Osteuropa: Von Polen bis nach Griechenland (Archivversion)

Frankreich, Italien oder
Spanien stehen hoch im Kurs, wenn’s in den Urlaub geht. Aus gutem Grund. Man weiß eben, was einen erwartet – im Positiven wie im Negativen. Osteuropa ist dagegen die große Unbekannte. Und Geschichten mafiöser Zustände am Straßenrand halten sich hartnäckig. Dabei ist der
Osten besser als sein Ruf. Viel besser, wenn man bereit ist, ein wenig zu improvisieren. Wer jetzt dorthin reist, wird einen ungemein interessanten Teil Europas entdecken.

UnterkünfteReiseinfos über Osteuropa lassen sich nur schwer verallgemeinern, da sich die einzelnen Länder nicht nur landschaftlich, sondern besonders in Sachen Infrastruktur stark unterscheiden. Grundsätzlich verfügen Polen, die Tschechische und Slowakische Republik sowie Ungarn über einen annähernd »westlichen« Standard. Allenfalls in sehr abgelegenen Regionen kann die Versorgungslage – wie in Südeuropa – ein wenig dürftiger sein. Wer dagegen nach Rumänien oder Bulgarien reist, sollte sich darauf einstellen, dass trotz einer immer besser werdenden Infrastruktur die Suche nach einer Unterkunft schon mal etwas länger dauern kann. In einem einfachen Zimmer in einer Privatpension, die sich fast überall finden lässt, schläft man ab zehn Euro. Für eine Hotelübernachtung in einer Großstadt oder an touristisch interessanten Orten muss ab 35 Euro gerechnet werden. Zelt und Schlafsack sorgen für mehr Unab-hängigkeit – Campingplätze werden besonders in den Karpaten immer zahlreicher.Problemlose EinreiseEin mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepass, der Kfz-Schein und eine grüne Versicherungskarte für das Fahrzeug genügen für die im Text erwähnten Länder. An den Grenzen muss mit Wartezeiten gerechnet werden; Motorradfahrer werden aber sehr zuvorkommend behandelt. Für Russland oder die Ukraine benötigt man ein Visum, das mehrere Wochen vorher beantragt werden muss: Konsularabteilung der ukrainischen Botschaft, Telefon 030/288870, www.botschaft-ukraine.de; Russische Botschaft, Telefon 030/2291129, www.russische-botschaft.de. Inzwischen lässt es sich mit einigen Einschränkungen nach Mazedonien (siehe www.auswaertigesamt.de) sowie Albanien reisen. Eine An- oder Rückreise über den Balkan via Kroatien ist also nicht mehr ausgeschlossen.Keine Angst! Hartnäckig halten sich Vorurteile – vom Fahrzeugklau über organisierte Räuberbanden bis zum gemeinen Trickbetrüger. Fakt ist: Wer seine Wertsachen nicht offen liegen lässt und sein Fahrzeug stets auf einem bewachten Parkplatz oder in der Hotelgarage abstellt, wird ziemlich sicher keine Probleme haben. Zudem gelten Motorräder nicht als bevorzugtes Diebesgut. Eine größere Vorsicht gilt – wie überall – in Großstädten und auf den stark befahrenen Transitstrecken. Nachts sollte man wegen unbeleuchteter Baustellen oder Fuhrwerke nicht unterwegs sein. Generell können alle Länder mit jedem Straßenmotor-rad bereist werden. Eine Reichweite von etwa 200 Kilo-metern genügt. Bleifreies Benzin gibt es an allen größeren Tankstellen. Das komplette Bordwerkzeug, Reifenflickzeug, Bowdenzüge, Kettenspray sowie Kupplungs- und Bremshebel mitnehmen. Keine EuroländerDer größte Nerv bei Reisen durch Osteuropa ist die Geldwechselei. Generell gilt: Niemals schwarz tauschen, sondern die amtlichen Wechselstuben an den jeweiligen Grenzen anpeilen. Weiter tauschen Hotels und Banken Euros um. Mit der EC-Karte kann an in jeder Stadt Geld an Automaten abgehoben werden. Kreditkarten werden von größeren Hotels und Geschäften akzeptiert. Tipp: Alles Geld aus Land A ausgeben, bevor man in Land B einreist, weil man es entweder nicht ausführen darf (Polen, Bulgarien) oder es sich nicht tauschen lässt (Bulgarien akzeptiert keine rumänischen Leu). Über aktuelle Wechselkurse informieren größere Tageszeitungen, die meisten Banken oder unter www.waehrungsrechner.de schauen. In Gruppen reisen»Roberts Motorradreisen« (Telefon 0511/876050; www.roberts-motorradreisen.de) bietet geführte Touren durch viele Teile Polens, durch das Baltikum und nach Rumänien an. »Hit-Motorradreisen« (Telefon 0911/2878505; www.hit-mr.de) hat sich auf Tschechien und die Slowakei spezialisiert. Offroad-Fans wenden sich an den ehemaligen Dakar-Piloten Michael Griep, der durch Ungarn führt (Telefon 0711/6209493; www.roadbooktouren.de). Ebenfalls ein Tipp für Geländefreaks: die Enduromania, eine Offroad-Sternfahrt durch die rumänischen Karpaten. Infos unter Telefon 069/6702652; www.enduromania.de. Gut informiertHandlich und zudem recht informativ sind die jeweiligen etwa 130 Seiten starken Marco-Polo-Führer für je 7,95 Euro (www.marcopolo.de). Deutlich mehr Infos liefern die entsprechenden »dicken« Ausgaben von Reise-Know-How (www.reise-know-how.de). Der Osteuropa-Band aus der Edition Unterwegs macht, obwohl nicht mehr ganz aktuell (Stand 2000), mit sieben Motorrad-Reisegeschichten viel Lust auf diese Region; 16 Euro (www.motorbuch-versand.de). Beim Auswärtigen Amt erfährt man unter www.auswaertigesamt.de alles über Einreisebstimmungen sowie eventuelle Reisewarnungen. Wer von Griechenland per Fähre zurückreisen möchte, muss für eine Person plus Motorrad für eine einfache Passage bis Venedig ab etwa 160 Euro rechnen. Buchungen sind in jedem Reisebüro oder beispielweise bei DERTRAFFIC unter Telefon 069/95885800 möglich. Im Internet informieren www.ocean24.de oder www.ferriesonline.com über nahezu jede europäische Fährverbindung.Die Shell Eurokarten aus dem Hause Marco Polo decken die Länder Osteuropas im Maßstab 1:750000 ab. Für je 7,50 Euro. Von Freytag & Berndt kommt »Balkan/Südosteuropa« im Maßstab von 1:2000000 für 9,80 Euro. Für eine Reise durch Rumänien und Bulgarien empfiehlt sich die gleichnamige Travelmag-Karte im Maßstab von 1:800000 für 7,50 Euro.

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