Tour 2: Hohenlohe-West (Archivversion)

Von Langenburg aus überwindet die Strecke über Bäch­lingen im Jagsttal in wenigen, schön geschwungenen Kilometern den Höhenrücken hinüber nach Braunsbach ins Kochertal, das dort von der mit 185 Meter Höhe höchsten Autobahnbrücke Deutschlands überspannt wird. Beinahe parallel zu jener Autobahn schlängelt sich die Route nach Waldenburg . Der 500 Meter hoch gelegene, sogenannte Balkon Hohenlohes bietet einen traumhaften Blick über die darunter ausgebreitete Hohenloher Ebene. Nur ein kleines Schild weist den schmalen Weg über das abseits gelegene Ziegelhütte und Goldbach, bevor das Industriegebiet von Schwäbisch Hall mit Fastfood-Restaurants und Einkaufszentren die Idylle schroff unterbricht.
Als einziger Fluchtweg bleibt die B 14 (links abbiegen), auf der einen Kilometer später das Freilandmuseum Wackershofen ausgeschildert ist. Ein original­getreues Dorf stellt das ländliche Leben im Lauf der Jahrhunderte dar und stimmt die Besucher auf das mittelalter-lich geprägte Schwäbisch Hall ein. Der ehemaligen Salzsiederstadt gelingt es, Fachwerkbauten mit modernem Leben zu kombinieren. Freilichtspiele auf der Treppe der St. Michaelskirche oder das moderne Globe-Theater vermeiden erfolgreich ­sentimentales Museumsflair, bevor die B 14 (Richtung Heilbronn) das Rad der Geschichte noch weiter zurückdreht.
Das Römermuseum in Mainhardt bietet einen Einblick in das römische Reich, dessen Macht sich auch in einem befestigten Grenzwall, dem Limes, manifestierte. Stille Zeugen bleiben nicht nur die örtlichen Ausgrabungen, sondern auch die Rekonstruktion eines hölzernen Wachturms auf dem Höhenrücken bei Gleichen .
Nach Öhringen (Richtung Neuenstadt) werden die Reize im lauschig verschlungenen Ohrntal zwischen Unter­ohrn und Ohrnberg wieder motorradspezifischer. Zumindest bis ein schmaler asphaltierter Wirtschaftsweg (Richtung Friedrichsruhe) die Erinnerung neu weckt. Kaum beachtet kauert, nur wenige Meter entfernt vor der Querstraße Richtung Pfahlbach , ein 280 Meter langer, nahezu unversehrter Überrest des Limes.
Zwischen Sindringen und Jagsthausen – der Stelle, an der sich Jagst und Kocher auf über 200 Kilometer Flusslauf am nächsten kommen – schnellt der Zeitstrahl wieder ins Mittelalter. Die legendäre eiserne Hand des Ritters Götz wird im Schlossmuseum in Jagsthausen aus­gestellt, sein mutmaßliches Geburtshaus in Berlichingen gegenüber der Kirche, heute Herrenhaus eines landwirtschaftlichen Betriebs, bleibt offiziell allerdings anonym. Im Gegensatz zum Kloster Schöntal , das nicht nur das Grab des über 80 Jahre alt gewordenen Götz beherbergt, sondern dessen bis heute existenter Prunk auch den Kontrast zwischen der Kirche und der bettelarmen Bevölkerung jener Epoche demonstriert.
Zurück in die Gegenwart, zurück ins Kochertal – mit lässigen Schwüngen von Ailringen nach Künzelsau. In dessen Teilort Gaisbach (Richtung Schwäbisch Hall) leistet sich der Schrauben-Magnat Adolf Würth ein Firmenmuseum sowie eine renommierte, öffentlich zugängliche Kunst­sammlung. Künststück – in Hohenlohe.

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