Saarland:––––– (Archivversion)

Oskar-verdächtig

Auch wenn Lafontaine nicht mehr an der Saar regiert, eine Reise ist seine Heimat in jedem Fall wert.

»Es Saarland is e Gärdsche mit em Schlot drin«, hat der Saarbrücker Kabarettist Jürgen Albers seine Heimat einmal treffend beschrieben. Von den Eisenhütten und Kohlgruben der Region, die sich hauptsächlich im Süden des kleinen Bundeslandes konzentrieren, ist zwar heute nicht mehr viel zu sehen, aber für eine Motorradtour empfiehlt sich dennoch eher der weniger zersiedelte Norden.Zwischen Trier und Dillingen ist das Saarland nämlich in der Tat mehr »Gärdsche« als Industrielandschaft. Das spürt man vor allem, wenn man sich ihm vom Osten über die sogenannte »Eichenlaubstraße« nähert, die sich von Weiskirchen über Mettlach bis fast an die französische Grenze schlängelt. Eichen gibt es allerdings kaum noch entlang der kurvigen Landstraße, doch dafür wird man mit herrlichen Ausblicken von den Höhenzügen verwöhnt, die stark an Dr. Brinkmann & Co. und dessen Schwarzwälder Klinikkulissen erinnern. Nicht umsonst nennt man diese Gegend auch den Schwarzwälder Hochwald. Durch schattige Wälder windet sich die Eichenlaubstraße über viele Kilometer gen Westen. Tannen und sanfte Hügel gibt es rund um Freiburg zwar ebenfalls zur Genüge, aber die birnenförmige Saarschleife in der Nähe des Dreiländerecks Saarland-Frankreich-Luxemburg ist einzigartig. Vom Aussichtspunkt Cloef läßt sich hervorragend beobachten, wie sich Hunderte von Metern tiefer die langen Lastschiffe und Schlepper durch die enge Flußkurve quälen. Von hier oben sieht das fast so aus, als wollte man einen Bleistift durch einen Gartenschlauch manövrieren.Und es lohnt sich auch, das Ganze aus der Nähe betrachten. Denn wo ein Fluß durch ein enges Tal mäandert, muß ihm logischerweise die Straße meistens im Zick-Zack folgen. Und so gibt es entlang des Saarufers nette kleine Straßen zum Kurvenkratzen. Da aber der Aussichtspunkt relativ weit vom Fluß entfernt liegt, bietet sich ein Schlenker über Freudenburg und Saarburg an. Von dort geht es dann über Serrig in weitgeschwungenen Links-Rechts-Links-Kombinationen direkt am Fluß mit den träge dahinstampfenden Schiffen entlang. Wer Lust hat, kann in Mettlach in der 250 Jahre alten Porzellan- und Keramikfabrik Villeroy & Boch die firmeneigene Show »Keravision« betrachten oder aber, vielleicht etwas spannender, die Vorführungen und das Expeditionsmuseum des Wolfsforschers Erwin Freud in Augenschein nehmen. Von dem ort an der Saarschleife führt die Tour nach Westen und in der Nähe des Bahnhofs Losheim vorbei.Dort startet während des Sommers häufig eine alte Museumsbahn. Wer Glück hat, erlebt sie in freier Wildbahn, da die Strecke zum Teil an den Gleisen entlangführt. Letztes Ziel der kleinen Rundreise durch das Saarland ist Ottweiler, ein toll erhaltenes Fachwerkstädtchen am südlichsten Zipfel der Route und fast schon im Einzugsbereich des Großraums Saarbrücken, das zu einer kleinen Stadtrunde verlockt. Bei aller Kurvenfreude sollte man es jedoch nicht versäumen, in einem der kleinen Wirtshäuser entlang der Strecke einzukehren. Denn das nahe Frankreich hat in der saarländischen Küche unverkennbar seine Handschrift hinterlassen. Ein »Schales«, eine Art Kartoffelkuchen mit Dörrfleisch und Lauch, und ein Glas Wein - oder vielleicht besser Mineralwasser? - gehören zum kulinarischen »saar-vivre« wie Oskar Lafontaine zum politischen Bild des Bundeslandes. Auch wenn er jetzt seinen Wirkungsbereich auf die ganze Republik ausgedehnt hat.
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Streckenlänge: 300 KilometerDauer: WochenendtourStreckenprofil: Kurvige Landstraßen über leicht gewellte Höhenzüge und durch hübsche Flußtäler. Auch für Anfänger unproblematischTanken: Überall möglich. Am Wochenende sind jedoch die kleinen Dorftankstellen oft geschlossenKaffeepausen: kleines Café am Aussichtspunkt Cloef, sonst in Mettlach und OttweilerBademöglichkeiten: Leider nur wenige. Unter Umständen am Bostalsee möglichSehenswert: Saar-Aussichtspunkt Cloef, Burg Montclair, Museumsbahn Losheim

