Tourentip Tirol (Archivversion)

Alp-Traum

Eine Alpentour in zwei Tagen? Kein Problem, wir haben den Tip für die hochalpine Wochenendrunde.

Einmal eine große Alpentour fahren ist sicher der Wunschtraum vieler Zweiradler. Doch mangels Urlaub liegt die Sache oft genug auf Eis. Die folgende Tour läßt sich aber zumindest für Süddeutsche bereits an einem Wochenende bewältigen, und weder Kurven noch Landschaft kommen dabei zu kurz. Start ist in Pfronten. Dort zweigt die Nebenstrecke über Grän ins Tannheimer Tal ab. Weiter geht es am Haldensee vorbei, der es bei richtigem Lichteinfall schon mal mit der Südsee aufnehmen kann, so intensiv leuchtet sein Türkis. Gleich darauf schlängelt sich der Gaichtpaß hinüber ins Lechtal, das mit dem wilden Flußbett des Lechs, zu den landschaftlichen Schönheiten Tirols zählt, und von der steilen Auffahrt zum Hahnntenjoch weit zu überblicken ist. Die Serpentinen am Hahntennjoch sind sicherlich die eleganteste Art, den staugeplagten Fernpaß links liegen zu lassen und weiter durch das breite Inntal hinüber ins Ötztal zu gelangen. Entlang der Ötztaler Ache, eine der gefährlichsten und anspruchsvollsten Wildwasserstrecken der Alpen, steigt die Straße stetig hinauf nach Hochgurgl, eine Ecke der Alpen, die vor einigen Jahren schlagartig weltweite Berühmtheit erlangte. Rund fünfundzwanzig Kilometer Luftlinie von Hochgurgl entfernt, in der Nähe des Similaungletschers, wurde die über fünftausend Jahre alte, vom Eis konservierte Leiche des »Ötzi« gefunden. Diese kann seit kurzem in Bozen besichtigt werden. Zwischen dem Ötztal und dem Ötzi warten aber noch drei Alpenpässe darauf, bezwungen zu werden. Der spektakulärste beginnt gleich hinter Hochgurgl. Das Timmelsjoch, das Österreich und Italien in 2474 Meter Höhe verbindet. Während die österreichische Seite mit weiten Kurven aufwartet, windet sich auf der italienischen ein schmales Sträßchen in engen Bögen den Berg hinunter. In St. Leonhard, wo das Geburtshaus von Andreas Hofer, dem berühmtesten Freiheitskämpfer Südtirols, steht, beginnt der Anstieg zum Jaufenpaß, dem unmittelbar das Penserjoch folgt. Während auf dessen Paßhöhe oft erst im Juni die letzten Schneereste wegschmelzen, dringt bei der Abfahrt nach Bozen bereits das milde Klima der Südtiroler Weinanbaugebiete durch die Motorradklamotten. Abkühlung verschafft dann wieder das klimatisierte Stadtmuseum von Bozen. Hier liegt er nämlich, der Ötzi. So wie er es 5300 Jahre lang gewohnt war - eisgekühlt. Die Ausstellung, in der auch seine Kleidung, Jagdwaffen und Ausrüstungsgegenstände genauestens beschrieben sind, ist hochinteressant. Was er jedoch oben beim Similaungletscher gemacht hat, stellt die Wissenschaft noch immer vor Rätsel. Was ein Motorradfahrer in den Bergen macht, ist klar. Er sucht den nächsten Paß. Und der taucht bereits in Kaltern auf, dem bekanntesten Weinvernichtungsgebiet germanischer Rebensaftliebhaber in Norditalien. Direkt am Ortseingang von Kaltern steigt der Mendelpaß in den Berg, und bald schon kann das Mosaik der Weinfelder aus der Vogelperspektive bewundert werden. Durch das Val di Sole, das Tal der Sonne, wird der Passo del Tonale erreicht, der nach der bisherigen Strecke zu den Kleinigkeiten gezählt werden darf und vor den beiden nächsten Pässen gänzlich verblaßt. Der Gaviapaß steigt schmal und in engen Radien bis auf 2621 Meter hinauf - davon rund vier Kilometer noch immer als Schotterpiste. Ist diese aber überwunden, entschädigt eine großartige Berglandschaft für die Schüttelei. Auf dem Fuß folgen die 48 Kehren des Stilfser Jochs, für viele der Alpenpaß schlechthin. Kein Wunder, daß die Würstelbude am 2757 Meter hohen Paßübergang an Wochenenden umschwärmter Motorradfahrer-Treffpunkt ist. Vorbei am Reschensee, aus dem die Kirchturmspitze des dem Stausee geopferten Dorfes Altgraun ragt, und über den Arlberg- und den Flexenpaß mündet die Strecke wieder ins Lechtal. Und nicht nur der Autor wird vermutlich an der Abzweigung zum Hahntennjoch am liebsten den Blinker setzen, um die selbe Strecke gleich ein zweitesmal abzufahren.
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Info (Archivversion)

