Sicherheitslage in der Sahara Wohin in der Sahara?

Es wird eng in der Sahara. Entführungen und Terroranschläge lassen immer mehr Gebiete unpassierbar werden. Wo und wie noch was geht, zeigt diese Übersicht.

Foto: Deleker
Nach den jüngsten Entführungen von elf Touristen im diesbezüglich zuvor als relativ sicher geltenden Ägypten sind die frei befahrbaren Regionen der Sahara nochmals kleiner geworden. Die Warnungen des Auswärtigen Amts gelten inzwischen für nahezu ganz Nordafrika, und viele Anrainerstaaten haben ihre Restriktionen für Individualreisende verschärft. So errichtete nun auch Tunesien, bislang neben Marokko eines der letzten uneingeschränkt erkundbaren Länder, Sperrzonen. Dennoch gibt es in der nördlichen Sahara nach wie vor Möglichkeiten, wenn auch oft nur in organisierter Form. Die südlichen Anrainerstaaten werden durch Terroristen, Rebellen bis hin zu mehr oder weniger offenen Bürgerkriegsszenarien wie im Tschad und Sudan zunehmend zu Nogo-Areas für ausländische Staatsangehörige. Als besonders extrem gilt der äußerste Osten bis hinab nach Somalia am Horn von Afrika, wo derzeit von keinerlei staatlichen Ordnung mehr ausgegangen werden kann.
Anzeige
Foto: Archiv

Marokko

In Marokko sind Individualreisen prinzipiell noch uneingeschränkt möglich. Vorsicht ist im Rif-Gebirge geboten, wo Reisende mitunter von Rauschgifthändlern bedrängt werden. Hier sollte nicht alleine gefahren werden. Außerdem wird von Trips in die Westsahara-Region sowie der Weiterreise nach Mauretanien derzeit abgeraten. Laut Auswärtigem Amt schließen Sicherheitskreise ein Übergreifen der bislang vor allem in Algerien aktiven "Al-Qaida im islamischen Maghreb" (AQIM) auf marokkanisches Gebiet nicht aus. Auch die marokkanischen Behörden warnen vor der Gefahr terroristischer Anschläge.
Anzeige
Foto: Archiv

Algerien

Seit den spektakulären Entführungen 2003 ist Reisen hier nur noch eingeschränkt möglich. Neben dem Visum ist inzwischen die Buchung einer algerischen Reiseagentur nötig. Diese organisiert den Führer, ohne den Gebiete südlich von Ghardaia, El-Qued und dem Grenzort Taleb Larbi (bei Nefta/Tunesien) nicht mehr befahren werden dürfen. Der Führer hilft an der Grenze bei den Formalitäten und leitet anschließend auf Teerstraßen gen Süden, beispielsweise bis Illizi oder In Salah. Die Preise richten sich nach Reisedauer und Strecke, wobei 125 Euro pro Tag für einen Guide im eigenen Fahrzeug kalkuliert werden müssen. Für den Großen Östlichen Erg, Erg Issaouane, Erg Tifernine, Erg Chech, das Gebiet zwischen Bordj Omar Driss und Amguid sowie für die Tanezrouft-Piste Reggane–Bordj Mokhtar gibt es derzeit keine Genehmigung. Vom Norden des Landes wird ebenfalls abgeraten, da es in jüngster Zeit immer wieder zu Anschlägen mit Todesopfern kam. Vor Reiseantritt bei einer der Agenturen über die aktuelle Lage informieren und die geplante Route absprechen.

Reiseagenturen in Algerien (Auswahl):
Agence de Tourisme & Voyages Teneghelt, Boite Postale 10026 – Serssouf, 11000 Tamanrasset-Algerie. Telefon 0021/329343418, E-Mail: info@teneghelt.com, www.teneghelt.com.

