Spaßrennen in Holland (Archivversion)

Das schwarze Cross

Schon mal was vom »zwarte cross« gehört? Nein? Na, dann wird es Zeit. MOTORRAD-Mitarbeiter stießen in Holland auf eine der schärfsten Motorsportveranstaltungen Europas - eine prickelnde Mischung aus Motocross, Karneval und Love Parade.

Ja, ja, die Holländer! In Deutschland eigentlich eher bekannt für Tulpen, Käse und die Neudefinition der Autobahnrichtgeschwindigkeit, haben die Nachbarn gezeigt, dass sie auch anders können. An einem Wochenende im letzten Sommer - da war für einen Moment alles ganz anders. Auf einer harmlosen, morastigen Crosspiste namens De Kappenbulten bei Halle, knapp hinter der deutschen Grenze. Bieten die Franzosen mit der Paris-Dakar, Le Tourquet und dem Gilles Lalay Classic die härtesten Rennen, sind die Holländer nun mit dem verrücktesten in der Hitliste der Motorsportevents ganz vorne dabei – mit »zwarte cross«, dem Schwarzen Cross. Bislang von der internationalen Sportszene nahezu unbemerkt, geht es bereits seit sechs Jahren mit riesigem Theater im holländischen Nirgendwo über die Bühne. Streng genommen eher bunt statt schwarz, reichen seine Wurzeln bis tief in die sechziger Jahre zurück: zu illegalen und damit »schwarzen« Rennen. Irgendwo unter der Hand auf selbst gespurten Pisten im Stoppelacker ausgetragen. Hochgenial, aber leider von der Polizei mit so drakonischen Strafen geahndet, dass die wilden Crosser bald wieder von der Bildfläche verschwanden. Bis 1997, als die Jungs von der Rockband »Jovink and the Voerderbeetels« das »zwarte cross« wieder ausgruben. Sonst fehle eindeutig ein wichtiger Bestandteil in der Entfaltungsmöglichkeit niederländischer Jugendlicher, erläuterten sie. Eine Art Outdoor-Pisa-Test quasi. Allerdings sollte es nun nicht mehr illegal in der Pampa, sondern auf einer zugelassenen Cross-Strecke ausgetragen werden. Womit das damalige Reglement auch bereits abgehandelt ist. Gefahren werden durfte mit allem was Räder hat, Piloten aller Könnensklassen, jeder gegen jeden. 150 Teilnehmer und 1500 Zuschauer kamen. Ein Jahr später waren es schon mehr als doppelt so viele, die Geländeformationen etwas komplizierter und mit Namen wie Venushügel oder Cape Canaveral verschönt. Die ersten Klassen wurden gebildet: Gays-Class, Ladies-Class, The Terrorists und die Special Vehicles. Leider stieg auch die Zahl der Verletzten sprunghaft an – etwa die Hälfte der Teilnehmer -, so dass man vorsichtiger werden musste. 1999 avanciert der Cross Club Halle zum Veranstalter, stellt seine WM-Piste zur Verfügung, und das Happening wird richtig groß. Eine neue, entscheidene Regel hält Einzug: Verkleidungszwang. Und verhilft der Sache schließlich zum endgültigen Durchbruch: 2002 machen 40000 Gäste den Event zur größten Cross-Veranstaltung Europas werden. 20 Live-Bands spielen auf vier Bühnen, Stuntfahrer springen um die Wette, und auf dem Höhepunkt des Partyrauschs lässt ein Kran den Straßenkreuzer der »Jovinks« auf der Piste zerschellen. Ausgerüstet ist das Fahrerfeld inzwischen schriller wie Karneval in Rio, Christopher Street Day und Love Parade zusammen. Noch immer spielen Rundenzeiten und PS nur Nebenrollen, Kostümierungen dagegen den tragenden Part. Je schriller und abgefahrener, umso besser. Rollende Neon-Genitalien, rasende Bierflaschen und Furcht erregende King Kongs – nichts bleibt unversucht. Auch die Limitierung für die Fahrzeuge wird völlig freigegegeben, unterteilt nur noch grob nach Motorenzahl. Zögerte die Rennleitung zunächst kurz bei der Zulassung eines alten Weltkriegspanzers und einem römischen Pferdegespann, siegte letzendlich doch der multikulturelle Gedanke der Spiele - Panzer und Streitwagen dürfen in der Klasse für Spezialfahrzeuge antreten. Wo sie sich in einer illustren Mischung aus Eiswagen, rollenden Wohnzimmereinrichtungen und motorisierten Rollstühlen befinden. Eine an Zügeln gelenkte KLE 500 mit Anhänger tritt gegen eine zum chinesischen Lastendreirad umgebaute GSX 400 an, Cross-Gepanne mit Nikoläusen gegen zwillingsbereifte Zweispur-Crosser, Mofas gegen Mopeds, Quads gegen Trikes. Sogar einen Unimog mit trommelndem Schlagzeuger auf der Ladefläche mischte mit beim fröhlichen Event. Motorsport als Mega-Party - warum eigentlich nicht?
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Wer will mitmachen? (Archivversion)

Na, Lust zum Selberfahren oder Zuschauen gekriegt? Kein Problem, das »zwarte cross« startet auch 2003 wieder im holländischen Halle auf der internationalen Cross-Strecke De Kappenbulten, knapp hinter der deutschen Grenze bei Kleve. Vom 18. bis 20. Juli steigt die große Party, mit jeder Menge Bandts, Stunts und karnevaltauglicher Protagonisten. Die Klassen sind wie im vergangenen Jahr ziemlich offen, Verkleidungen Pflicht. Alle Details sind über die – etwas chaotische – Webside der veranstaltenden Rockband Jovink and the Voederbieteles zu erfahren: www.zwartecross.nl

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