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Im Gegensatz zu einer normalen Reisereportage ist der Tourentip kleineren Regionen gewidmet. Dabei handelt es sich häufig um Gebiete, die sich durch ein unattraktives Umfeld oder mangels einer ausreichenden Streckenauswahl für eine große Rundreise eignen. So bietet das Saarland im Süden durch starke Industrieansiedelung wenig fahrerische Reize. Aber die lohnenswerten Flecken in der Region sind dafür doppelt so schön. Deshalb hier eine kleine Runde durch den Norden, die sich bequem an einem Wochenende fahren läßt und auch noch Zeit für die im Winter dringend nötigen Aufwärmpausen läßt. Und noch etwas: Tourentips lassen auch Anfängern mit noch geringer Kilometerfresser-Kondition eine Chance zum Touren nach MOTORRAD-Plan.
AnreiseVon Norden fährt man die A 1 bis Trier, und von dort auf Landstraßen entlang der Saar weiter. Alternativ kommt man aus dem Osten über die A 6, A 62 und A 1 und schwenkt ab Nonnweiler auf die mit Hinweisschildern gekennzeichnete »Eichenlaubstraße«. Von Süden kommend führen A 6 und dann A 8 bis Merzig bei Mettlach.ÜbernachtenEntlang der beschriebenen Route sind in den Dörfern etliche kleine und preiswerte Gasthöfe zu finden. Außerdem gibt es in Orscholz das komfortable Hotel »Zur Saarschleife« in der Cloefstraße 44, das direkt in der Nähe des Aussichtspunktes Cloef an der Saarschleife liegt. Zum Hotel gehört ebenfalls ein rustikales Restaurant und ein gemütliches Kaminzimmer. Preise ab 100 Mark pro Person, Telefon 06865/1790. Wer es lieber etwas zentraler mag, wird sich im Hotel »Zum Schwan« in der Freiherr-von-Stein Straße 34 in der Fußgängerzone von Mettlach wohlfühlen. Ab 80 Mark, Telefon 06864/7279. Mit 45 Mark deutlich preiswerter, einfacher und dennoch gut ist das Hotel Waldesruh, Am Hasselt 7 in Neubrücke, Telefon 06782/2263. SehenswertBesonders eindrucksvoll ist am Ortsrand von Orscholz der Aussichtspunkt Cloef mit einem Blick über die gesamte Saarschleife. Wer will, kann den Fluß auch per Schiff erkunden, die mehrmals täglich in Mettlach ablegen. Infos über Telefon 06868/12379. Villeroy & Boch bietet in Mettlach unter der Woche von 9-12 und 14-17 Uhr und Samstag vormittags eine interessante Mulitmediashow »Keravsion« in der Benediktinerabei über ihre Keramikarbeit. Aufregender ist nur noch die Wolfshow im Expeditionsmuseum des Wolfsforschers Werner Freund, sonntags von 14-18 Uhr. Dampfloknostalgiker kommen dagegen in Losheim auf ihre Kosten: Dort schnauft den ganzen Sommer über eine Museumseisenbahn.Aktivitäten:Angeln, Wandern und Radfahren gehören im Saarland zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten. Wer mal tauschen möchte, kann beim Allgemeinen Fahrrad Club in Saarbrücken unter Telefon 0681/45098 ein Verzeichnis von Fahrradvermietern anfordern. Informationen:Informationsmaterial und Zimmernachweise sind bei der Tourismuszentrale des Saarlandes, Franz-Josef-Röder Str. 9, 66119 Saarbrücken, Telefon 0681/92720-0, erhältlich. Außerdem: Saarschleife-Touristik in Mettlach, Telefon 06864/8334, sowie das Verkehrsamt Merzig, Telefon 06861/72120. Literatur und Karten:Einen kompakten Überblick mit vielen Hintergrundinformationen bietet der HB-Bildatlas Saarland, Nr. 161, für 16,80 Mark. Zur Orientierung eignet sich die Mairs Generalkarte Nr 15 oder Nr. 3 der Großblattsammlung.

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