Agence Reve Hoggar, Cheikh Baklia, Boite Postale 763, 11000 Tamanrasset – Algerie, Telefon/Fax 0021/329341985, E-Mail: Agence_reve_hoggar@yahoo.fr, www.revehoggar.com
Foto: Archiv

Tunesien

Das Auswärtige Amt weist besonders auf die Gefahren im südlichen Grenzgebiet zu Algerien hin. Nach der Entführung eines österreichischen Paares am 22. Februar 2008 durch die terroristische Gruppe "Al-Qaida im islamischen Maghreb" hat das tunesische Tourismusministerium die Reisebestimmungen für den Süden des Landes verschärft und diesen in eine nördliche und eine südliche/südwestliche Sperrzone aufgeteilt. Die Eintrittsbereiche sind El Matrouha, Djebil, Ksar Ghilane, El Kamour, Kambout und Larzat. Für beide Zonen braucht man neben GPS und Satellitentelefon eine offizielle Genehmigung (gibt’s vor Ort bei den Gouverneuren von Tataouine, Kebili und Tozeur) sowie einen Begleiter von einer örtlichen Agentur. In der nördlichen Sperrzone müssen mindestens zwei Fahrzeuge zusammen fahren, in der südlichen vier. Letztere ist ab 2009 nur noch für Wettbewerbsveranstaltungen und organisierte Reisen zugänglich.

Alle anderen Gebiete, wie beispielsweise das Dahar-Gebirge im Südosten, können frei bereist werden. Aktuelle Infos sowie eine Liste der tunesischen Reiseagenturen gibt’s beim Fremdenverkehrsamt Tunesien (Frau Beschaoui), Bockenheimer Anlage 2, 60322 Frankfurt/Main, Telefon 069/133835-0, Fax -22, www.tunesien.info, E-Mail: fvatunesien@aol.com
Foto: Archiv

Libyen

In Libyen klärt dieser Tage eine Konferenz, wie die Reisebestimmungen künftig gestaltet werden sollen. Momentan geht auch hier ohne Reiseagentur nichts. Diese organisiert alle Einreiseformalitäten, Visumstempel, Versicherungen und Kfz-Schilder sowie den obligatorischen Reisebegleiter. Die Preise liegen bei etwa 35 Euro pro Tag für den Guide bei Mitfahrt im Touristenfahrzeug und etwa 90 Euro im eigenen Auto (samt Fahrer). Zurzeit sind folgende Regionen für Touristen gesperrt: Wau en Namus, Akakus-Gebirge (südlicher Einstieg), Ghat, Djebel Uweinat (im Dreiländereck Libyen, Ägypten, Sudan) sowie die grenznahen Gebiete zu Niger, Tschad und Sudan. Weiterhin bereist werden können unter anderem Ghadames, Al Hamadah Al Hamra, die Strecke Darj–Idri, Erg Ubari, Mandara- Seen, Erg Murzuq, Wadi Mathendusch. Doch auch hier gilt, sich vor Reiseantritt nach dem aktuellen Stand der Sicherheitsbestimmungen zu erkundigen.


Reiseagentur für Libyen (beispielsweise): Saro-Expedition GmbH in Rosenheim, Telefon 08031/32758, www.saro-expedition.de

Foto: Archiv

Ägypten

Aufgrund willkürlicher Anschläge auf Touristenziele besteht im ganzen Land eine erhöhte Gefährdung. Touren abseits offizieller Wegstrecken sowie individuelle Trips sind in bestimmten Regionen genehmigungspflichtig. Feste Kontrollposten überwachen alle Routen in regelmäßigen Abständen. In manchen Gebieten herrscht zudem Minengefahr. Seit den Entführun­gen im September 2008 ist die Uweinat-Region nicht mehr zugänglich und das Gilf Kebir Plateau nur noch geführten Gruppen vorbehalten.
Foto: Archiv

Mauretanien

Schon länger sind terroristische Gruppen wie "Al-Qaida im islamischen Maghreb" in Mauretanien aktiv und sorgen für dringende Reisewarnungen. Weihnachten 2007 wurden vier französische Touristen am hellen Tage auf der Überlandstraße "Route de l’Espoir" überfallen und erschossen. Wenige Tage später folgte aus Sicherheitsgründen die Absage der Rallye Paris-Dakar. Ein Militärputsch gegen Staatspräsident Abdallahi am 6. August 2008 verschärft die Lage zusehends. Besonders schade, da durch Mauretanien die einzige, inzwischen fast komplett asphaltierte Transsahara-Strecke bis hinab in den Senegal verläuft.
Foto: Archiv

Mali

Die Sicherheitslage wird vor allem im Norden Malis durch Turareg-Rebellen sowie bewaffnete, grenzüberschreitend operierende Terroristen erheblich gefährdet. Es besteht die Gefahr bewaffneter Überfälle auch auf Reisegruppen. Anschläge gegen die malische Armee deuten derzeit auf eine weitere Verschlechterung der Sicherheitslage hin. Hier gilt eine ausdrückliche Warnung vor den Gebieten nördlich des 15. Breitengrades. Also entlang der malisch-mauretanischen Grenze bis nach Youvaru und von dort nördlich des Niger-Flusses bis zur Grenze von Algerien und Niger. Ausgenommen: die Städte Timbuktu und Gao.
Foto:

