Skandinavien-Übersicht Wege im Norden

Wer sich für einen Skandinavien-Urlaub entschieden hat, steht vor der Wahl: finnische Seen, norwegische Dramatik oder schwedische Idylle? Oder doch lieber dänische Strände plus Eis in Island?

Foto: Bathke
Der Norden Europas bietet Motorradreisenden einen halben Erdteil unterschiedlichster Landschaften und Möglichkeiten. Je nach Zeitplan und Budget werden allein schon bei der Wahl der Fährhäfen völlig unterschiedliche Routenkombinationen möglich.

DÄNEMARK
Für viele Reisende die erste Zwischenstation. Wobei die sanften Landschaften und idyllischen Dörfer der beiden größten Landesteile Jütland und Seeland mehr Potenzial als reinen Durchreisestatus besitzen. Vor allem die langen Strände an Nord- und Ostsee bieten Wasserraten herrliche Möglichkeiten – und dürfen teilweise sogar per Bike be-fahren werden. Außerdem ist Dänemark quasi der Brückenkopf nach Norden, mit Start- und Zielhäfen vieler Fähren in Richtung Island, Norwegen oder Schweden.

ISLAND
Geschlagene vier Tage kostet allein die Anreise vom dänischen Hanstholm. Denn die Fährverbindungen fordern auf halber Strecke eine Art Zwangsaufenthalt auf den dänischen Färöer-Inseln, um auch diesen ein paar Stücke vom touristischen Kuchen zukommen zu lassen. Zwei weitere Tage verschlingt der Rückweg. Wer also auf die wilde Insel will, die näher an Grönland als an Norwegen liegt, sollte mehrere Wochen Urlaub einplanen. Und sich darauf einstellen, dass lediglich die 1400 Kilometer lange Ringstraße rund um die Insel asphaltiert ist, außerdem die durchschnittliche Sommer-temperatur nicht über 11 Grad liegt. Dafür gibt es Natur pur. Nirgendwo sonst in Europa kochen Vulkane so ungeniert neben den größten Gletschern, brodeln Geysire und heiße Schwefelquellen neben mächtigen Wasserfällen. Und leben weniger Menschen. Statistisch 2,8 pro Quadratkilometer, tatsächlich 60 Prozent im Großraum der Hauptstadt Reykjavik. Gute Vorbereitung ist also unabdingbar für die Insel am Polarkreis.

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NORWEGEN
Landschaftlich kaum minder verwegen, darf das Land mit Europas längster Küstenlinie den skandinavischen Spitzenplatz verbuchen. 21000 Kilometer bilden zwischen Oslo und Kirkenes eine der größten Attraktionen Norwegens.
Zerschnitten vom stetig anstürmenden Nordatlantik, haben sich zum Teil Hunderte von Kilometern ins Land reichende Fjorde gebildet, die vor allem in der Südhälfte mit mächtigen, vergletscherten Gebirgszügen wetteifern.
Großer Vorteil: Die Topregionen im Süden sind vergleichsweise leicht erreichbar! Und dann lockt legendengleich immer noch das Nordkap, der nördlichste Punkt des Kontinents. In früheren Jahren eher eine zähe Durchhalteprüfung auf der von Wohnmobilen und Radarfallen verseuchten E 6, der einzigen Verbindungsstraße in den Norden, wird die Route seit einiger Zeit von der Reichsstraße 17 zwischen Trondheim und den Lofoten interessant ergänzt. Mit Hilfe vieler kleiner Fährpassagen überwindet die RV 17 malerisch die zerklüftete Küste Mittelnorwegens. Danach kann Plan B gezündet und der Rest der Strecke zum Kap – oder zu einem von 36 anderen Häfen – per Postschiff auf der HurtigRoute zurückgelegt werden. Die alte Traditionslinie, 1893 zur Versorgung der unzugänglichen Küstenorte geschaffen, öffnet sich zunehmend touristischen Interessen – und die Ladeluken neben ihrer regulären Fracht in begrenztem Umfang auch für Fahrzeuge.

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FINNLAND
Am Nordende angelangt, kann der Rückweg über Schweden oder Finnland anvisiert und in Lappland der arktische Norden jenseits des Polarkreises durchdrungen werden. Entweder auf Südkurs durch Schweden (Seite 94) oder weiter östlich zwischen Tausenden finnischer Seen und der russischen Grenze, der einzig echten Barriere im Norden. Denn schon lange vor den Mitteleuropäern hatten die Skandinavier ihre Schlagbäume bereits in den 80er Jahren abgeschafft und für freie Übergänge gesorgt. In Währungsfragen sind die Wege indessen noch individuell. Während Finnland dem Euro-Verbund angeschlossen ist, pflegt der Rest seine Kronen. Übrigens genauso wie seine Königshäuser. Ansonsten kann in vielen reisepraktischen Dingen mit leichten Abwandlungen auf den Info-Teil der Schwedenreportage zurückgegriffen werden. Finanziell gibt es ein gewisses West-Ost-Gefälle, das Finnland als preiswertes Land des Nordens markiert. Landschaftlich ist es umgekehrt, sodass manche zugunsten einer dramaturgischen Steigerung empfehlen, eine Rundreise eher im östlichen Helsinki zu starten.

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