Satellitennavigation (Archivversion) Orientierungsphase

Navigieren per GPS ist ein Kinderspiel - der Reisende sollte nur wissen, wie´s geht. Beim ACTION TEAM-Navigationslehrgang erfuhren 20 Teilnehmer, wie sie mit Hilfe von Satellitennavigation auch in wegelosen Wüsten ihr Ziel finden.

Ein Dorfgasthof in der Nähe von München. Auf dem Parkplatz stehen diverse Enduros aller Klassen aufgereiht. Aber nicht Driften, Staub schlucken und Stiefel ausleeren ist angesagt, sondern Navigieren lernen. Wer abseits der viel zitierten ausgetretenen Pfade nicht gleich wieder den Spuren der Anderen folgen will, muss seine Richtung selbst bestimmen können. Zum Beispiel per Satellitennavigation - oder besser: GPS (Global Positioning System). Doch dazu sind Vorkenntnisse erforderlich und fürs erste haben alle dieselbe Richtung: rein in den Schulungsraum.Drinnen wartet Walter Bachhuber, Hubschrauberpilot, Hobby-Rallyefahrer und ACTION TEAM-Tourguide. Grinsend präsentiert er eine aufgeblasene Weltkugel und erzählt von Winkeltreue, Meridiankonvergenz und Mercatorprojektion. Denn damit wir mit den Daten, die wir vom GPS-Empfänger geliefert bekommen, etwas anfangen können, müssen erst einmal Grundlagen gebüffelt werden. Windrose und Gradzahlen, Karten-Gitter und Maßstab, Koordinaten und Kompasspeilung. Die Fachwörter wollen kein Ende nehmen. Wer zu dem Thema bisher überhaupt keinen Bezug hatte, ist erst mal völlig erschlagen.Doch bald lichtet sich der Dschungel. Wir lernen Längen- und Breitengrad eines Ortes auf der Karte zu bestimmen. Diese Angaben werden in Grad, Minuten und Sekunden ermittelt und können später als sogenannte Wegpunkte in den GPS-Empfänger eingegeben werden, um sich von dem Gerät, das rund um die Welt in ständigem Kontakt mit mehreren Satelliten steht, per Richtungspfeil dorthin führen zu lassen. Der handliche Empfänger bietet eine Unzahl von Funktionen, kann per Hilfe aus dem All auch auf der Erde der augenblickliche Standort bis auf zirka 50 Meter genau bestimmt werden. Dazu müssen die im Display angezeigten Koordinaten von Längen- und Breitengrad nur auf eine entsprechende Karte übertragen werden. Grundlagen, die erst einmal sitzen müssen.In der Mittagspause können sich die Teilnehmer ein wenig beschnuppern. Peter Hugger aus Trossingen träumt von einer Teilnahme an der Paris-Dakar, und Hans Nägele aus Buchloe will seine Suzuki DR 350 bei der nächsten Rallye El Schott durch Tunesien scheuchen. Stefan Jansen aus Köln findet es ätzend, in Afrika die Schilder nicht lesen zu können und möchte mit Hilfe des GPS seine Weg finden. Und Karol aus Unterföhring will je drei Monate durch Neuseeland und Südamerika reisen. Endlich dürfen wir unsere GPS-Empfänger entgegennehmen. Herbert Schwarz von der Firma Touratech verteilt seinen ganzen Fundus an Leihgeräten. Der amerikanische Hersteller Garmin ist Marktführer, und wir bekommen die neueste Generation, das »Garmin III«, das bereits über eine integrierte Landkarte verfügt. Und dann sitzen da 20 Mann, starren gebannt auf das kleine Display und drücken sich knöpfchenweise durch die Menüs. Schließlich wird die Route für die Wanderung am nächsten Tag bekannt gegeben, und nun heißt es, die Koordinaten der einzelnen Orte auf der Karte zu ermitteln und als Wegpunkte in das GPS-Gerät einzugeben. Als diese sich auf der elektronischen Karte im Display des Geräts zu einem Rundgang verbunden haben, beginnen alle den Sinn des Ganzen zu erahnen.Aber sollte nicht auch noch gefahren werden? Doch, keine Bange, Walter drückt jedem ein Roadbook in die Hand. Nach einem Crashkurs im Piktogramme lesen, erkennen alle, dass sich das Roadbook als Lückentext erweist. Auf einer Strecke von etwa 70 Kilometern sind zehn Wegpunkte verteilt, für die nur die Koordinaten angegeben sind. Am jeweiligen Punkt davor gibt es weder eine Richtungs- noch Entfernungsangabe. Beides muss mit Hilfe des GPS herausgefunden werden. Nun kommt doch wieder Rallye-Atmosphäre auf, der Raum sitzt voll mit Leuten, die Roadbooks kleben und ihre GPS-Empfänger mit Wegpunkten füttern.Der nächste Morgen ist mit Sonnenschein und Briefing genau nach dem Geschmack der versammelten Stollenritter. Doch vor dem Fahren heißt es laufen. Denn noch haben wir keine Vorstellung, wie das kleine Wunderding wirklich reagiert, wenn man sich draußen bewegt. 20 Mann, das GPS in der Hand, den skeptischen Blick auf das Display gerichtet, marschieren los. Aber: Ist der erste Wegpunkt erreicht, wird auf dem Display sofort die Richtung und Entfernung zum nächsten Wegpunkt angezeigt. Auf halber Strecke fällt auf, wie die tatsächlich marschierte Linie auf der elektronischen Karte neben der direkten Luftlinie zum nächsten Punkt herläuft, mal weiter weg, mal näher dran, dann ist der Punkt erreicht. Geschafft. Das Ding funktioniert bereits auf einem Marsch von zwei Kilometern. Karl-Heinz Pillhofer, DR 350-Fahrer aus Plech, ist völlig fasziniert. Er hat keinerlei Computererfahrung und war wie manch anderer am Samstagabend total geschafft. Jetzt kann man sich vorstellen, die Fahraufgabe zu lösen.Wir starten bei herrlichstem Wetter und starren gebannt auf die Veränderungen im Display - es erfordert einige Übung, mit einem Blick den sich bewegenden Richtungspfeil und das Roadbook im Auge und gleichzeitig das Motorrad entsprechend auf Kurs zu halten. Aber es funktioniert, und alle erreichen das Ziel, den Gasthof, nach mehr oder weniger längeren Umwegen - zwischen 80 und 120 Kilometer haben die Teilnehmer jeweils zurückgelegt: Der Pfeil im Display zeigt jeweils nur den direkten Weg zum nächsten Punkt an und Fahren nach Luftlinie lässt sich auf unseren Straßen schwer umsetzen.Später zaubert Herbert Schwarz von jedem Teilnehmer ein genaues Bewegungsprofil auf den Bildschirm seines Laptops. Dort erscheint auf einer Karte die gefahrene Strecke und jeder kann sehen, wie dicht er an der direkten Linie gewesen ist. Oder welche Schlenker er beim Suchen gemacht hat. Das Gerät scheint tatsächlich alles zu wissen - nur nicht, dass Matthias unterwegs einen Platten hatte. Aber das sah der BMW-Fahrer ganz locker. Wie auch im Nachhinein den Lehrgang. Die schwer verständliche Gebrauchsanweisung seines GPS-Geräts ist nun ein Fall für die Akten.

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