Niger

Wegen vermehrter Zusammenstöße zwischen nigrischen Sicherheitskräften und bewaffneten Rebellen wird dringend von Reisen nach Agadez und ins Aïr-Gebirge abgeraten. Im Aïr-Gebirge droht zudem Minengefahr. Die Transitstrecke Assamakka (algerische Grenze)–Arlit–Agadez–Tahoua sollte gegenwärtig ebenfalls gemieden werden. Hier wie auch auf der Verbindungsstraße Agadez–Zinder sind keine Individualfahrten mehr erlaubt, sondern es darf nur noch in militärisch begleiteten Konvois gefahren werden. In der unübersichtlichen Region der nigrischen Sahara (Grenzgebiet Mali/Niger/Algerien) sowie im gesamten Osten (Ténéré-Wüste) bis zu den Grenzen von Tschad und Libyen kann laut Auswärtigem Amt das Risiko von Entführungen und Erpressungen für Ausländer nicht ausgeschlossen werden.
Foto: Archiv

Tschad, Sudan, Eritrea

Der Tschad, weite Teile des Sudan sowie Eritrea gelten derzeit als lebensgefährlich und keinesfalls für Reisende geeignet. Im Sudan drohen die Gefahren vor allem in der westlichen Region Darfur aufgrund bürgerkriegsähnlicher Zustände. Außerdem im Norden, in den Regionen des Weißen Nil und im Sennar-Gebiet. Die Grenze Sudan/Äthiopien ist offen und die Weiterreise nach Ägypten über Wadi Halfa möglich, zum Tschad und nach Eritrea sind die Grenzen geschlossen. Änderungen möglich.

Chronik der Verbrechen

Februar 2003
Mehrere Reisegruppen mit Motorrädern und Geländewagen werden in Südalgerien auf der Gräberpiste entführt, darunter insgesamt 16 Deutsche. Die ersten 17 der insgesamt 32 Verschleppten befreit am 13. Mai eine algerischen Spezialeinheit in der Nähe von Tamanrasset, 1900 Kilometer südlich von Algier. Die übrigen Geiseln kommen erst durch Lösegeldzahlungen Mitte August frei. Eine 45-jährige Deutsche überlebt die Strapazen nicht und stirbt an Hitzschlag in der Wüste.

24. Dezember 2007
Vier französische Touristen werden am hellichten Tag auf einer Überlandstraße in Mauretanien während einer Rast von einer bewaffneten Gruppe überfallen und erschossen.

4. Januar 2008
Einen Tag vor ihrem offiziellen Start wird die 30. Rallye Paris-Dakar wegen „direkter Drohungen terroristischer Gruppen gegen das Rennen“ vom Veranstalter abgesagt.

18. Februar 2008
Der Schweizer Christian Kny und seine drei einheimischen Begleiter werden in der Uweinat-Region im ägyptisch-sudanesischen Grenzgebiet von bewaffneten Rebellen verschleppt und zehn Tage gefangen gehalten.

22. Februar 2008
Ein alleinreisendes Paar aus Österreich wird während einer Wüstentour im Süden Tunesiens entführt und ist seitdem in der Gewalt der Entführer. Die Entführer der „Al-Qaida im islamischen Maghreb“ verschleppten die beiden quer durch Algerien bis in den Norden Malis.

19. September 2008
Elf europäische Touristen und ihre acht ägyptischen Begleiter werden in der Gilf Kebir-Region im Südwesten Ägyptens von Bewaffneten verschleppt und nach elf Tagen Gefangenschaft wieder freigelassen.
Foto: Archiv

Wichtige Informationsquellen

Auswärtiges Amt: www.auswaertigesamt.de

Das Wüstenschiff-Forum: www.wuestenschiff.de (umfangreiches deutschsprachiges Forum mit Fokus auf Afrika)

Schweizer Wüstenforum: www.desert-info.ch

Sahara-Club: www.sahara-club.de (Online-Auftritt des Sahara-Club e. V. Hier findet man kompetente Ansprechpartner zu allen Themen rund um die Sahara)

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel