Tour 1: Oberbayern (Archivversion)

München, das Einfallstor in die Alpen, liegt bereits im Rückspiegel. Und die A 8, die noch auf den Autobahnbau der Nationalsozialisten zurückgehende „Salzburger Autobahn”, ist wieder einmal dicht. Oft nur zweispurig und ohne Seitenstreifen, scheint sie viel zu eng geworden für den regen Lkw-Verkehr in Richtung Österreich. Doch dem kann man bei der Ausfahrt Holzkirchen entkommen. Auch wenn die fast pfeilgerade Richtung Tegernsee führende B 318 noch nicht die hohen Weihen eines mäandrierenden Alpensträßchens besitzt, zur Einstimmung und Vorfreude taugt sie allemal. In Gmund am Tegernsee gerät man mit den Bergen fast schon auf Tuchfühlung, so markig wie sie hinter den Ufern des Sees emporwachsen. An der Segelschule geht es links ab zum Schliersee dem kleinen Bruder des Tegernsees. Beide Gewässer sind das Überbleibsel riesiger Gletscher, die in der Eiszeit dort ihre Becken herausfrästen. Und die auch an den spitzen Zacken rund um die Ufer beteiligt waren.

Doch noch sind die Berggipfel grün, die Felskulissen ebenso wie die Kurven richtiger Alpenstraßen müssen erst kommen. Aber dann: Nach dem Schliersee taucht auf der B 307 plötzlich der weiße Kragen des Wendelsteins auf. Nackter Fels im oberen Teil des 1838 Meter hohen Grande. Dem anzusehen ist, wie sich beim Zusammenschieben der Alpen die Schichten senkrecht hochkeilten. Der wilde Wahnsinn! Die richtigen Alpen sind erreicht. Und hinter Bayrischzell nimmt auch das Teerband alpine Züge an, kurvt in veritablen Spitzkehren hinauf zum Sudelfeldsattel und stürzt sich jenseits wieder begeisternd zu Tal. In solcher Kurvenlaune sollte man am Abzweig besser nicht die Mautstraße direkt nach Brannenburg, sondern lieber den Umweg über den Tatzelwurm nach Oberaudorf nehmen, tief unten im breiten Inntal. Nach dem herrlich kurvigen Wurmfortsatz geht‘s zunächst am Inn entlang gen Norden bis Nußdorf (eigentlich die falsche Richtung und wieder ein Stück raus aus den Alpen), aber dann über den Samerberg auf herrlichen Sträßchen kurvig nach Frasdorf.

Bei der Weiterfahrt nach Aschau ragt rundum wieder der schiere Fels empor, und die Kampenwand riegelt wie ein Bollwerk die Weiterfahrt nach Osten ab, zwingt zur Umfahrung über Bernau und Grassau. Fast ist der Chiemsee erreicht, und die Alpen sind verlassen. Ein Stück weit übernehmen erneut die Moränenhügel des Vorlandes das Regiment, während es gemächlich über Staudach-Egerndach nach Bergen und Siegsdorf geht. Von dort führt die B 306 zügig wieder hinein in die Berge. Hinter Inzell ist mit der B 305 die Deutsche Alpenstraße erreicht, die zwingend nach Berchtesgaden führen würde. Wenn man nicht hinter Weißbach das Sträßchen nach Bad Reichenhall nehmen und sich noch einen Schlenker über die B 20 nach Berchtesgaden genehmigen würde.

Basisquartier
Berchtesgaden in Deutschlands südöstlichster Ecke bietet beste Voraussetzungen, da der Ort eng mit den benachbarten österreichischen Bergregionen verbunden ist. So ist es nur ein Katzensprung hinüber nach Salzburg und zu den Seen des Salzkammerguts. Eingerahmt von Watzmann und Hohem Göll, zwei der höchsten Berge der Nation, gehört Berchtesgaden selbst zum Alpinsten, was Deutschland zu bieten hat.

