Reisetipps Osteuropa (Archivversion)

Verlockender Osten

Baltische Ostseestrände statt spanischem Mittelmeer? Karpaten statt Pyrenäen? Krakau statt
Barcelona? Man sollte zumindest einmal darüber nachdenken – der Osten Europas ist besser als
sein Ruf. Viel besser!

Der EU-Erweiterung (der vollzogenen wie der geplanten) sei Dank, denn auf einmal bieten sich Länder im Osten Europas als Reiseziele an, in die sich viele bislang kaum getraut haben. Zu groß mag die Angst vor schikanösen Grenz- und Poli-zeibeamten gewesen sein, vor Überfällen am Straßenrand oder einfach vor dem
Unbekannten – gute Reiseführer waren
bis vor nicht allzu langer Zeit Mangelware, wenn der Trip woanders hingehen sollte als nach Prag oder in die Hohe Tatra.
Warum aber überhaupt in den Osten reisen? Und was ist mit Ländern wie Rumänien, der Ukraine oder Russland, die (noch) nicht zur EU gehören? Keine Frage, die Alpen sind nach wie vor Ziel Nummer eins, wenn Motorradfahrer den ultimativen Kurvenkick inmitten einer grandiosen Bergwelt suchen. Damit kann der Osten nicht konkurrieren. Auch Fjorde wie in Skandinavien sind nicht im Angebot. Landschaftlich so gewaltige Szenarien wird man zwischen Baltikum, Ural und der Halbinsel Krim allenfalls im Kaukasus finden.
Doch langsam spricht sich herum, warum der »nähere« Osten Europas dennoch ungemein attraktiv ist: die Ursprünglichkeit der rumänischen und ukrainischen Karpaten, die Stille im weltfremd erscheinenden Donaudelta, die schneeweißen, im Sommer überaus lebhaften Ostseestrände oder quirlige Metropolen wie Riga, Krakau und L’viv. Aufbruchstimmung allenthalben. Ob man allerdings gleich die Weite Russlands durchqueren muss, um jenseits des Urals in Irbit die Ural-Werke zu besuchen, sei dahingestellt. Vermutlich aber würden Motorradler, die sich schon mal so weit vorgewagt haben, jederzeit wieder dorthin aufbrechen. Trotz aller Unwägbarkeiten, trotz so mancher Nacht in schäbigen Hotelzimmern und trotz stinkender Lkw-Kolonen auf grottenschlechten Landstraßen. Und sei es nur wegen des Gefühls
im Kopf, so etwas wie ein Pionier zu sein.
Was übrigens dank einer inzwischen überaus guten Infrastruktur heute leichter fällt als noch vor wenigen Jahren. Das Tankstellennetz? Längst genügt eine Reichweite von rund 250 Kilometern. Geld? Gibt’s überall per EC-Karte. Unterkünfte? Wenn mal kein Hotel in der Nähe ist, findet sich garantiert ein Privatzimmer. Vielleicht muss man nur eine Weile länger danach suchen als im Süden Frankreichs. Wo man sein Fahrzeug übrigens genauso wenig unbewacht abstellen sollte wie in Jalta oder St. Petersburg.
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Osteuropa: Reisetipps (Archivversion)

Viel Ostsee- und Stadtflair, viel Natur plus eine überaus gute Infrastruktur im »nördlichen Osten«
Europas – perfekt für einen Einstieg in die ehemals Zweite Welt.

Osteuropa: Reisetipps (Archivversion)

Tschechien und die Slowakei haben den Sprung in die »Moderne« bereits gewagt, in Teilen Ungarns und in Rumänien scheint dagegen die Zeit stehen geblieben zu sein. Viel Neuland für Touristen.
Endlich zeigt der »Osten« ein Herz für Bergfans: Das verwunschen anmutende Riesengebirge an der polnisch-tschechischen Grenze, die senkrecht aufragende Hohe und die waldreiche Niedere Tatra der Slowakei, das kleine Bükk-Gebirge im Osten Ungarns sowie die über weite Teile noch relativ unberührten Karpaten Rumäniens überraschen mit grandiosen An- und Aussichten. Besonders der letztgenannte Gebirgszug lässt viel Raum für Entdeckungstouren – ein Tipp für Motorradfahrer, denen die Alpen zu bekannt, zu erschlossen und zu überlaufen sind. Nur einige Fahrstunden davon entfernt: das Donaudelta. Dort, wo die drei Arme des Flusses ins Schwarze Meer münden, ist ein in Europa einzigartiges Biotop (UNESCO-Biosphärenreservat) entstanden, das sich ausschließlich per Schiff oder Kanu erkunden lässt. Amazonas-Feeling garantiert! (MOTORRAD 12/2004). Den Weg bis dorthin versüßen Stopps in Städten wie Budweis (MOTORRAD 14/2004) oder Litomerice (beide in Tschechien), dem ungarischen Eger oder dem winzigen Sighisoara in den rumänischen Karpaten (MOTORRAD 23/2005). Prag gilt seit jeher als sehenswert.
Während Tschechien und die Slowakei über eine tendenziell sehr gute Infrastruktur verfügen, sieht die Sache bereits in den abgelegeneren Regionen Ungarns und erst recht in Rumänien (EU-Beitritt für 2007 geplant, keine Visumpflicht) anders aus. In einem der ärmsten Länder Europas stellt man sich vielerorts erst allmählich auf Touristen ein. Der »Osten« wartet also tatsächlich mit Regionen auf, in denen
es noch etwas zu entdecken gibt. Eine
davon ist Rumänien.
Weitere Informationen: Tschechische Zentrale für Tourismus, Telefon 030/ 2044770, www.czech-tourist.de;
Fremdenverkehrsamt Slowakei, Telefon 030/4294113, www.slowakische.de; Rumänisches Touristenamt, Telefon 030/ 2419041, www.rumaenien-tourismus.de; Ungarn-Tourismus, Telefon 030/ 24314613 (Ost), 069/92884613 (West), www.ungarn-tourismus.de.
Literatur: »Tschechien«, Slowakei«,
»Ungarn« und »Rumänien« von Marco
Polo für je 7,90 Euro; »Das Riesengebirge entdecken« (13,95 Euro), »Die Slowakei entdecken« (13,95 Euro) sowie »Tschechien entdecken« (15,95 Euro), alle aus dem Trescher Verlag.
Motorradreisen: MOTORRAD action team (Slowakei), Telefon 0711/182-1977, www.motorradonline.de; Fischtours
(Rumänien, Tschechien, Slowakei), Telefon 0351/8628500, www.fischtours.de; Enduromania (Rumänien), Telefon 069/ 6702652, www.enduromania.de;
Hit Motorradreisen (Tschechien/Slowakei), Telefon 0911/2878505, www.hitmotorradreisen.de; Roberts Motorradreisen
(Rumänien), Telefon 0511/876050, www.roberts-motorradreisen.de; Road-
book Touren (Ungarn), Telefon 0711/ 6019314, www.roadbooktouren.de.

Osteuropa: Reisetipps (Archivversion)

