Perfekt fahren mit MOTORRAD Teil 4: Fahren mit Gepäck (Archivversion) FAHREN AUF SCHOTTER

Abenteuerlustige Reiter treiben ihre Straßenmaschinen gerne über Schotterpisten.

Es muss ja nicht gleich eine Sonderprüfung der Six-Days bewältigt werden, doch für gestandene Abenteurer ist die Offroad-Einlage kein Hindernis, sondern das Salz in der Suppe.
Wer sich mit einer Straßenmaschine auf eine längere Schotterpassage einlässt, sollte den Luftdruck in den Reifen auf 1,6 bar vorn und 1,8 bar hinten senken. Diese Maßnahme verbessert die Eigendämpfung der Reifen und reduziert ein unkontrolliertes Springen und Versetzen der Räder beim Überfahren grober Schottersteine. Achtung: Auf Asphalt bei nächster Gelegenheit den Reifendruck wieder erhöhen.
Fahrtechnik auf Schotter: Im Irrgarten von
grobem Schotter und tiefen Bodenwellen ist
die konzentrierte Blickführung die grundlegende Voraussetzung, um heikle Passagen sicher zu um-
schiffen. Der richtet sich wie auf der Straße nicht direkt vors Vorderrad, sondern zehn, zwanzig Meter voraus, um rechtzeitig die ideale Spur anzusteuern.
Sollte es dennoch zum Stillstand und die Fuhre
aus dem Gleichgewicht kommen, den Sturz immer bergwärts einleiten, nie Richtung Abgrund. Ein Reflex, der sich antrainieren lässt.
Hilfreich im Gelände: Fahren im Stehen. In dieser Position hat man nicht nur den besseren Überblick über die kommenden Schlüsselstellen, sondern
findet auch eine gute Balance, um Spurrillen oder schräg abfallende Offroad-Sektionen sicher zu durchqueren. Bodenwellen und harte Kanten lassen sich durch Abfedern in den Knien weicher und ohne aufzusetzen überqueren.
Speziell bei steilen Bergab-Passagen ist es nötig, Vorder- und Hinterradbremse einzusetzen. Ist das Motorrad mit Passagier besetzt, kann zwar mit der Hinterradbremse gut verzögert werden, trotzdem muss bei steilen Abfahrten auch die vordere Bremse herhalten. Die Blockiergrenze auf Schotter wird akustisch deutlich angemahnt: Vorder- und Hinterradreifen mahlen vor dem Blockieren laut und vernehmlich.
Bei allen Brems- und Fahrmanövern sollten
beide Füße auf den Fußrasten bleiben und die Maschine über einen festen Knieschluss stabi-lisiert werden. Mitfußeln ist nur in Notfällen
und bei geringer Geschwindigkeit ratsam. Die Verletzungsgefahr von Ober- und Unterschenkel
ist insbesondere mit Koffern recht groß.
Kurvenfahren auf Schotter ist kein Hexenwerk. Rechtzeitig vor dem Einlenken Vorderradbremse lösen und sanft einlenken. Das Motorrad wird über den kurvenäußeren Oberschenkel mit kräf-
tigem Kontakt am Tank und einer nach vorn
orientierten Körperhaltung in die Kurven gelenkt. Die Körperspannung wird über den gesamten Radius gehalten, womit man auch verhindert, dass die Maschine beim Beschleunigen auf
einen unerwünscht großen Radius ausweicht. Alle Kurvenfahrten werden durch den Enduro-typischen Fahrstil »Drücken« unterstützt (siehe Serie Teil 2, Kurvenfahren).
In unbekanntem Gelände gilt: Der Bremsweg darf nie länger als die einsehbare Strecke sein, da man selbst im abgelegensten Winkel mit zackig daherbrummenden Geländewagen und unvermittelt auftauchenden Straßen-
abbrüchen oder geschlossenen Schranken
zu rechnen hat.

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