Übernachten
Das Vier-Sterne-Ferienhotel Neuhäusl in Oberau ist für Motorradfahrer wie geschaffen, weil es auf einer Bergrippe direkt an der Grenze liegt und man je nach Gusto auf der deutschen oder der österreichischen Seite zu Tal sausen kann. Im Nu ist man in Hallein, auch die Rossfeldstraße ist nur Minuten entfernt (www.rossfeldpanoramastrasse.de). Nach der Tour warten Erlebnisbad mit Wasserfall, Sauna oder Massage zur Entspannung (Wildmoos 45, 83471 Berchtesgaden-Oberau, Telefon 08652/9400, www.neuhaeusl.de; Preise ab 57 Euro pro Person im DZ. Anfahrt ab Berchtesgaden Richtung Salzburg/Rossfeld und in Unterau rechts nach Oberau.

Lesestoff
Für Tour 1 und 3: Baedeker: „Oberbayern, Bayerisches Alpenvorland”, 400 Seiten inklusive großer Reisekarte, 19,95 Euro. Teile der Route finden sich außerdem in „Österreich” aus der Edition Unterwegs des Motorbuch Verlags, 16 Euro. Für Tour 2: „Salzburg, Salzkammergut” aus dem Michael Müller Verlag, 15,90 Euro, oder – mit Teilen von Tour 3 – der Baedeker Allianz Reiseführer „Salzburger Land, Salzburg, Salzkammergut“ für 17,95 Euro. Als Karte ist die Auto- und Freizeitkarte „Österreich“, Blatt 6, von Freytag & Berndt in 1: 200000 für 7,95 Euro ideal, die alle Touren beinhaltet. Wer einen Tag wandern möchte: Kompass Wanderkarte Nr. 14, „Berchtesgadener Land/Chiemseer Alpen“ für 7,50 Euro.

Sperrungen
Auf der gesamten Strecke gibt es keine Sperrungen. Allerdings sind in vielen Bereichen die Geschwindigkeitsbeschränkungen rigide, damit kurvenreiche Passagen nicht zu Rennstrecken werden. Letztlich immer noch besser, als sie zu sperren. Allgemeine Sperrungs-Infos finden sich unter www.bvdm.de.

Pausentipp
Für Süßmäuler: in Schliersee Café - Konditorei Mesner (Lautererstraße 2, Telefon 08026/6436) mit Spezialitäten wie Schokoladensahne- oder Prinzregententorte. Der Entenwirt in Samerberg-Törwang (Samerstraße 5, Telefon 08032/8815) ist bekannt für seine schmackhaften Enten und als Treff der 2-CV-Entenfans. Eine kurze Stichstraße führt von der Sudelfeldstraße zur Speck-Alm (Oberes Sudelfeld 2, Bayrischzell, Telefon 08023/1442, www.speck-alm.de), wo‘s deftige Alm-Brotzeit gibt.

Bikertreff
Ein bekannter Treff direkt an der Sudelfeldstraße ist das Café Kotz (Unteres Sudelfeld 7, Bayrischzell/Sudelfeld, Telefon 08023/333, dienstags geschlossen). Wirtin Simone bietet nicht nur tolle Leberknödel-suppe oder selber gemachte Kuchen an, sondern auch eine schöne Außenterrasse.

Sehenswert
Berchtesgaden gilt als regelrechtes Füllhorn alpiner und touristischer Sehenswürdigkeiten. Eine Bootsfahrt auf dem Königssee führt durch eines der be-eindruckendsten Bergpanoramen der Alpen – lautlos dank Elektroantrieb. Auf der mautpflichtigen Rossfeldstraße erlebt man ähnlich beeindruckende Landschaften, jedoch nicht ganz so lautlos. Weitere Attraktionen in Berchtesgaden: Salzbergwerk (www.salzbergwerk-berchtesgaden.de), Obersalzberg (www.obersalzberg.de) und Kehlsteinhaus (www.kehlsteinhaus.de) oder die Fahrt zu den beliebten Postkartenmotiven wie die Kirchlein von Ramsau (Seite 76) oder Maria Gern. Wer als Ausgleich wandern will, findet um den Königssee eine Vielzahl kleinerer und größerer Touren in sagenhaft schöner Umgebung.

Infos
Berchtesgadener-Land-Tourismus, Bahnhofplatz 4, 83471 Berchtesgaden, Info-Telefon 01805/865200, Internet:www.berchtesgadener-land.com.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote