neckarhausen mit einer kleinen Fähre den Fluss überqueren, alle anderen fahren die Neckarschleife bei Hirschhorn (vor dem Tunnel links in den Ort abbiegen), genießen die Phalanx von Burgen an den steilen Sandsteinfelsen und überqueren dann in Eberbach per Brücke das Wasser. Dort beginnt der südlich angrenzende, sogenannte Kleine Odenwald, der nördlichste Zipfel des Kraichgaus. Ein paar Kehren führen aus dem Ort hinaus, und auf kleinsten, aber unkompliziert und schnell zu fahrenden Verbindungs-sträßchen geht‘s Richtung Meckesheim und Angelbachtal. Dort kann entweder jetzt oder am Schluss der Runde ein Abstecher nach Sinsheim ins dortige Technikmuseum (direkt an der A 6) eingeplant werden. Andernfalls weiter Richtung Südwesten halten und durch das beschauliche Angelbachtal nach Eppingen cruisen. Hinter dem lebhaften Ort beginnen bei Kleingartach, Haberschlacht und Zaberfeld die berühmten Weinbaugebiete des Kraichgaus. Die Landschaft ist deutlich offener als im Odenwald, die Strecken locken eher mit schnellen Kurvenkombinationen, da hier die beachtlicher Höhenunterschiede durch die steilen, engen Täler fehlen. Stattdessen locken Sehenswürdigkeiten wie Kloster Maulbronn, das Haupt-etappenziel dieser Tour. Eine mächtige, mittelalterliche Gebäudeanlage, in deren geräumigem Innenhof gleich mehrere Restaurants und Biergärten eine stimmungsvolle Atmosphäre bieten. Von diesem äußersten Punkt der Tour geht es über Häfner-Haslach, Ochsenbach (rühmte sich einst, schönster Ort Baden- Württembergs zu sein) nach Westen. Deutlich markanter und ein echter Event ist das alte Fachwerkstädten Besigheim, das wenig später zu einem kleinen Schlenker verführen könnte. Und ebenfalls viele Möglichkeiten für einen (auch gastronomischen) Stopp liefert. Von hier führt die Route über Gügglingen, Gemmingen und Sinsheim entweder direkt nach Heidelberg, ins Technik-Museum – oder über die umliegenden Autobahnen A 5, A 6 oder A 81 auf den Heimweg.

Infos Tour 3 (Archivversion)

Region
Statt Wald, roten Sandsteinfelsen und tief eingeschnittenen Flusstälern dominieren südlich des Neckars eher flachere Höhenzüge und vor allem ausgeprägte Weinbaureviere. Hier gedeihen berühmte Sorten wie Haberschlachter und Heuchelberger. Fahrerisch bildet die Tour eine spannende Abrundung. Die Strecken werden schneller, die Kurvenradien weiter, und mancher »Wengertweg« eröffnet komplett neue Perspektiven.

Sehenswert
Auf alle Fälle das Auto & Technik Museum Sinsheim. Wer hat nicht schon von der A 6 die Überschall-Concorde bewundert? Jetzt ist die Gelegenheit, die Route führt direkt vorbei. Das Museum zeigt über 3000 rollende und fliegende Exponate auf 30000 m2 Hallenfläche plus Freigelände, darunter 200 Motorräder. Telefon 07261/ 9299-0, Internet: www.technik-museum.de. Täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Pausentipp
Die Biergärten im Kloster Maulbronn, Restaurants im Museum Sinsheim sowie die Straßenlokale in der Altstadt von Besigheim. Achtung: ins Zentrum fahren, dort die Hauptstraße verlassen, um den alten Kern zu erreichen.
ÜbernachtenTipp als südliche Dependance: Klosterhotel Post (Doppelzimmer ab 89 Euro), Maulbronn, direkt vor der Klosterzufahrt. Telefon 07043/1080.

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