Sicherheitslage (Archivversion) Das Aus für den Sahara-Tourismus?

Die Frage, ob die größte
aller Wüsten seit dem Geiseldrama im vergangenen Jahr und aufgrund der allgemeinen politischen Situation weiterhin als Reiseziel gelten kann, ist zurzeit mehr als
berechtigt.

In fast allen Sahara-Staaten sind Reisende spätestens seit der dramatischen, sechs Monate dauernden Geiselnahme in Algerien sowie den Attentaten auf der
tunesischen Ferieninsel Djerba (April 2002) und im marokkanischen Casablanca (Mai 2003) einem erhöhten Sicherheitsrisiko ausgesetzt. Mittlerweile wird zwar in mehreren Ländern der Sahara verstärkt gegen islamistische Terroristen vorgegangen.
Ein Ende des Konfliktes ist jedoch nicht
in Sicht, und weitere Übergriffe können in Algerien, aber auch im Niger, Tschad sowie in Mali nicht ausgeschlossen werden. Zudem warnt das Auswärtige Amt der Bundesregierung (www.auswaertiges-amt.de) in den meisten Ländern vor möglichen terroristischen Anschlägen besonders auf touristische Einrichtungen und religiöse Kultstätten.
Über die Ausmaße der jeweiligen
militärischen Aktionen, die Einreisebe-
stimmungen oder die momentane Risikoeinstufung einzelner Länder kursieren in diversen Reisemagazinen oder im Internet (www.sahara-info.ch, www.horizonsunlimited.com) teilweise widersprüchliche Informationen, was unter anderem auf unterschiedliche Erfahrungen einzelner Reisender zurückzuführen ist. Auch
wenn es in letzter Zeit dem einen oder anderen Wüstenfan gelungen ist, ohne
die inzwischen obligatorischen Führer (siehe Länderinfos) sicher durch Libyen oder Algerien zu reisen, sollte man bei der Reiseplanung nicht auf die vermeintlich gleichen »glücklichen« Umstände hoffen, sondern sich vielmehr nach den Empfehlungen offizieller Seiten richten.
Ist die Sahara also generell kein Reiseziel mehr? Yves Larboulette, Sahara-Kenner und Herausgeber der in der Reiseszene überaus anerkannten Schweizer Internetpublikation www.sahara-info.ch: »Anders als in Algerien und in den nördlichen Teilen von Niger und Mali ist die Sicherheitslage in Libyen generell als gut einzustufen. In Marokko, Mauretanien
und in Tunesien lässt es sich ebenfalls recht sicher und zudem auf eigene Faust reisen.« Mit einer weiterhin angespannten Lage rechnet der Wüsten-Experte allerdings in der algerischen Sahara. Seine Prognose für Selbstfahrer: »Libyen ist auf einen finanzstarken Tourismus aus, der sich in Gruppen bewegt und gut kontrollieren lässt. Algerien strebt das gleiche Ziel an und gestattet ebenfalls keine Reisen mehr ohne Führer, was vermutlich bald auch für den Norden von Mali gilt.«
Aufgrund der beschriebenen Situation mag es wenig verwunderlich sein, dass der Sahara-Tourismus stark rückläufig
ist. Christoph del Bondio, langjähriger Sahara-Kenner und Veranstalter von Offroad-Reisen nach Tunesien und Libyen (www.delbondio.de), sieht dennoch keinen Grund, die Wüste zu meiden: »Meiner Meinung nach hat sich die Sicherheits-
lage sogar verbessert, da die staatlichen Organe gezielt Jagd auf potenzielle Terroristen machen. Besonders der Süden von Tunesien und Libyen sind nach wie vor problemlos zu bereisen, obwohl natürlich immer die Gefahr besteht, dass man in abgelegenen Regionen Banditen begegnet. Aber von einer erhöhten Gefahrenlage kann speziell in diesen beiden Ländern keine Rede sein.«
Unterm Strich bleibt ein schaler
Beigeschmack, weil Reisen in eine der spektakulärsten Regionen der Erde nur noch stark eingeschränkt möglich sind. Wie stark, zeigt folgende Übersicht.

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