Reisevorbereitungen für Allround-Enduros

So packt sie’s

Wie aus einer normalsterblichen Suzuki DR 650 SE eine reiselustige Offroadlerin wird – und wie sie’s bleibt.

Es mag an Kleingeld, Beinlänge oder Showinteresse mangeln – Gründe, die gegen »All-inclusive-Enduros« sprechen, gibt es genug. Nur leider kaum noch Alternativen. Auch die DR ist nur noch gebraucht zu haben, in guter Verfassung für rund 5500 Mark. Freilich hat sie nicht das Zeug einer KTM Adventure oder so – kostet ja nicht mal die Hälfte. Das gesparte Geld reicht für Tuning samt Urlaub mit Alukoffern hintendran: beispielsweise Zega-Cases von Touratech. Volumen 35 oder 41 Liter, Paarpreis knapp 800 Mark. Kein Super-Sonderangebot, aber professionell gemacht: robust, dicht, diebstahlsicher (Anbausatz für Rohrgepäcktrager 160 Mark). Weitere 500 Mark sollten in einen nahezu »unkaputtbaren« Acerbis-Kunststofftank fließen. Wir hatten das 16-Liter-Exemplar montiert, Reichweite rund 300 Kilometer. Wer mehr braucht, findet bei DR-Spezialist Seifert ein 22-Liter-Fass. Wo man ferner Hand anlegen sollte...
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Hebel und Züge

Besonders anfällig im Pistendienst ist das Terrain der Lenkerarmaturen. So können Staub und Nässe selbst moderne Bowdenzüge rasch ruinieren. Schmieren mit Teflonspray hilft meist nur kurzfristig, angegriffenes Material sollte daher vor längeren Touren ersetzt werden. Vorsicht mit Billigzügen aus dem Zubehörhandel. Viel effizienter als die hinten offenen Handprotektoren schützen bei einem Sturz die Rundumbügel von Acerbis/Touratech. Ab 100 Mark zu haben, neuerdings auch mit Aluverstärkung.

Fahren und Werken

Ganz klar: Beim Fahrwerk liegt meist die Schwachstelle preisgünstiger Alltagsenduros. Was im Neuzustand noch halbwegs funktioniert, wird oft schon nach der ersten ernsthaften Tour mit Beladung labbrig, weich. Doch mit 260 Millimetern Federweg vorn wie hinten plus 21-Zoll-Bugrad bringt die DR 650 SE echtes Geländepotenzial mit, das sich per Fahrwerkskit (Federbein und Gabelfedern) für rund 1000 Mark ausbauen lässt. Wir waren mit einer serienmässigen und einer White-Power-bestückten DR unterwegs. Erstere war nach der Tour schlapp, Letztere blieb selbst auf übelstem Terrain auf der Höhe – kein Nachwippen, kein Durchschlagen.

Tankrucksack oder Kartentasche?

Tankrucksäcke sind bei Offroad-Reisen nicht unbedingt vorteilhaft. So fehlt es manchen Enduros an der nötigen Auflage, um die Teile bei Pistenschüttelei sicher zu halten. Oder die Toplader schränken die Beweglichkeit ein. Also unbedingt testen, ob und welche Tanktasche funktioniert. Und – ob sie überhaupt mit muss. Denn gerade beim Endurowandern bedeutet jedes eingesparte Gepäckstück ein spürbares Plus an Fahrspaß. Wir setzten aufs Weglassen, klickten nur eine große Touratech-Kartentasche an den Lenker (mit Befestigungsklett 53 Mark), die neben Routenmaterial auch brav Reiseführer, Handschuhe und was nicht alles trug.

