Ratgeber: Transport Motorräder transportieren

Nicht zuletzt dem Boom bei den Vans ist zu verdanken, dass die Möglichkeiten zum Transport von Motorrädern heutevielfältiger sind denn je. Für den sicheren Huckepack-Transport der Maschine gilt es jedoch einiges zu beachten.

Foto: Bilski
Ordentlich verzurren und dann geht's los ...
Ordentlich verzurren und dann geht's los ...
Nicht immer ist der Weg das Ziel. So zum Beispiel bei sehr großen Entfernungen zum anvisierten Feriendomizil. Mancher Biker zieht der langweiligen und reifenmordenden Autobahnbolzerei den Transport der Maschine vor, um sich am Urlaubsort mit frischen Schlappen ins Kurvengeschlängel zu stürzen.
Wenn der Autoreisezug ebenso wenig in Frage kommt wie die Schleichfahrt mit Anhänger, bleibt nur das vierrädrige Transportmittel. Die Auswahl ist mittlerweile riesig, vom einfach ausgestatteten Kastenwagen bis zum luxuriösen Großraum-Van ist alles vertreten. MOTORRAD stellt auf den folgenden Seiten geeignete Fahrzeugkonzepte vor und gibt Tipps zum richtigen Beladen, damit Bike und Biker heil ans Ziel kommen.
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Transportfahrzeuge

Wer regelmäßig sein Motorrad zur Cross- oder Rennstrecke kutschiert, fährt mit
einem einfachen Kastenwagen zweifellos am besten. Dank des von der Fahrerkabine abgetrennten Laderaums wird der Chauffeur von den auf Dauer gesundheitsschädlichen Benzindämpfen verschont. Außerdem lässt sich der unverkleidete Laderaum leicht reinigen und nach individuellen Vorstellungen mit zusätzlichen Zurrösen oder Werkstatteinrichtungen ausstatten. Ein weiterer Vorteil dieser Kastenwagen sind die günstigeren Steuertarife (»Lkw-Steuer«) sowie die deutlich niedrigeren Preise im Vergleich zu den Zivilversionen mit Teppichauskleidung und zusätzlichen Sitzbänken. Darüber hinaus sind im Vergleich zu den Pkw beim Kauf eines Kastenwagens deutlich höhere Preisnachlässe bis über 25 Prozent möglich. Die meisten Motorradfahrer müssen bei der Auswahl ihres vierrädrigen Fahrzeugs jedoch Kompromisse eingehen. Was zählt, ist in erster Linie der Transport von Familie, Einkauf und Urlaubsgepäck. Dank des Booms bei den Vans gibt es mittlerweile jedoch viele Fahrzeuge, die sowohl den Ansprüchen des Familienalltags gerecht werden, als auch die sporadische Mitnahme des Bikes erlauben.

Theoretisch jedenfalls. In der Praxis erweist sich der Motorradtransport jedoch oftmals als schwieriges oder gar unmögliches Unterfangen, obwohl die Prospektdaten ausreichenden Laderaum versprechen. Zusammen mit dem Fernseh-Team von n-tv Motor verglich MOTORRAD beispielhaft fünf Modelle in puncto Motorradtransport-Tauglichkeit.

Neben einem Citroën Jumpy Kombi mit sieben Sitzen (ab 22098 Euro) standen ein Mercedes Vaneo 1.9 Trend (ab 22063 Euro), der Mercedes Viano 220 CDI Trend in der langen Ausführung (ab 29550 Euro), ein VW Multivan Trendline 2.5 TDI (ab 39292 Euro) sowie ein Pick-up der Mazda-B-Serie mit Langkabine (ab 22950 Euro) zur Auswahl.

Letzterer bot zwar genügend Verzurrmöglichkeiten, eignet sich aber wegen der enorm hoch angebrachten, recht kurzen Ladefläche nur für leichtgewichtige Crosser, die sich problemlos diagonal verzurren lassen. Ebenfalls problemlos fand der Suzuki-Crosser im kompakten Vaneo Platz, nachdem die Gabel mit Gurten in die Federung gezogen wurde. Wesentlich mühevoller gestaltete sich hingegen der Transport im Citroën Jumpy, der mangels Zurrösen sowie der fehlenden linken Schiebetür akrobatische Verrenkungen beim Verzurren erforderte. Als wahre Lademeister erwiesen sich demgegenüber der VW T 5 Multivan und der Mercedes Viano, in denen sich selbst lange Chopper ohne Schwierigkeiten sicher verstauen lassen.

