Tourentip Salzkammergut (Archivversion)

Ein Sommertagstraum

Im österreichischen Salzkammergut locken gleich fünf herrliche Bergseen inmitten alpiner Szenerie zu einer aussichtsreichen wie erfrischenden Runde - Bade- und Fahrspaß pur.

Abtauchen. Genau hier und jetzt einfach in den See springen. Die Quecksilbersäule des Thermometers steht auf satten 32 Grad Celsius, von der erfrischenden Wirkung des letzten Almdudlers - einem herb schmeckenden, österreichischen Softdrink - ist längst nichts mehr zu spüren. Der Mondsee lockt so verführerisch mit seinem glasklaren Wasser, daß mir einfach nichts anderes übrigbleibt, als abzutauchen. Mit einem tollkühnen Kopfsprung lande ich in einer der türkisfarbenen Badewannen des Salzkammerguts und spüre, wie das kalte Wasser an meinem Körper vorbeirauscht. Herrlich.In diesem Teil der Kalkalpen, keine 30 Kilometer von Salzburg entfernt, reiht sich ein Badesee an den nächsten. Jeder für sich ein kleiner Traum und stets wundervoll eingebettet in die Berglandschaft. Und ganz nebenbei ist die Region eine tolle Gegend, um auf zwei Rädern unterwegs zu sein, in diesem Fall auf einem Roller. In eleganten, weit geschwungenen Bögen folgt die Straße dem Ufer des Mondsees. Draußen auf dem See dümpeln ein paar Segelboote, an den Ufern sitzen Urlauber beim Grillen oder Sonnenbaden. Sommer am See.Vom Westufer schlängelt sich eine hochalpin anmutende Trasse bis zur Ortschaft Au: die Kienbergwand-Straße. Meter für Meter wurde sie mühsam aus dem Granit gesprengt und führt nun unterhalb einer sich senkrecht erhebenden Felswand entlang, teilweise bohrt sie sich sogar hindurch. Ich komme mir vor wie im Hochgebirge.Zum weitaus größeren Attersee ist es nur ein Katzensprung. In gemäßigtem Tempo lasse ich den Roller an den Gestaden entlangschnurren, passiere kleine Dörfer mit schnuckeligen Fachwerkhäusern und stelle fest, daß sich jeder noch so kleine Winkel am See als Badeplatz anbietet - und auch genutzt wird.In einem gemütlichen Café irgendwo hinter Nußdorf erfahre ich, was es mit der ausgeprägten österreichischen Kaffeekultur auf sich hat. Ein »Kleiner Brauner« verwirrt, Italiener würden ihn als Espresso bezeichnen; der »Große Braune« besteht aus der doppelten Menge Kaffee mit ebensoviel aufgebrühtem Wasser und wird in einer großen Tasse serviert. Oder soll es doch lieber ein »Verlängerter« oder ein »Kaffee Mélange« sein? Um der beginnenden Konfusion aus dem Weg zu gehen, bestelle ich erst einmal einen Apfelstrudel. Und am Schluß entscheide ich mich dann doch für einen »Einspänner«, einen Kaffee im Glas, aber mit einem Schuß »Obers« - österreichisch für Sahne - als Krönung. Nach dem »Boxenstopp« im Kaffeehaus treibe ich den Roller weiter um den langgezogenen Attersee. Hinter Schörfling führt die Strecke wieder in Richtung Süden, und von hier erinnert der von vielen aufragenden Bergspitzen umgebene See vielmehr an einen norwegischen Fjord. Ein wenig beneide ich die Piloten einiger Sportflugzeuge, die über mir ihre Runden drehen. Oder noch reizvoller: in einem der vielen Heißluftballons, die heute unterwegs sind, über die Berge schweben.Bei Seefeld kehre ich dem Attersee den Rücken zu und spule mich über das Höllengebirge zum Traunsee hinüber. Gehörte ich bis eben im Troß der - wenn auch wenigen - Wochenendausflügler rund um den Attersee sogar mit dem Roller zu den Schnellsten auf der Straße, hätte ich hier auf der kurvenreichen Strecke gern ein paar PS mehr am Hinterrad. Aber so bleibt wenigstens Zeit, über die herrliche Berglandschaft zu staunen. Den Traunsee lassen ich im Sinne des Wortes links liegen, den mein eigentliches Ziel ist für heute der Wolfgangsee. Doch während es bisher an den Gewässern recht ruhig und gelassen herging, entpuppt sich St. Gilgen fast schon als Hochburg für den internationalen Tourismus. Entlang der Uferpromenade werden unzählige Reisegruppen von ihren französisch, englisch oder japanisch sprechenden Guides hin und her geleitet. Einige staunen über einen historischen Raddampfer, andere über die in Lederhosen gekleideten Fiaker-Kutscher, die wieder und wieder mit Gästen aus aller Welt auf dem Kutschbock als Fotomodell herhalten müssen. Doch die hundertfach abgelichteten Chauffeure nehmen´s trotz der brüllenden Hitze sichtbar gelassen. Aber auch ich lasse mich nach diesem wunderschönen wie aussichtsreichen Roller-Tag nicht mehr aus der Ruhe bringen und gönne mir noch ein Eis, bevor ich mir am Ufer ein ruhiges Plätzchen suche - zum Abtauchen.
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Infos (Archivversion)