Dieser Tourentip ist für Biker gedacht, die ständig von der Alpentour träumen, aber keine Zeit dafür haben. Mit 700 anspruchsvollen Kurvenkilometern ist sie zwar auch für routinierte Fahrer eine Herausforderung, bietet aber auf relativ kleinem Terrain eine Ballung alpiner Hochgenüsse. Selbst so geniale Päße wie Timmels-, Stilfser- und Penserjoch sowie der zum Teil noch geschotterte Gavia sind im Streckenplan enthalten. Und wer das Wochenende etwas verlängert, kann den Power-Trip leicht in genußvolles Cruisen in der Dreiländerregion verwandeln.
Anreise: Aus fast allen Teilen Deutschlands erreicht man Pfronten am einfachsten über die A7, Ausfahrt Nesselwang/Pfronten. Nur vom östlichen Bayern her ist es günstiger, über Füssen und Reutte direkt ins Lechtal zu fahren. Übernachten: An der gesamten Strecke gibt es eine Unmenge an Übernachtungsmöglichkeiten. Darunter sehr viele preiswerte Privatzimmer und Pensionen. Hier einige Empfehlungen: Urige Atmosphäre im oberen Ötztal bietet Dorf Alm, in A-6456 Obergurgl, Untergurgl 113, Telefon/Fax 0043/(0)5256/65 70, DZ mit Frühstück rund 35 Mark pro Person. Ruhig gelegen ist die Privatpension Haus Grafenstein in I-39015 St. Leonhard in Passeier, Weingartweg 14, Telefon 0039/(0)473/65 6208, DZ mit Frühstück ebenfalls umgerechnet etwa 35 Mark pro Person. Nur wenige Kilometer über St. Leonhard in Passeier, direkt an einer Kehre des Jaufenpasses, liegt die Pension Schloßberg, I-39015 St. Leonhard in Passeier, Telefon 0039/(0)473/656151, Fax 221607, DZ mit Frühstück kostet etwa 40 Mark pro Person. Eine günstige Frühstückspension in Kaltern: Zur Traube, I-39052 Kaltern, St. Anton, Pfuss Nr. 7, Telefon 0039/(0)471/963369, DZ mit Frühstück 30 Mark pro Person. Günstig zwischen Gaviapaß und Stilfserjoch liegt das Albergo Castello, I-23030 Valfurva, Via S. Antonio 78, Telefon/Fax 0039/(0)342/945709, DZ mit Frühstück 40 Mark pro Person. Am Garni Marlene, am Reschensee, steht sogar das Logo von Motorrad auf der Hauswand, Garni Marlene, Hauptstraße 37, I-39027 Reschen, Telefon/Fax 0039/(0)473/633123, DZ mit Frühstück 45 Mark pro Person. Sehenswert:Sehr interessant und ein wenig makaber ist die Ausstellung über den Mann aus dem Eis, den Ötzi, im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen. In einer Art Kühlkammer kann der konservierte Körper durch ein kleines Fenster besichtigt werden. Videofilme über den Verlauf der Bergung und die Ergebnisse der Untersuchungen geben einen kleinen, aber interessanten Einblick in das Leben des Gletschermannes. Südtiroler Archäologiemuseum (Stadtmuseum), Museum-Str. 43, I-39100 Bozen, Telefon 0039/(0)471/98298. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 - 18 Uhr (im Winter von 10 - 17 Uhr), Donnerstag 10 - 20 Uhr, Montag geschlossen. Eintrittspreis 10 000 Lire.Aktivitäten:Ein besonderes Erlebnis sind Raftingtouren auf den recht wilden Oberläufen der Inn und der Ötztaler Ache. Sie können bei der Kajak & Raftingschule Ötztal gebucht werden: A-6433 Ötz, Tirol, Ambach 29, Telefon und Fax 0043/(0)5252/6721.Information:Für Tirol: Österreich Information, Postfach 1231, 82019 Taufkirchen, Telefon 089/66670100, Fax 089/66 671201. Für Südtirol: Südtirol Tourismus Werbung, Pfarrplatz 11, I-39100 Bozen, Telefon 0039/(0)471/993808, Fax 0039/(0)471/993889 (deutschsprachig).Literatur:Ein gute Einstimmung verschaffen das neue Merianheft Südtirol für 14,90 Mark und der HB-Bildatlas Tirol für 16,80 Mark. Ausführlicher ist der DuMont-Reiseführer Südtirol. Er kostet 19,80 Mark. Zur Wegfindung reicht die Marco Polo Karte, Österreich in 1:600 000 zwar aus, mehr Details bietet jedoch die 1:200 000er Blätter »Österreich 3« und Italien 2 vom gleichen Verlag.

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Streckenlänge: Rund 700 KmReisedauer: 2-3 TageTanken: An vielen Tankstellen gibt es dank Automaten 24 Stunden lang Sprit.Streckenprofil: Insgesamt zwölf Pässe mit Paßhöhen zwischen 1093 und 2757 Meter. Am Gaviapaß sind vier Kilometer Weg ohne Teerbelag, die nach Regenfällen stark ausgewaschen sein können. Asphalt-Alternativen: Am Passo del Tonale weiter bis Téglio fahren und über Tirano und Sóndalo bis Bórmio. Kaffee-Pausen:Die beste Aussichtsterrasse hat der Gasthof Hoch First, das erste Haus an der Abfahrt vom Timmelsjoch auf der italienischen Seite. Supergute Holzofen-Pizzas gibt´s beim Brückenwirt in St. Leonhard in Passeier.Bademöglichkeiten:Abkühlung verschafft das Schwimmbad am Kalterer See. Hier gibt`s auch einen Surfbrettverleih.Sehenswert:Das Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen.

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