Wenn ein Van ab und an zum Motorradtransport gebraucht wird, sollte man also lieber eine Nummer größer wählen und darauf achten, dass dieser mindestens über vier stabile Zurrösen vorn und hinten verfügt, sich die hinteren Sitze rasch ausbauen lassen und beidseitig Schiebetüren vorhanden sind.
Foto: Archiv
Suzuki- und Yamaha-Händler Wilfried Beinert
Suzuki- und Yamaha-Händler Wilfried Beinert

Interview mit Wilfried Beinert

Suzuki- und Yamaha-Händler Wilfried Beinert hat sich auf den Vertrieb von Zubehör für den Transport von Motorrädern spezialisiert. Den kostenlosen Transportzubehör-Katalog gibt es unter Telefon 05241/92360 (Internet: www.beinert-online.de).


Was sind die häufigsten Fehler beim Transport eines Motorrads in einem Auto?

Der entscheidende Fehler ist das Unterschätzen der Gefahr, die bei einem Unfall von einem nicht ordentlich verspannten Motorrad ausgeht. Dass dabei enorme Kräfte auf den Fahrer und die vorn sitzenden Passagiere einwirken, die zu schweren Verletzungen oder gar zum Tod führen können, dürfte zumindest jenen nicht bewusst sein, die ihr Motorrad mit ungeeigneten Stricken oder gar beschädigten Spanngurten befestigen. Weitere Fehler sind Transportversuche mit auf Haupt- oder Seitenständer ruhender Maschine.

Worauf sollte man beim Verzurren seiner Maschine besonders achten?

Am wichtigsten ist, dass das Vorderrad vorn fest anliegt und seitlich gegen Wegrutschen gesichert ist. Das Motorrad sollte möglichst gewichtsneutral, also in der Mitte des Transporters stehend, mit vier geeigneten Spanngurten seitlich nach unten verzurrt werden.

Welche Vorteile bieten Ihre Produkte für den Motorradtransport?

In unsere Produkte fließen die Erfahrungen aus Rennsport und über 30 Jahren Werkstatttätigkeit ein. Dabei stehen die Sicherheit für Fahrer und Beifahrer sowie der schadenfreie Transport des Motorrads im Vordergrund. Wichtig ist
uns außerdem die schnelle und problemlose Ein-Mann-Bedienung beim Verspannen.

Sichern und Verzurren

Das Motorrad mittig im Laderaum platzieren, um das Fahrverhalten des Automobils nicht durch eine ungleichmäßige Gewichtsverteilung zu beeinträchtigen. Im Gegensatz zu Transportern mit fester Trennwand zwischen Fahrerkabine und Laderaum fehlen bei Großraum-Vans zwischen den Sitzen oftmals stabile Widerlager für das Vorderrad.

Ein Motorrad lässt sich jedoch nur dann sicher befestigen, wenn das Vorderrad beim Verzurren nicht mehr nach vorn rollen kann. Notfalls kann man sich mit einem Brett behelfen, das an den Sitzkonsolen Halt findet. Besser, sicherer und auch praktischer ist jedoch die Vorderradbefestigung mit einem robusten Halteständer (von Beinert, siehe Interview; ab 68 Euro zuzüglich individueller Grundplatte), der das Rad zudem seitlich führt und sich dank Schnellverschluss bei Nichtgebrauch rasch entfernen lässt.

Wer ohne Helfer auskommen muss, platziert das Vorderrad in der Vorderradhalterung und stellt die Maschine zunächst auf dem Seitenständer ab. Clevere Transporteure befestigen bereits vor dem Einladen ausreichend lange und vor allem geeignete Spanngurte (am besten ohne Ratschenmechanismus!) an den zumeist serienmäßig vorhandenen Halteösen und legen die Enden auf den Sitzen ab.

Praktisch bei verkleideten Motorrädern ist die Befestigungsmöglichkeit mit Hilfe des Canyon Dancers von Beinert (44 Euro). Dieser besteht aus zwei stabilen Schlaufen, die über einen Haltegurt miteinander verbunden sind. Die beiden Schlaufen werden einfach links und rechts über die Lenkergriffe geschoben. Anschließend die bereitliegenden Haltegurte an den beiden Ösen des Canyon Dancers befestigen.

Da das Bike noch auf dem Seitenständer steht, auf der linken Seite beginnen und den Gurt nur so weit anziehen, bis er nicht mehr durchhängt. Danach den rechten Haltegurt am Canyon Dancer fixieren und den Gurt so weit anziehen, bis sich das Motorrad aufrichtet. Es steht nun sicher, der Seitenständer kann eingeklappt werden.

Anschließend das Motorrad durch wechselseitiges Anziehen der Haltegurte so ausrichten, dass es senkrecht steht. Je flacher der Verlauf der Haltegurte nach vorn sowie zur Seite ausfällt, desto stabiler ist der Stand. Wichtig: Die Haltegurte nicht so stark anziehen, dass die Gabel bis auf den hydraulischen Anschlag einfedert, weil dadurch die Dichtringe unnötig stark belastet werden! Abschließend noch das Heck links und rechts mit zwei weiteren Spanngurten wie abgebildet zur Seite und nach hinten absichern.