Das Salzkammergut eignet sich hervorragend für einen herrlichen Wochenendtrip: Tolle Strecken finden sich hier genauso wie erfrischend-kühle Badeseen.
Anreise: Von Deutschland über die A 8 via München bis nach Salzburg fahren und von dort aus über die A 1 bis zur Ortschaft Mondsee. Die Autobahnen in Österreich sind mautpflichtig, ein »Pickerl«, das für zwei Monate gültig ist, kostet umgerechnet zwölf Mark. Noch ein Tip: Die östereichischen Gendarmen nehmen´s mit der Einhaltung der erlaubten Höchstgeschwindigkeiten sehr genau. Wer nicht in den zweifelhaften Genuß der inzwischen sehr hohen Bußgelder kommen will, sollte sich unbedingt an die jeweiligen Tempolimits halten.Reisezeit: Während der Sommermonate und vor allem an heißen Wochenenden kann es auf den Straßen und an den Seen recht voll werden. Deshalb die Ferienzeit lieber meiden. Der Spätsommer und Herbst gelten nicht nur in diesem Teil der Alpen als die schönste Reisezeit. Wer dann noch wochentags unterwegs ist, hat die schönen Strecken des Salzkammerguts fast für sich allein.Unterkunft: An Hotels herrscht im Salzkammergut kein Mangel. In den kleineren Ortschaften abseits der »Touristenhochburgen« wie St. Gilgen oder St. Wolfgang lassen sich in der Regel günstige Pensionen oder Privatzimmer finden. An den Seen gibt es auch zahlreiche Zeltplätze. Dennoch kann es in den Ferienmonaten zu Engpässen kommen. Entsprechende Informationen über Unterkünfte, Aktivitäten und Routenvorschläge gibt es bei der Österreich-Information, Postfach 1231, 82019 Taufkirchen, Telefon 089/66670100.Literatur: Nützliche Infos auf einen Blick finden sich im Marco-Polo-Reiseführer »Salzburg, Salzkammergut« für 9,80 Mark. Wer seine Touren in Österreich oder in den gesamtem Alpenraum ausdehnen will, dem seien aus der Edition Unterwegs die beiden Bände des MOTORRAD-Reiseführers »Alpen« empfohlen - mit insgesamt 16 reich bebilderten Reisegeschichten sowie ausführlichem Infoteilen und Pannenwörterbüchern in Französisch, Italienisch und Slowenisch. Für jeweils 29,80 Mark zu bestellen beim Motor Presse-Spezialverkauf, Telefon 0711/182-1229. Karte: Generalkarte Österreich, Blatt 2, Maßstab 1:200.000, Mairs Geographischer Verlag für 12,80 Mark.

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