Kette und Ritzel

Die meisten Allroundenduros sind zugunsten der Endgeschwindigkeit fürs Gelände zu lang übersetzt. Abhilfe schafft ein kleineres Ritzel, bei der Suzuki 14 statt 15 Zähne. In allen anderen Fällen weiß Kettenexperte Schüller Beischeid. So ein Ritzel lässt sich problemlos auch erst nach der Anreise austauschen. Vorsicht mit Alukettenrädern: für Touren gegen verschleißfestere Stahlkränze tauschen. Da der offene Endantrieb beim Pisten fegen einiges an Dreck wegstecken muss, bitte nicht nur brav schmieren, sondern zwischendurch die schmirgelnde Panade aus Fett und Staub mit Kettenreiniger runterschrubben.

Schutz und Blech

Viele Enduros tragen ihn serienmäßig, die DR 650 SE leider nicht. Stichwort: Motorschutz. Kann bei gröberem Felskontakt lebensrettend fürs Gehäuse sein. Gibt’s aus Alu, mit Werkzeugfach oder – ganz fein und leicht, doch nicht sonderlich reisetauglich – aus Karbon. Eine passende, massive DR-Aluwanne kommt für 220 Mark von CRD. Nur 19,90 Mark kostet der Lampenschutz von Götz, der allerdings die Bohrungsaufnahme gleich um mehrere Zentimeter verfehlte.

Wo gibt’s was?

Brunn Fahrzeugtechnik (Alu-Gepäckbrücken), 73734 Esslingen/N., Telefon 0711/3454226, Fax 34 56 522Büse MX-Import (Acerbis), 52159 Roetgen, Telefon 02471/12690, Fax 691, Internet www.buese.comGötz GmbH (Endurozubehör), 72406 Bisingen, Telefon 07476/933150, Fax 0800/6666639, Internet www.goetz-motorsport.deHepco & Becker (Koffer, Träger) 66989 Höhfröschen, Telefon 06334/9216-0, Fax –80, Internet www.hepco-becker.deKahedo (Gepäcktaschen, Sitzbänke), 72406 Bisingen, Telefon 07476/2305, Fax 391086MG-Sport, (CRD-Motorschutz, Tuning, Zubehör), 97353 Wiesentheid, Telefon 09383/9900-4, Fax –9, Internet www.MG-Sport.comMotorrad-Schüller (Ketten/Übersetzungen), 68649 Großrohrheim, Telefon 06245/3077, Fax 5287, Internet www.motorrad-schueller.deSeifert Offroad-Team (Suzuki DR 350/650-Spezialist), 89269 Vöhringen, Telefon 07306/2450, Fax 34612, Internet www.motorrad-seifert.deTouratech, (Koffer, Träger, Zubehör), Auf dem 78078 Niedereschach, Telefon 07728/9279-0, Fax –29, Internet www.touratech.deBernd Woick (Koffer, Zubehör), 70794 Filderstadt-Bernhausen, Telefon 0711/70967-00, Fax 70, internet www.woick.de

Sitzen oder so

Zu schmal, zu weich oder zu brett – die meisten Enduro-Sitzbänke taugen zum Reisen nicht. Zuverlässige Gegenmittel liefert die Firma Kahedo alias Karl-Heinz Dorn. Mittels eines hochwertigen Verbundschaumstoffs (»weiche Schale, harter Kern«), der per Hohlkehlenfräse bearbeitet wird, nehmen die Spezialisten aus Bisingen den Druck an den richtigen Stelle raus, korrigieren die Sitzhöhe auf Wunsch nach oben oder unten und beziehen das Ganze mit robustem Kunstleder, die Nähte sicherheitshalber von innen verschweißt. 250 bis 400 Mark kostet so eine Einzelanfertigung. Eine Investition in die Zukunft.

Was muss mit?

Gutes Werkzeug ist beim Offroadeln ein Muss, da doch einiges schief gehen kann. Mit dem meist billigen, unvollständigen Bordwerkzeug kommt man da nicht weiter. Ins Gepäck gehören Nüsse, stabile Schraubenschlüssel und –dreher, Montierhebel, Reifenflickzeug, Luftpumpe. Der Knipex-Zangenschlüssel mit verstellbarer Schlüsselweite ist optional, aber genial. Im Bild: eine (fast) komplette Offroad-Werkstatt.

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