Steckbrief Beta Alp 4.0 (Archivversion) Drei Wochen<br /><br /> mit Beta

3500 Kilometer im
Sattel einer 350er. Was bleibt, sind Gefühle.
Vornehmlich heitere.
Eine Hommage an
kleine Geländegänger.

Damit wir uns richtig verstehen: Es gibt bessere Reisemotorräder als die Beta Alp 4.0. Und bessere Enduros. Und
bessere Turnschuhe. Aber garantiert keine bessere Bergziege (echte 29 PS!), außer
der Suzuki DR 350. Und die gibt’s ja streng genommen nicht mehr – zumindest nicht
in neu. Eine Schande eigentlich.
Tatsache ist, dass man auf der Suche nach einer kleinen, leichten, ganz normalen Enduro heutzutage verdammt tief im Wald steht. Und komme jetzt keiner mit der
DR-Z 400 S daher: 935 Millimeter Sitzhöhe, 6345 Euro – okay, für solvente Stabhochspringer vielleicht. Alle anderen landen zwangsläufig vor der Beta Alp 4.0 für 5350 Euro. Außen italienisch, innen Suzuki. Angetrieben wird die extrem schlanke, 145 Kilo schwere Trial-Enduro vom luft-/ölgekühlten DR-350-Motor. 4.0 steht für Viertakt.
Tausendfach erprobte Einzylinder-Technik also, unkompliziert, sparsam, E-gestartet.
Einziges Manko: Ab 110 km/h herrscht
Vibrationsalarm, großes Hände-, Hintern-,
Füßekribbeln und komplette Verwirrung in den Rückspiegeln. Richtung Topspeed, der
je nach Engagement bei 140, 150 Sachen liegt, wird’s wieder besser. Mit dem Kribbeln. Nicht mit der Gesamtkonstitution des Bonsai-Bikes, dessen Fahrwerk – nobel ausgedrückt – noch Entwicklungspotenzial besitzt. Jawohl: Es windet sich. Und zwar stärker als gemeinhin von leichten Enduros bekannt.
Nur – wen interessiert das beim Bergwandern? Und dafür wurde die Alp 4.0 schließlich gemacht. Ein Motorrad, das kein Nadelöhr scheut, sich notfalls unter den Arm klemmen lässt und dank seiner unaggressiven Ausstrahlung selbst beim Kniebundhosen-Verein auf Sympathien stößt. Freilich nicht zuletzt, weil es gar nicht erst verleitet, staubaufwirbelnd für Furore zu sorgen. Da setzt schon die Gabel Grenzen. Marke Paioli, 46er-Durchmesser – ein mächtiges Stück Maschinenbau, im Wesen allerdings weich wie Tante Erna. Knallt voll in jedes Loch. Sind das wirklich 220 Millimeter Federweg? Etwas härter im Nehmen, dafür deutlich unsensibler, das Federbein.
Komfort zählt nicht zu den Stärken der Kleinen. Man sitzt eher unbequem 86 Zentimeter hoch, steht ganz gut, bringt sein Gepäck kaum unter und fragt sich nach dem ersten Umfaller: Warum hat bei Beta eigentlich niemand an Handprotektoren gedacht?
Und damit zur Kardinalfrage: Warum
überhaupt eine 350er und nicht KTM 640
LC4 oder so? Mehr als 145 Kilo wiegt die auch nicht... Stimmt! Aber sie trägt wesentlich dicker auf. Sowohl von den Abmessungen her als auch pekuniär und nicht zuletzt mental. Schließlich hat jedes Motorrad seinen
Anspruch, und mit so ’ner Hardcore-Feile
einigermaßen umweltverträglich herumtuckern – wer bringt das schon? Im Hochgebirge braucht’s Motorräder, die sich nahtlos ins
Bild der einheimischen Trialer einreihen.

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