Tourentipp Dolomiten (Archivversion) La Sella-Ronda

Rund um die Sella-Gruppe beginnt Motorradleben pur. In einem unglaublichen Kurvenlabyrinth vereinen sich hier landschaftliche und fahrerische Genüsse auf höchstem Niveau.

Wenn bezüglich Motorradstrecken von Highlights gesprochen wird, dann sind die Dolomiten mit Sicherheit ganz vorne dabei. Dann gilt die Begeisterung ungezählten Pass-Straßen, sattgrünen Almwiesen und den schroffen Gebirgszügen, die mit ihren gewaltigen, rotschimmernden Felstürmen in den Alpen einmalig sind. Der optimale Einstieg für die beschriebene Tour liegt nordöstlich von Bozen in Kastelruth. Unterhalb der saftigen Wiesen der Seiser Alm, der größten Hochalm Europas, schlängelt sich die Route zwischen dem Schlernmassiv und dem Eisacktal zum Niger Sattel. Dort verlässt sie in weiten Schwüngen das breite Eisacktal und geht direkt in den Karerpass über. Bereits einen Katzensprung weiter, in Moena, zweigt der Passo di San Pelegrino in das Gebiet südlich der Marmolada ab, dem mit 3342 Meter höchsten Gipfel der Dolomiten. Die östliche Abfahrt des Passo di San Pelegrino bildet ein herrliches Serpentinen-Dorado hinab nach Falcade. Der anschließende Passo di Valles, 2033 Meter hoch, ist ein kleiner Geheimtip. Mit idealen Kurvenradien durchschneidet er ein kühlendes Waldgebiet mitten im Regionalpark von Panevéggio. Hinter dem anschließenden Passo Rolle ist der südlichste Punkt der Tour erreicht. Die enge Nebenstrecke nach Forno di Zoldo führt durch typisch italienische Regionen. Abgesehen vom immer quirligen, alten Städtchen Agordo geht es hier auch in der Hochsaison recht ruhig zu. An den Straßen reihen sich kleine Bars, wie gemacht für den ersten echten Cappuccino der Saison. Wer kann, hält aber besser bis zum Übergang des Passo di Giau durch, einem der Höhepunkte auf der Dolomitenrunde – nicht nur wegen der hochgenialen Streckenführung, sondern auch aufgrund der herrlichen Aussicht von der Terrasse des Restaurants auf der Passhöhe. Wenn das Wetter mitspielt, ist von dort sogar die Bergstation der Seilbahn am Pordio-Joch zu erkennen. Der Passo di Giau endet im breiten Tal von Cortina d’Ampezzo. Auf der gegenüberliegenden Seite zwirbelt sich sogleich das Kurvengeschlängel des Passo Tre Croci weiter und zum See von Misurina hinauf. Wanderfreunde zweigen hinter dem See in die kleine Stichstraße zum Gebiet zwischen den Felsnadeln der Drei Zinnen ab. Allerdings kostet der kurze Fahrweg umgerechnet satte zehn Mark Maut für ein Motorrad. Auf der Hauptroute beginnt anschließend die Nordumrundung der Gruppo del Cristallo, die entlang der Grenze des Parco Regionale delle Dolomiti d’Ampezzo mit ihrer imposanten Berglandschaft an Urwelten erinnert.Wieder zurück in Cortina d’Ampezzo ist der Passo di Falzarego dran. Der schlängelt sich nach Westen zur Sellagruppe und damit mitten ins Herz der Dolomiten. Die Auffahrt zum Pordoi-Joch ist ein wahrer Genuss, und auf der berühmten Runde um die Sella-Gruppe, über das Sellajoch, das Grödnerjoch und den Passo di Valparola, darf sie sogar zweimal gefahren werden. Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass von der Sellarunde während der Saison nicht nur Motorradfahrer begeistert sind. Wer also die Möglichkeit hat, diese vielleicht beste Ostalpen-Route auf zwei Wochentage zu legen, sollte das unbedingt tun. Die Strecke wird es lohnen.

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