Bei Motorrädern mit gut zugänglicher unterer Gabelbrücke (Naked Bikes, Enduros, Cruiser) können dort problemlos zwei Gurte befestigt werden, Hilfsmittel wie der Canyon Dancer sind für diese Bikes zwar nützlich, aber nicht nötig.

Foto: Archiv
Alternative Heckträger für den Motorradtransport.
Alternative Heckträger für den Motorradtransport.

Alternative Heckträger

Wenn mehrere Personen mitfahren wollen oder der fein ausgekleidete Innenraum des Vans sauber bleiben soll, bieten sich Heckträger als interessante Transport-Alternative an. Nach der einmaligen und etwas aufwendigeren Montage der fahrzeugspezifischen Adaptersätze lässt sich beispielsweise der Cate-Hecklastenträger (Preis: ab 618 Euro; Breite: 1400 und 1750 Millimeter) innerhalb von zehn Minuten an- und abbauen.
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Wenn man die Gabel zusammenzieht, spart man bis zu 15 Zentimeter.
Wenn man die Gabel zusammenzieht, spart man bis zu 15 Zentimeter.

Tipps und Tricks zum Beladen

Je nach Fahrzeug darf der nicht eintragungspflichtige Cate-Träger mit bis zu 300 Kilogramm belastet werden (VW Bus/Mercedes Viano 250 Kilo), beim abgebildeten Ford Galaxy sind immerhin noch 150 Kilogramm erlaubt. Infos und Typenliste gibt es unter Telefon 0221/9565290 oder www.twinny-load.de.

 

Manchmal sind die Öffnungen der Transportfahrzeuge niedriger als der Laderaum. Falls das Motorrad mit abgeschraubten Spiegeln nicht durch die Ladelucke passt, muss dessen Höhe reduziert werden. Wenn die Differenz lediglich einige Zentimeter beträgt, genügt es oft, die Verschraubungen des Lenkers zu lösen und diesen nach unten zu drehen. Effektiver ist es, die Gabel mit Hilfe eines Zurrgurts, der an der Radachse sowie am Lenker oder der unteren Gabelbrücke befestigt wird, zusammenzuziehen. Je nach Bike gewinnt man so zwischen fünf und 15 Zentimeter.

Foto: Archiv
Mit Hilfe des Mini-Rads kommt man in jeden Transporter.
Mit Hilfe des Mini-Rads kommt man in jeden Transporter.

Ganz erheblich können Lenkerhöhe und auch die Länge des Bikes durch den behelfsmäßigen Einbau eines kleinen Vorderrads verringert werden. Nach der Montage des Schubkarren-Rads passt der Yamaha-Crosser beispielsweise problemlos in den kleinen Renault Rapid.

 

Eines vorab: Wer sich bereits beim Rangieren seiner Maschine nicht sicher fühlt, sollte zum Ein- und Ausladen auf jeden Fall einen kräftigen Helfer zur Seite haben. Ansonsten ist das Verladen des Motorrads in einen geeigneten Transporter kein Hexenwerk und mit etwas Übung problemlos allein zu bewältigen. Dabei kommt es gar nicht so sehr auf die Muskelkraft an, entscheidender sind vielmehr der richtige Schwung und viel Geschick. 

Einladen/Ausladen

Als Auffahrhilfe ist ein ausreichend langes und stabiles Brett – beispielsweise eine Bierbank – zwar durchaus geeignet, aber weniger geübte Transporteure laufen dabei Gefahr, dass das beim Schieben meist nicht zu sehende Vorderrad abrutscht und die Fuhre umkippt. Besser sind spezielle Rampen mit hochgezogenen Seitenwänden, die – insbesondere bei Regen – das Vorderrad sicher führen und mit ihrer breiten Auflagefläche für einen stabilen Halt am Fahrzeug sorgen.

Der Bewegungsablauf beim Verladen sollte nach Möglichkeit in einem Schwung erfolgen. Bei schweren Bikes ist deshalb ein ausreichend langer Anlauf einzukalkulieren, wobei die Maschine und somit deren Schwerpunkt immer zum Schiebenden am Lenker geneigt sein sollte. Dies gilt auch beim Verladen mit Helfer! Leichter Körperkontakt ist dabei gerade auf der Rampe sinnvoll, weil man auf diese Weise eine bessere Kontrolle über das Motorrad hat. Wichtig: immer zwei Finger griffbereit am Bremshebel belassen, falls man mal ins Stocken gerät).

Motorräder mit geringer Bodenfreiheit wie Cruiser oder Chopper erfordern unter Umständen eine längere Rampe. Durch den flacheren Anstellwinkel der Rampe wird ein Aufsetzen der Maschine beim Übergang in den Laderaum des Transporters vermieden. Bei sehr hohen Ladeflächen wie zum Beispiel bei diesem Pick-up wird neben einer langen Rampe ein zusätzlicher Hocker oder eine Trittleiter benötigt, um den Ladevorgang sicher und in einem Rutsch über die Bühne zu bringen.

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