Gastfreundschaft, die fast schon ihresgleichen sucht, spannende Küsten; und zwei Gebirge, die den Rand Europas markieren –
Besuch erwünscht! Trotz der gewaltigen Distanzen.
Zugegeben, es verlangt schon nach einer gehörigen Portion Sitzfleisch, die riesigen Entfernungen in der Ukraine oder in Russland zu überbrücken, um endlich am eigentlichen Ziel anzukommen. Zwischen den noch relativ unberührten ukrainischen Karpaten, die bis zum alpinen Kaukasus und dem Ural die einzig nennenswerte Erhebung markieren, passiert landschaftlich nicht viel. Eine weitere Ausnahme: die Halbinsel Krim, die von München allerdings stolze 3000 Kilometer entfernt liegt. Begegnungen am Straßenrand gehören in diesen Ländern plötzlich zu den Höhepunkten der Reise: Ukrainer wie Russen sind begeisterungsfähige
wie überaus freundliche Gastgeber. Andere Touristen zwischen Moskau und dem Ural-Gebirge? Fehlanzeige. Die trifft man erst in größeren Orten und Metropolen
wie Dombay im Kaukasus (Ski, Bergsteigen, Trekking), Odessa, Jalta und Soci
am Schwarzen Meer sowie im prächtigen
St. Petersburg. Das ukrainische L’viv
(MOTORRAD 25/2004) wird unter Stadt-, Kultur- und Szenefans bereits als das neue Prag gehandelt. Immer einfacher gehaltene Grenzformalitäten (kein Visum mehr für die Ukraine erforderlich) und
eine sich rasant verbessernde Infrastruktur stehen einer Motorradreise dorthin auf jeden Fall nicht mehr im Weg.
Weißrussland (»Belarus«, Visumpflicht) bietet dagegen wenig Sehenswertes.
Vieles in dem häufig als letzte Diktatur
Europas bezeichneten Land erinnert noch
an die Zustände in der einstigen Sowjetunion. Reisende in Richtung Russland
umfahren den »Polizeistaat« besser durch das Baltikum oder die Ukraine. Das winzige Moldawien (Visumpflicht) gilt aufgrund einer desolaten Wirtschaftlage und schikanöser Polizeikontrollen ebenfalls nicht
als empfehlenswertes Transitland, um den Weg zum Schwarzen Meer abzukürzen.
Weitere Informationen: Ukrainische
Botschaft, Telefon 030/28887220, www.botschaft-ukraine.de (derzeit keine Visumpflicht!); Botschaft der Republik Belarus, Telefon 030/53635932 (Visastelle), www.belarus-botschaft.de; Russisches Fremdenverkehrsamt, Telefon 0190/ 761655, www.russlandinfo.de; Russische Botschaft, Telefon 030/22651184,
www.russischebotschaft.de; Botschaft der Republik Moldau, Telefon 030/44652970, www.botschaft-moldau.de.
Literatur: »Ukraine« (15 Euro) sowie
»Russia & Belarus« (30,20 Euro) von
Lonely Planet (Preise vom Wechselkurs abhängig); »Die Ukraine entdecken« (19,95 Euro), »Weißrussland entdecken« (16,95 Euro) sowie »Die Krim entdecken« (14,95 Euro), alle aus dem Trescher Verlag.
Motorradreisen: Ural Motorcycles (Ural-Gebirge und Werksbesuch in Irbit), Telefon 0043/(0)732/245501, www.ural.cc;
Edelweiss (Ural-Gebirge), Telefon 0043/ (0)5264/5690, www.edelweissbike.com.

Osteuropa: Reisetipps (Archivversion) - Vom Osten begeistert:
Doris Wiedemann

Zwei mehrmonatige Reisen durch Osteuropa sowie Asien haben Doris Wiedemann (www.doriswiedemann.de) unter anderem bis Sibirien geführt. Ihre Tipps für »Ostanfänger«: Wer sich in Sachen Sicherheit an einige Regeln hält, muss sich kaum Sorgen machen. In Städten sollte das Motorrad ausschließlich auf bewachten (Hotel-)Parkplätzen, so genannten »Stajankas« abgestellt werden. Private Gastgeber bieten meist sofort die eigene Garage an. Abseits der Ballungszentren ist wildes Campen generell kein Problem, nur nicht in Sichtweite eines Dorfes oder einer Straße, denn dort sind Besuche (oft nur Schaulustige) garantiert. Für den Fall der Fälle: Kopien von allen Dokumenten bereit halten (in Papierform und als gescanntes Dokument im E-Postfach). Die russische Mafia interessiert sich – wie die italienische – nicht für Individualtouristen. Den häufigen Polizeikontrollen sollte man möglichst gelassen begegnen. Fragen nach dem Straßenzustand lenken in der Regel erfolgreich von der eigentlichen Kontrolle ab. Ein paar Brocken Russisch sind schnell während der langen Etappen gelernt, ein Wörterbuch sollte stets griffbereit sein. Mit dem kyrillischen Alphabet macht man sich am besten vor Antritt der Reise vertraut.

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